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Der Jude · 1833-07-16 · Heft 12 (16.7.1833) · p. Seite 96

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 12 (16.7.1833)
Date
1833-07-16
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 gu unterdrücken? Nach der Andeutung dieser „Schwier rtgkeit" geht Hr. Streckfuß, der seinem Systeme nach keine Gelegenheit ungenutzt vorübergehen lassen darf, um das bei den Juden Bestehende zu schmähen, zu einer flüchtigen Charakteristik des „jetzigen jüdischen Gottesdienstes * über und sagt von ihm als „unzweifelhaft" aus, daß er „in seinen veralteten, „dem Verstände und selbst dem Schicklichkeitsgefühl „widerstrebenden Formen zur Erbauung, Aufklärung „und Verbesserung der Juden nicht beiwirken, ihnen „nur hemmend entgegentreten könne." Wir halten dieses Urtheil in der Allgemeinheit, wie es hier ausgesprochen ist, für übertrieben und ungerecht. Man sollte nicht so leichthin über einen Gottesdienst abur-» rheilen, in welchem, so auffallend seine Formen auch Denen, denen sie fremd und ungewohnt sind, erscheinen mögen, doch Mendelssohn und viele andere edle und weise Männer, die in ihm auserzogen waren, ihr Leben lang eine Quelle der Andacht und der Erbauung gefunden haben. Jndeß sind wir darüber mit Hrn. Str. einverstanden, daß jener Gottesdienst dem religiösen Bedürfniß eines großen Theiles der jetzigen Generation, der immer zunehmenden Anzahl Derer, die kein Hebräisch verstehen, nicht genügen kann. Äas sagt denn aber Hr. Str. dazu, daß jener „dem Schicklichkeitsgefühl widerstrebende, der Erbauung, Aufklärung und Verbesserung »der Juden hemmend entgegentretende" Gottesdienst der einzige ist, welchen die Preußische Regierung ihren jüdischen Unterthanen verstattet und daß die Polizei durch jene Allerhöchste Kabinetsordre streng darauf angewiesen worden, keine „ Abweichung von demselben" in der Sprache, den Gebeten, Eeremonieen und Gesängen, zu dulden? Hr. Str. ignorirt diese Thatsache, laßt Wer einige Worte über die Spaltungen und die völlige Trennung fallen, welche eine jede Aenderung in den gottesdienstlichen Gebrauchen befürchten ließe. Wir können von einem beschäftigten Staarsmanne nicht verlcmgen, daß er in die genaueren Forschungen über die hier obwaltenden Verhältnisse eingehe, welche alle sachkundige, aufgeklärte Männer zu dem Resultate geführt habendaß die Einführung der Muttersprache bei'm Gottesdienste sich aus dem Bestehenden, Traditionellen selbst sehr wohl entwickeln lasse und daher ein Element der Trennung keinesweges enthalte; aber wir dürfen dann auch verlangen, daß er sich eines über die wichtigste Lebensfrage unserer religiösen Institute oberflächlich absprechenden Unheils enthalte, zumal wenn dieses mit dem Urtheile aller denkenden und unterrichteten Männer unter uns im Widerspruche stehr, daß er am wenigsten auf ein solches Urtheil hin Regierungsmaaßregeln anrathe. Was aber von einem Manne, der öffentlich über einen Gegenstand dieser Art zu reden übernimmt, in jedem Falle verlangt werden muß, ist, daß er diejenigen Erscheinungen, die unter ganz ähnlichen Verhältnissen in's Leben getreten sind, kenne und beachte und nicht mehr Schwierigkeiten träume, die in der Wirklichkeit längst gelöst sind. In einer großen Anzahl von jüdischen Gemeinden in den verschiedensten Theilen von Deutschland außerhalb Preußen sind jene so bittergetadelten gottesdienstlichen Formen mehr oder weniger durchgreifenden Abänderungen unterworfen, es ist der Muttersprache im Gebete, im Gesänge, mindestens im Vorträge der Zugang gestattet worden und nirgends sind jene Spaltungen, jene völlige Trennung der beiden Partheien, jene „Reaktion," wornach „die strengeren Gläubigen nur noch hart- „ näckiger in der Behauptung ihrer. Eigenthümlich- „ketten" werden würden, eingetreten, wovon die besorgte Phantasie des Hrn. Str. fabelt. Hat Hr. Str. es nicht der Mühe werth gehalten, die Vorgänge von Baiern, Dännemark, Frankfurt/ Hamburg u. s. w. namentlich aber die von Wien und Kopenhagen zu beachten, wo ganze fromme Gemeinden, ohne daß eine Trennung auch nur im Locale des Gotteshauses nöthig wurde, sich über die wesentlichsten Abänderungen im alten Ritus verständigt haben? War es ihm eher der Mähe werth, ein Buch zu seiner Rechtfertigung zu schreiben, als einige leichte Erkundigungen über den wahren Stand der Dinge einzuziehen? Oder ignorirt er jeneThatsachen absichtlich, weil sie mit den Voraussetzungen, die er nun einmal gelten lassen will und muß, in allzugrellem Widerspruche stehen? Freilich sind bei jenen Veranlassungen Meinungsverschiedenheiten laut geworden; freilich hat selbst hie und da eine Streitigkeit eine leichte Schlichtung von Seiten der Behörde in Anspruch genommen; freilich ist in einem t i

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