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Der Jude · 1833-07-23 · Heft 13 (23.7.1833) · p. Seite 103

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 13 (23.7.1833)
Date
1833-07-23
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 glieder von allen Seiten für die Einführung dieser i und anderer ihm so wünschenswerrh scheinenden Verbesserungen thätig sind, oder eine Regierung, die sie verbietet? Und wenn er Jene ihrer Vorurtheile wegen für unreif erklärt zum Genuß voller bürgerlicher Rechte, für unwürdig, gleichen Gesetzen und einer gleichen Staatsgewalt, einen gleichen Gehorsam zu leisten, wie will er denn mit einiger Conse, quenz den Beruf und die Würdigkeit dieser Regierung zum Herrschen beurtheilen? Es ist aber jener schreiende Widerspruch zwischen Thar und Wort nicht etwa ein bloß zufälliger, in btt Eigenchümlichkeit dieses einzelnen Schriftstellers begründeter und wir haben ihn nicht deshalb allein so ausführlich hervorgehoben, um dadurch den Mangel an Aufrichtigkeit und an Klarheit dieses Einen deutlich zu machen- Es ist vielmehr jener Wider, sprach tief begründet in den Verhältniffen, in der ganzen Natur jenes unterdrückenden und niederhaltenden Treibens. Eine fanatische Gesinnung, voll Haß gegen jede fremde Glaubensmeinung, noch mehr aber gegen jede hellere, freiere Ansicht von göttlichen Dingen, am unversöhnlichsten daher, wo der eine Gegenstand des Hasses mir dem anderen zusammentmffk, wo das verhaßtere Licht der Aufklärung in dem verhaßten Glauben aufgehen will; eine Gesinnung, keck in rascher und geheimer That, da sie einen jeden Tadel, eine jede öffentliche Erörterung über ihr Verfahren zu beseitigen vermag *), die sich aber ihrer selbst schämt, da wo sie in Worten austreten und sich rechtfertigen soll und sich daher in die Form des ihr am allermeisten entgegengesetzten, der Vernunft und der Aufklärung, zu hüllen sucht — das ist der innere Grund jener Erscheinmrg. Die Unduldsamkeit in dem Mantel der Kritik, die stumpfste Bigotterie mit den geliehenen Waffen des Rationar lismus, die so überaus wohlfeil und leicht zu führen sind, wenn es fremde Glaubensmemungen und rettgiöst Institutionen gilt bas ist ein Schau, spiel, das man uns in den letzten Jahren zu oft *) Vergebens sucht man in einer Preußischen Zeitung oder in einem in Preußen gedruckten Buche ein freimütiges WM über diesen die Gewissen vieler'Lausende angehenden Gegenstand. Zu bedauern ist, daß Dr. Jost in scknertrefflichmSchrift gegen Streckfuß ihn nicht behandelt hat. gezeigt hat, als daß noch Jemand durch die plumpe Larve irre geführt werden könnte. Anerkennung des gleichen Rechts der Bekenner dßp verschiedenen Kom fesstonen, Verwerfung einer jeden die gewissenhafte religiöse Ueberzeugung strafenden bürgerlichen Beschränkung — das ist das erste, das. unerläßliche Kriterium einer Hellen, freien, humanen Gesinnung; wer jene verläugnet, der erheuchelt die letztere und ist so wenig im Stande sie zu befördern, als er sie besitzt. Was soll aus den armen Preußischen Juden werden, wenn jenes System das herrschende bleibt, wenn Diejenigen, die zur thätigsten Theilnahme an dem Werke der Gesetzgebung berufen sind, Aufklarung, und innere Verbesserungen zur Bedingung der einstweilen zu versagenden Freiheit zu machen vyrgeben und es doch nicht hindern können oder wollen, daß die Erfüllung eben jener Bedingungen von der gesetzgebenden Gewalt selbst Hintertrieben wird Es ist hier der passendste Ort, einige Bemerkungen in Bezug auf das jüdische Schulwesen in Preußen beizufügen, die wir ebenfalls an eine von Hrn. S tr, geäußerte Ansicht anzuknüpfen Gelegenheit haben. Nachdem er nämlich die Vortheile, welche die Erziehung der Jüdischen Kinder in den „christlichen" Schulen darbietet, auseinandergesetzt, bezeichnet er das Streben der Juden, besondere Schukanstalten zu besitzen, als „ihren Hang zu fernerer Absonderung beweisend, der mit ihrem Streben nach Gleichstellung im größtem Widerspruche steht" und schließt mit den Worten: „Hiernach scheint es „dem Zwecke, der für Christen und Juden ein ge- „meinschaftkicher sein muß, entsprechend, die beson- „deren jüdischen Schulen ganz zu verbieten." - Es versteht sich, daß er einen besonderen Religions-Um terricht von dieser Regel auenimmt. Wir bemerken hier zuerst, daß die Frage über die Existenz jüdischer Schulen und die ausschlreßende Erziehung der jüdischen Knaben in denselben keinesweges eine Partheifrage zwischen Juden und Christen ist, daß vielmehr in unseren Tagen eine große Anzahl., vielleicht die Mehrzahl der Stimmen unter den Juden sich gegen den Werth der besonderen jüdischen Schulen ausfpricht, wahrend sie an vielen christlichen Schriftstellern, und unter ihnen an sehr aufgeklärten, wohlwollenden und duldsamen Männern 14*

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