Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 13 (23.7.1833)
- Date
- 1833-07-23
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Borurtheil, Fanatismus, Hang zur Absonderung! Daß die Staatsgewalt ein drückendes System von Ausschließungen und Verboten handhabe, damit ja keinem Einzigen, der sich nicht zur herrschenden Religion bekennt, Ln dem ganzen weiten Gebiete des Lehrens irgend eine Wirksamkeit zu Theil werde, findet man billig und natürlich, und den Bekennen: des abweichenden Glaubens macht man es zum Vorwurf, wenn sie auf einen geringen Theil der Bildung ihrer eignen Kinder — denn im Gebiete des höheren Unterrichts hört ja die Frage von selbst auf — Lehrern aus der Mitte ihrer eignen Glaubensgenossen einigen Einfluß gestatten wollen? Und man scheut sich nicht, diesem natürlichsten aller Wünsche eine gehässige Deutung unterzulegen? Und man will ihn durch Zwang unterdrücken? Es ist hier noch der Umstand sehr zu beachten, daß mit dem, Aufhören der jüdischen Schulen unter den in Preußen obwaltenden Umstanden dem jüdischen Lehrer jede regelmäßige, einigermaßen eine Existenz begründende Wirksamkeit entzogen sein würdet). An einer nicht jüdischen Schule eine Anstellung zu finden, darf er nicht hoffen; eine Unterrichtsanstalt für christliche Knaben zu gründen, wenn es ihm auch gelingen könnte, ist ihm verboten, er ist also, wenn es keine jüdische Schulen mehr giebt, an welchen er lehren kann, von jeder Thatigkeit, mit alleiniger Ausnahme des Religionsunterrichts, völlig ausgeschlossen. Nun bedarf es aber nur eines flüchtigen Blickes auf die Verhältnisse, um sich zu überzeugen, daß es unmöglich ist, daß wir je eine hinlängliche Anzahl fähiger und wissenschaftlich gebildeter Neligionslehrer besitzen, wenn nicht Denen, die sich diesem Berüfe widmen, zugleich ein weiterer Wirkungskreis in einem der Gebiete des Unterrichts eröffnet , .. , ' - ■■■■■■ ■ .... ■: ", wird. Die Mehrzahl junger christlicher Theologen, denen doch um so vieles weitere Aussichten am Ziele ihrer Laufbahn eröffnet sind, als den unsrigen, weiß einet! Theil ihres früheren Mannsalters hindurch sich nicht anders als mit dem Unterrichte zu beschäftigen *) Auch Hr. Dr. Jost erwähnt dieses Pmcktes im Vorbeigehen S. 84, ohne aber — aus Bescheidenheit vielleicht, weil er selbst dem Lehrstande angehört — einen so großen Werth darauf zu legen, als wir darauf le- und in manchen Staaten — was freilich in Preußen nicht der Fall ist — werden die Philologen durch sie fast gänzlich von den Lehrstellen ausgeschlossen. Zn unseren Verhältnissen aber, in Preußen vollends bei dem gänzlichen Stillstände aller gottesdienstlichen Verbesserungen, welcher, wie wir oben gesehen haben, die Anstellung gebildeter Geistlichen ganz unnütz macht und daher auch das Bedürfniß darnach völlig unterdrückt hat, kann man einem fähigen, gebildeten Jünglinge nicht zumuthen, sich den Studien, die ihn zum jüdischen Religionslehrer geschickt machen, zu widmen, wenn er nicht zugleich in anderen Fachern des Unterrichts thatig sein zu können hoffen darf, da jener Zwang allein ihm keine einigermaßen sichere und erfreuliche Aussicht darbietet.— Abgesehen aber davon, daß es uns auf diese Weise an tüchtigen Religionslehrern fehlen würde, wäre schon überhaupt der Mangel eines Lehrerstandes in unserer Mitteder durch die Vorschläge des Hrn. Str., kombüMt mit den übrigen im Preußischen Staate obwaltenden Verhältnissen ganz und gar wegfallen müßte, von der allerempfindlichsten Art, und wir wüßten nebst dem Verbote gottesdienstlicher Verbesserungen keinen wohlberechneteren, köstlicheren Stoß, den man allem Gedeihen und allen Fortschreiten der Bildung in unserer Religionsgemeinde beOringen könnte. Die Gründe dieser Behauptung sind leicht ernzusehen. Bei jeder gottesdienstlichen oder anderweitigen einer Religrons s Gemeinde noththuenden Verbesserung ist in der Regel die Mitwirkung wissenschaftlich gebildeter Männer wünschenswerrh, oft muß die Anregung dazu von ihnen ausgehen. Nun giebt es mit wenigen Ausnahmen unter uns keine anderen Männer, deren Berus jene Bildung voraussetzt , als Aerzte und Schullehrer, weil dieses namentlich in Reußen die einzigen Fächer sind, in denen dem jüdifthen Gelehrten der Gebrauch seiner Kräfte gestattet ist. Die ersteren nun stehen in der Regel,—Mieden rühmlichsten Ausnahmen freilich — durch die anstrengenden Geschäfte ihres Berufs, oft auch durch ihre Gesinnung, ihrer Religionsgemeinde M fern, als daß viel Gutes für dieselbe von ihnen zu erwarten wäre. Der Zugendlehrer hingegen steht mit seiner Gemeinde wie mit der Religion selbst in der innigsten Beziehung; sein Beruf sühn ihn dazu, den Mtth ih-