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Der Jude · 1833-07-16 · Heft 12 (16.7.1833) · p. Seite 97

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 12 (16.7.1833)
Date
1833-07-16
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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97 und demselben Staate die eine Gemeinde der anderen in dieser oder jener Verbesserung mit gutem Beispiele vorangegangen. Aber was ist denn daran bedenkliches? Und wie ist nach der Natur des menschlichen Geistes ein-Fortschritt Ln anderer Weise möglich? Den Juden eine jede Verbesserung des Kultus untersagen, bis sie in der ganzen Welt oder in einem Staate, in welchem sie eine Anzahl von 170,000 Seelen ausmachen, sich Alle über eure bestimmte Reform bis in alle Einzelnheiten verständigt haben — das heißt, ihnen mit dem allerdeutlichsten Bewußtsein eine jede Verbesserung für alle Zeiten abschneiden; denn nur das in lebendiger Gestaltung Vorhandene vermag abweichende Ansichten zu gewinnen und Vorurtheile zu besiegen und nie ist in der Wirklichkeit eine religiöse Reform auf andere Weise zu Stande gekommen. Und was in aller Welt hat denn der Staat für ein Interesse bei der Erhaltung einer starren in allen ihren Formen sich gleich bleibenden Einheit einer Religions-Gesellschaft, die keinerlei Privilegium von seiner Seite Ln Anspruch nimmt, und wenn auch jene Einheit auf einem so überaus verwerflichen Momente, wie Hr. Str. den Jüdischen Gottesdienst auffaßt, beruhte? Was ist denn bei einer theilweisen Abweichung von bestehenden Mißbräuchen für eine Gefahr für den Staat, daß er, um dieser Gefahr vorzubeugen, jede Verbesserung, und sei sie auch noch so nöthig, unterdrücken muß? Muß doch jeder Deutschs Staat in seiner eignen herrschenden christlichen Kirche mindestens drei Partheien sich gefallen lassen, was ist denn für Gefahr dabei, innerhalb des Judenthums eine zwiefache zu dulden? Hat eine christliche Regierung für die Erhaltung der Einheit innerhalb des Judenthums größere Sorge zu tragen, als innerhalb der eignen Kirche? Aber wenn auch diese Fragen alle zu bejahen wären, so würde damit das Geschehene nicht gerechtfertigt sein: denn man hat nicht nur Spaltungen, sondern überhaupt Neuerungen verboten, ohne zu untersuchen, welche von ihnen Spaltungen herbeiführen, welche nicht. Zndeß hat Hr. Str. sich noch eines anderen Arguments bedient, um die Unzulässigkeit einer Reform darzuthun. „Eben so bedenklich scheint es „aber auch," sagt er, „denjenigen Juden, welche „sich von den strengen Gläubigen sondern und mit „ihrer häuslichen Andacht sich nicht begnügen wol- „len, die Anordnung eines eignen förmlichen Got- „tesdienstes zu überlassen. Ihr Glaubensbekenntniß „ist, wie aus einer Schrift Friedlanders zu ersehen, „ der reine Deismus." Und dabei wird in der Note als der einzige Repräsentant der Religions-Ansichten der gebildeten Juden das einst bekannte Sendschreiben einiger jüdischen Hausvater an den Probst Teller von Friedländer. Berlin 1799 angeführt, wonach „der Glaube der „ Juden jetzt' in der Mitte zwischen positiver Reli- „gion und Jrreligion stehe." — Also in der Muttersprache beten, kein Hebräisch verstehen, sich an belehrenden Vortragen erbauen— das ist Deismus? Zwischen jenem „dem Verstände und dem Schicklich- „ keitsgefühle widerstrebenden, der Erbauung, Aufklärung und Verbesserung hemmend entgegentreten- „den" Gottesdienste und dem Deismus liegt Nichts in der Mitte? Jede menschliche Gesittung und Gesinnung muß sich ja gegen einen Gottesdienst, wie Hr. Str. ihn darzustellen bemüht ist, empören und doch sollen es lediglich die Deisten sein, die das Bedürfnis nach einem verbesserten empfinden? Warum nicht lieber es gerade heraussagen, daß man nichts Anderes will, als das Bestehende schmähen und höhnen, um es als Waffe zu gebrauchen für Entziehung von Menschenrechten, als Deckmantel für Fanatismus und Unterdrückungs-Lust, zugleich aber das Aufkeimen des Besseren nicht dulden, damit man nicht Gefahr laufe, jene Waffe zu verlieren? Wen will man denn durch so plumpe Sophismen, durch ein Dilemma, dem der böse Wille so offen an der Stirn geschrieben steht, tauschen? Und was ist denn das für ein einziger schlagender Beleg, den Hr. Str. hinreichend glaubt, um ohne weiteres damit die Bestrebungen einer ganzen Generation — und zwar einer anderen als die, welcher jener Beleg entnommen ist, — zu verurtheilen und. zu beseitigen? Wir sollten doch mindestens meinen, der ehrwürdige Friedländer sei in jener Schrift als Repräsentant derjenigen Klasse, seiner Glaubensgenossen, welche eine Reform ihres Gottesdienstes herbeiwünschte, aufgetreten, so daß er uns selbst doch mindestens berechtigte , ihn als solchen aufzufassen, wo- / /

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