Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 16 (27.8.1833)
- Date
- 1833-08-27
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542348-2542349-2542366--387-3526901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DeftiedMng gewahren, muß die G^rhgebung ihnen jede besondere Berücksichtigung versagen, damit sie sich in ihrem ungenährten Feuer verzehren. Eben darum, weil der privilegirre Städter den Landmann, der Adlige den Bürger, der Christ den. Juden zu drücken geneigt ist, wenn ihm die Fähigkeit dazu gegeben worden, weil der Eine gern sich wirkliche oder eingebildete Vorcheile auf Kosten der natürlichen Freiheit des Anderen verschafft, muß die Gesetzgebung, wenn sie Einheit der Interessen, wenn sie eine wahrhaft nationale'Gesinnung zu erzeugen strebt, alle solche rechtliche Sonderungen in so fern aufheben, als sie lediglich den Vortheil, die Neigung oder das Vorurtheil der Einen auf Kosten der Anderen zu begünstigen scheinen. Wenn nun die öffentliche Meinung eben aus nichts anderen» bestände, als aus einer wilden Vermengung solcher partikulärer, selbstsüchtiger, feindseliger Meinungen und Bestrebungen, wenn sie einem großen stehenden Sumpfe gliche, in Micher sich aller Ünrarh der Selbstsucht, des Hasses und des Neides, seit Jahrhunderten aufgehäuft, zusammenfände, — dann freilich würde ihr Einfluß nur einen endlosen Kampf, er würde nur jenen Krieg Aller gegen Alle erzeugen können , welcher den Naturzustand &li Hobbes bildet, und wir würden^ wie Hobbes, zu den Begriffen des Staates und des Gesetzes nicht anders zurückkehren können, als durch das Mittel der vollständigsten Bändigung aller Meinung und alles Willens, durch die völlige Ausschlie, ßnng ihres Einflusses auf die Gesetzgebung d. h. durch die absolute Gewalt. Diese stiftet dann den Frieden einer gleichen Knechtschaft zwischen den elenden Leidenschaften aufrührerischer Sklaven; sie erscheint dann wie das Symbol der Kraft, wie der Göttergezeugte Herkules, welcher das vielköpfige Ungeheuer mit all seinen zischenden Schlangenzungen , mit der Keule erschlägt, welcher den ungeheuren Schmutz hinwegräumt und den Boden säubert und die Atmosphäre reinigt von dem verpestenden Element. — Wenn wir nun aber sehen, wie im entschiedensten Gegensätze zu der so eben absichtlich bis in ihr äußerstes Extrem verfolgten Ansicht alle edleren Gemüther in unserer Zeit in der Macht der öffentlichen Meinung, in ihrer gewichtigsten Einwirkung auf die Gesetzgebung das Heil der Menschheit und der Staaten erkennM, so müssen sie doch wohl in ihr etwas Anderes sehen, als das eben geschilderte Ding oder Unding, ein höheres Wollen, als jenes zerrissene, vielgestaltete Wollen hex Selbstsucht, eine höhere Einheit, als jene Verwirrung der Leidenschaften und der Bestrebungen uns darstellt. Es würde schlimm um die Menschheit stehen , wenn wir jenes höhere Element vermißten oder es wert suchen müßtet». So wie ungeachtet der Verirrungen und Vergehungen der Einzelne»», der Meisten selbst, dennoch in der Brust der Me»»schheit. ein unvertilgbares sittliches Bewußtsein, ruht, an welchem sie sich erkennt, welches das Uebereinstimmende, das Vereinigende, das Unverrückbare ist inmitten der streirenden Begierden und Interessen, so lebt in dem durch die Idee des Rechts zu einern Ganzen gebildeten Theile der Menschheit, in der Nation, ein Bewußtsein des Rechts, welches über den Irrungen und den selbstsüchtigen Tendenzen der Einzelnen steht, eine Liebe zum Recht, welche nahe verwandt ist der Liebe zum Vaterlands, das durch das Recht zu feinem wahren Dasein gelangt. Die öffttttliche Meinung ist daS Gewissen der Nation, sie ist jenes allgemeine, gleiche Bewußtsein des Rechts, jener lebendige, uneigennützige Eiftr für das Recht, welcher die Zerrissenheit der Selbstsucht und alles Zwiespaltes beherxscht und auflöst. Sie gleicht nicht dem verworrenen Durcheinander-Klingen isolirter, diffomrender Stimmen, sondern sie ist die gebundene, durch ein höheres Naturgesetz zu einem übereinstimmenden Ganzen vereinigte Harmonie. Aber die Bedingungen diOr Harmonie, die Verhältnisse, unter welchen jenes höhere Naturgesetz allein seine Wirksamkeit äußern kann, sind hier eben so klar und fest und unabänderlich gegeben,. wie in der Welt dex Töne. So wie es nicht genügt, daß irgendwie eine Menge von Tönen kaut werde, damit eine Harmonie entstehe, so »st es auch nicht hinreichend, daß nur eben allerhand Meinungen und Stimmen, gleichviel welche uM> auf welche Weise, hörbar werden, damit sich daraus eine öffentliche Meinung gestalte. Wenn diese auf die Einzelnheiten der Gesetzgebung einen freien, selbstständigen Einfluß üben »nutz, so erhält sie dagegen selbst durch das Grundwesen, durch die Grundverfassung des Staates, durch das Berhalmiß, in wel-