Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 12 (16.7.1833)
- Date
- 1833-07-16
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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100 * liert seine moralische Autorität; zurückzuhalten und abzusondern, vermag der Geistliche seine Gemeinde in den -freien Verhältnissen, wie sie unter uns obwalten, in keinem Falle. Der Nabbinismus hat eine Zeit der Blüthe gehabt, wie alle anderen ähnlichen Institute, er hat einst Männer von Geist und Kraft, wenn auch in einem einseitigen Systeme befangen, in seiner Dritte gezählt. Jetzt ist freilich jene Zeit der Blüth'e vorüber; der geistliche Stand'der Juden bedurfte und bedarf hie und da noch einer kräftigen Verjüngung, die er zum Theil aus dem Strom allgemeiner humaner und gelehrter Bildung schöpfen muß, um wieder zu einer gedeihlichen Wirksamkeit zu gelangen. Wir sind deshalb hier mit den Wünschen des Hrn. Str. einverstanden. Aber, möchten wir fragen, was sollen denn jene „wissenschaftlich gebildete und geprüfte" Geistliche Nützliches thun, wenn sie nicht einmal Deutsch reden sollen? Wozu sollen denn ihre Bildung und ihre Kenntnisse ihren Gemeinden frommen, wenn sie ihnen nicht einmal erbauliche Vortrage in der Muttersprache halten und fie zum Gebete,*das aus dem inneren Gemüthe kommt, anleiten dürfen? Das alles sind ja aber verbotene Neuerungen, welche die Polizei nicht zu dulden angewiesen ist" und die nach Hrn. Str. zum Deismus führen. Was könnte Gutes dabei herauskommen, wenn man Männer an die Spitze des Gottesdienstes stellte, die der Art ihrer Bildung nach den Formen widerstreben müssen, an die sie unerläßlich gebunden sind? Müßten nicht entweder ihre Kraft und ihr Wille oder ihre Wahrhaftigkeit zu Grunde gehen? Mußten sie nicht zu einem gleichgültigen, tragen Gehenlassen oder gar zur Heuchelei herabsinken? Und welchem anderen Umstande, als jener unnatürlichen Hemmung alles Fortschrittes ist e^denn zuzuschreiben, wenn auch in dieser Beziehung die Mischen Gemeinden in Preußen auf eine so auffallende Weise hinter denen in den übrigen Deutschen Staaten zurückgeblieben sind? wenn die einst allen arEAen als Muster der Bildung und regen Entwickelung voranleuchtende Gemeinde zu Berlin jetzt von manchen kleineren und namentlich von solchen beschämt wird, zu denen kaum noch ein Keim freierer Bildung unb unbefangener Prüfung hindurchgedrungen war, als 8vrr schon eine leuchtende Anzahl aufgeklärter und merffchmfreundlicher Männer, den edlen Mendelssohn an Hrer Spitze, durch Beispiel und Lehre unter ihren Glaubensgenossen wirkten? (Die Fortsetzung folgt). » B r a u n s ch w Das kürzlich beendigte WahlgesWst der Abgeordneten für das Herzogthum Braunschweig hat einen erfreulichen Beweis geliefert, wie wenig die gewöhnlichen Redensarten über die Abneigung des Volkes gegen die Juden auf Wahrheit gegründet sind, und daß es vielmehr nur einer ungehemmten Meinungsäußerung bedarf, um darzuthun, daß der intelligente Theil des Volkes nur den Mann, nicht den Glauben, zu dem er sich bekennt, im Auge -hat. Wir lassen darüber einen Artikel aus der Zeitung für Städte, Flecken und Dörfer, insonderheit für den Deutschen Landmann vom 15. Junius d. I. folgen. „Braunschweig, am 11. Jun. * „Das gemeinschaftliche Wahl - Collegium der drei Srandesclassen hielt, unter dem Vorsitze des Landes- Directors Pini, am 7ten und 8ten d. M. seine Sitzung, und vollendete sein wichtiges Geschäft auf eine ganz ausgezeichnete Weise, wie das Verzeichniß der Gewählten ausweiset. Rittergutsbesitzer, Städtebewohner und Landleure waren so ganz und gar von einem Geiste belebt, daß die für die einzelnen Wahlen erforderliche absolute Stimmen- Mehrheit, bis auf einen einzigen Fall nach, sofort erreicht wurde. Bon einem Kasten-Geiste, weder für noch gegen den Adel, war keine Spur vorhanden; nur auf Würdigung wurde Rücksicht genommen. Auch auf die Verschiedenheit der politischen Ansichten begründete man keine Ausschließung: es giebt unter den Erwählten in dieser Beziehung mehrere Schattirum gen; als Patrioten sind sie sämmtlich bekannt. Auch auf Religioüs-Verschiedenheit wurde keine Rücksicht genommen. Nur einige Stimmen fehlten dem Schul - Jnspector Ehrenberg zu Wolfenbüttel, welcher jüdischer Religion ist, um zum Stellvertreter eines christlichen Schulmanns, des Ordinarius Aßmann zu Braunschweig, erwählt zu werden; denn die Braunschweigische Landschafts-Ordnung, in dieser Beziehung von dem ersten Entwürfe abweichend, erfordert zu einem Landstande nicht die christliche Religion; wie denn auch der Magistrat der Stadt Braunschweig keinen Augenblick sich bedacht hat, die Bürger jüdischer Religion zu den Wahlen, als Wähler, zuzulassen." Aus brieflicher Mittheilung fügen ipir noch hinzu, daß bei der ersten Abstimmung die Stimmen ganz gleich zwischen dem Jnsp. Ehrenberg zu Wolfenbüttel und dem Dr. Schröder zu Braunschweig getheilt waren: als daher zu einer neuen Abstimmung geschritten werden mußte, ergab sich für den letzteren eine Majorität von drei Stimmen und er ist somit gewählt worden. Für denZnsp. Ehrenberg waren Stimmen aus den meisten Bezirken abgegeben worden. ~-2..-—:: - - >.> . -■ ■ > Gedruckt m Hammerich und Lesser in Altona. ’ ih'. f.rt;,rTT ~ ■ » ■■ ■