Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 12 (16.7.1833)
- Date
- 1833-07-16
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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nach einer anbmn Kirche umsehen, die ihnen genügen könne, die soll die Absicht Derer vertreten, welche für sich und ihre Kinder bei ihrem Glauben verharren wollen und deshalb die Nothwendigkeit erkennen, seine gottesdienstlichen Formen mit der Art ih, rer Bildung, mit der ihnen mangelnden Kenntniß, mit den Bedürfnissen ihrer Gemüther in eine unerläßliche Übereinstimmung zu bringen? Nicht unbilliger und nicht unwahrhaftiger würde Der verfahren, der keine andere religiöse Gesinnung bei den Christen anerkennen wollte, als die des Konstanzer Concilium oder der Encyklopadisten, oder. Der, welcher in dem alten Buche de tribus imposforibus den einzig wahren Ausdruck des protestantischen Christenthums sehen wollte. — Uebrigens müssen wir Hrn. Str. die Gerechtigkeit widerfahren lasten, daß er den Deismus als individuelle Gesinnung billig und human beprrheilr- und nur von dem Grundsätze ausgehr, „daß das Interesse des Staats nicht ge- „statte, daß dem Deismus öffentliche Altäre errichtet werden." Wir haben daher den Deismus vom Standpunkte der Moral und der Religiosität aus nicht gegen ihn zu verkheidigen und können die Frage des Staatsinteresses hier um so' eher unerörtert lassen,- als wir überzeugt sind, daß, ganz abgesehen von dieser Frage, dem Prinzip des Deismus in unseren Tagen die Elemente des Bestehens und der Dauer abgehen, durch welche die Existenz einer Religionsgefellsthaft nothwendig bedingt ist, und daß die Wenigen, die einen auf jenes Prinzip gegründeten Gottesdienst herbeizuwünschen scheinen, die ersten sein würden, seinen Hallen ihre Besuche zu entziehen*). Nur die Bemerkung ist hier noch hinzuzufügen, daß daswas an dem Deismus dem Interesse des Staates etwa entgegen sein könnte, jedenfalls nicht sein positiver Inhalt, d. h. seine Lehre von dem Dasein eines einzigen Gottes als in dem Erkenntnißvermögen des Menschen wesentlich gegründet, sondern der Gegensatz ist, welchen er gegen die positive Religion bildet. Will man also eine gottesdienstliche Einrichtung als deistisch beseitigen, so muß man wenigstens Nachweisen, daß sie sich wirklich in einen solchen ') Man vgl. den vorigen Jahrgang dieser Blätter Nr. 24. 25. Gegensatz stellen will, daß aber eine solche Absicht z. B. in der Einführung der Muttersprache liegt, hat noch Niemand und hat selbst Hr. Str. nicht zu behaupten gewagt^ da er jeden supponirten Zusammenhang zwischen dem Deismus und den in Rede stehenden Reformen nicht anders als durch die Anführung eines Buches zu belegen sucht, dessen Geist, ihnen völlig fremd und gewissermaßen entgegen ist: eine solche Verurtheilung zum Deismus auf vage Annahmen hin müssen wir aber für e.ine> unedle Kehermacherei erklären. Nachdem nun Hr. Str. erst den jetzigen jüdischen Gottesdienst (d. h. den, wie er jn Preußen ist und nicht anders sein darf) im höchsten Grade verächtlich gemacht, und demnächst Diejenigen, die ihn verbessern wollen, als D/isten beseitigt hat, kehrt er noch einmal zu seiner reformatoristt-en Tendenz zurück und äußert, der Staat habe Ursache dafür zu sorgen, „daß nicht, wie oft zeither, zur Leitung des „jüdischen Gottesdienstes ganz rohe, unwissende, in „Talmudischer Verkehrtheit versunkene Menschen zu- „ gelassen werden, deren höchstes Interesse es ist, die „Juden in ihrer Absonderung von uns zu erhalten, „da mit derselben nothwendig ihr ganzer Einfluß auf- „ hören muß. Eine Bestimmung, daß zu den geist- „ lichen Aemtern der Juden nur wissenschaftlich gebil- „dete und geprüfte Männer zugelassen werden sollen, „ muß daher jedenfalls als zur Beförderung der Eman- „zipation sehr wünschenswerth erkannt werden. Die „Errichtung von Lehrstühlen für jüdische Theologie „ auf einigen Universitäten ' scheint aber zu diesem „Zwecke erforderlich." — Es ist gewiß, daß die letzteren Vorschläge an sich sehr wohlgemeint klingen. Die Charaeteristik der alten Rabbinen scheint uns freilich zu hart und in mancher Rücksicht einseitig. Es ist eine Täuschung in Beziehung auf unsere und auch wohl auf andere Religionen, wenn man sich vorstellr, daß die Geistlichen den Aberglauben erfinden , und erhalten, als eine Spekulation zu ihrem Vortheil. Zn dem naturgemäßen durch keinen Zwang verunstalteten Verhältnisse ist die religiöse Gesinnung des Geistlichen der Ausdruck und gleichsam das Ergebniß der Gesinnung seiner Gemeinde; er klart sich in gleichem Schritte mit ihr auf und wenn er hinter ihr zurück bleibt/ so ist er ohnmächtig und ver-