Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 13 (23.7.1833)
- Date
- 1833-07-23
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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104 z. B. an Johann Ludwig Ewald (in seinen Ideen über die nöthige Organisation der Israeliten in christlichen Staaten, Karls; ruhe 1806) eifrige und ausschließliche Vertheidiger gefunden haben. Was uns betrifft, so halten wir natürlich vor allen Dingen ein Verbot der Art als den widerrechtlichsten Eingriff in die allernatürlichste Freiheit der Erziehung und des Gewissens für absor lut verwerflich. Was aber die Sache selbst angeht, so können wir uns, wenn wir von den Verhältnissen, wie sie in Preußen und anderen Staaten wirklich sind, ganz und gar absehen, sehr wohl Verhältnisse denken, unter welchen es einer in schwacher Minorität befindlichen Religionsparthei ganz unnütz sein und, falls sie sich auf ihren Vortheil verstände, gar nicht in den Sinn kommen würde, für die übrigen Gegenstände der Jugendbildung außer dem ReligionL, Unterrichte besondere Schulanstalten besitzen zu wollen. Man denke sich einen Staat, in welchem die positive Religion der Mehrzahl von den bürgerlichen Einrichtungen überhaupt und so auch von den bürgerlichen Schulen so getrennt erscheint, daß ein besonderem Einfluß derselben auf die Unterrichtsgegenstande außer der Religion eben nicht zu vermuthen ist, daß man die Schulen öffentliche Schulen, Gemeinde - Schulen, Bürgerschulen aber nicht „ christlich^' Schulen nennt und ihnen nicht durch die Benennung schon einen ausschließenden religiösen Charaeter beilegt,; man denke sich ferner einen Staat, der bei der Wahl der Jugendlehrer keinerlei Unterschied der Religion rintreten läßt, der, um der Sache einen bMmmteren Ausdruck in Beziehung auf unseren Fall zu geben, z. B. es auf gleiche Weise gestattet, daß die Privat-Schulanstalt, an deren Spitze ein Jude steht, von christlichen Kindern, wie umgekehrt die, an deren Spitze ein Christ steht, von jüdischen besucht werde , der bei der Anstellung von Lehrern an öffentlichen Schulen das Bekenntniß der herrschenden Religion nicht zur Bedingung macht und es so deutlich zu erkennen giebt, daß in seinem ganzen Unterrichtswesen keine ausschließenden Grundsätze vorwalren. In einem solchen Staate würden wir unseren Glaubensgenossen allerdings anrathen, auf besondere Schulen durchaus keinen Werth zu legen; hier würde man, falls sie in diesem Streben auf I Kosten ihres Geldes und vielleicht selbst der Güte ihrer Schulen beharrten, allerdings berechtigt sein, von ihnen zu behaupten, daß sie an Aufklärung, an aufrichtigem Streben nach Einigung und Anschließung hinter den Gesetzgebern und Regierern jenes Staates zurückgeblieben seien; man könnte dann vermuthen, es sei in ihrer Religion ein gewichtigeres Moment der Absonderung und Entfremdung, als in der herrschenden, vorhanden. Jndeß würde unter diesen Umständen wohl die Schranke nothwendig von selbst wegfallen. Die von dem Juden geleitete Privatschule würde nicht mehr ausschließend den Character einer jüdischen besitzen, da ja auch christliche Kinder darin unterrichtet werden könnten; die öffentliche Schule, an welcher nicht nothwendig und ausschließlich Christen angestellt werden müßten, würde dann nicht mehr ausschließlich eine christliche, sondern eine bürgerliche Schule sein und der religiöse Gesichtspunct würde allein noch für den Religions-Unterricht seine Bedeutung behalten. Von allen den hier vorausgesetzten Verhältnissen waltet nun aber in Preußen das gerade absolute Gegentheil vor. Daß in dem ganzen Preußischen Volksschulwesen ein christliches Prinzip vorherrscht, daß die Beförderung christlichen Glaubens in den Gemüthern der frühesten Jugend auch bei der Urrterweifirng in solchen Lehrgegenständen, die nicht direkt die Religion betreffen, in der Geschichte z. B., ja bei den Lese- Uebungen selbst zu den Aufgaben des Lehrers gezählt wird — das sind wir zu tadeln an und für sich weder berechtigt noch gesonnen; nur müssen wir daraufbringen, daß unsere Gegner, die ja sonst diese Thatsache keinesweges zu verläugnen, sondern vielmehr mit Stolz hervorzuheben pflegen, sie uns gegenüber nicht ignoriren, daß sie auch einen gleichen Maaßstab der Beurtheilung an beide Theile anlegen, daß sie nicht, wahrend sie es an der christlichen Mehrzahl billigen und rühmen, daß sie ihre positive Religion zum Mittelpunete der Zugendbildung zu machen sucht, dasselbe Streben an der jüdischen Minderzahl für Vorurtheil, Fanatismus oder „Hang zur Absonderung" erklären. Aber es gehet jenes christliche Prinzip des Unterrichtswesens viel weiter als bis zum Beherrschen und Durchdringen einzelner Unterrichtsgegenstände, welches ohne Partheilichkeit von