Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 10 (25.6.1833)
- Date
- 1833-06-25
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 78 jener Zeit lächerlich gemacht haben; Ailles^ Entsagen, kampfloses Dulden war das einzige, was ihnen übrig blieb, wenn fle nicht nachgeben wollten: eine Aufgabe, weicher wohl nur die wenigste« Menschen gewachsen sein möchten. Wir dürfen nicht vergessen, daß es eine hohe Forderung ist, daß Einer strenger auf religiöse Wahrheit, auf Lauterkeit der religiösen Ueberzeugüng, wenn diese auch das Opfer seiner ganzen bürgerlichen Existenz erheische«, halte, als der Staats dem er nnterthan ist, das Gesetz, das ihn beherrscht, die Regierung, der er gehorchen soll; daß er jenen treu bleibe, während diese alles aufzubieten scheinen, um chm die Religion als etwas Aeußeres, Leeres, als eine mehr oder weniger bequeme Form erscheinen zu lassen. — Wir wissen M)k, ob wir es unter den angegebenen Umständen für den höchsten Grad von Naivetät oder wofür wir es sonst halten sollen, wenn der neueste Schriftsteller über unsere Angelegenheit*) es als einey Beweis gegen die Achtbarkeit des Zu/ denthuws anführt, daß eben die ausgezeichnetsten Männer sich davon lossagen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was unter allen jenen meistenrheils durch Me Stellung, wie durch ihre Persönlichkeit gleich ausgezeichnete« Männern neun Zehntheile hätten auf/ opfern müssen, um sich nicht davon loszusagen. Er bemerkt, daß unter einer Reihe von verdienten Männern, die er aus -er Menge hervorhebt, „nur .-»Meyerbeer, mit seiner durch Bildung und Ge- »smnung gleich achturigstverthen Familie, dem Na „mey nach dem Zudenrhum noch angehört." Es ist doch seltsam, daß gerade Me per beer und sein trefflicher, leider so früh dahingeschiedener Bruder Michael Keer unter sehr Bielen auch fast die einzigen waren, welchen ihre äußere Unabhängigkeit und die Art. ihrer Leistungen es gestattete, auf die mannichfachen Gabe^, welche die Regierung zu bieten hatte, gern und leicht z» verzichten, in freierer Sphäre und in einem Lande, welches jedem religiösen Drucke fremd ist, sich der Zurücksetzung, welche ihnen in den beengten Verhältnissen der Heimath ihrer Religion m&m widerfahren konnte, zu Erheben und nach einer anderen Auszeichnung zu strebe«, als nach der von der Regierung, unter welcher sie geboren waren, » .... . - t \ -, " } ,.,1.111 U II. »■ > I » *.»;'!■■■,■" . . v ”■'! *) Streckfuß, S. 8. abhängiM. Schon tinr Rücksicht der Delikatesse hätte billig einen besonnenen Mann abhalten müssen, sich jenes Arguments gegen uns zu bedienen. Wir sind durchaus nicht gesonnen, die Motive irgend eines Individuums zu verdächtigen, am wenigsten die einer Reihe von Männern wie die angeführten, unter welchen sich neben mehreren höchst achtbaren Namen der ehrwürdige Name Neanders findet, welcher gewiß von ganzem Herzen und von ganzer Seele dem rechtgläubigen Christenthume angehört. Zndeß heißt H doch fürwahr unsere Schonung auf eine schr schwere Probe stellen, wenn man zene allgemeine Thatsache des Uebertretens, die eine so vielfache Deutung zuläßt, welcher eine verdächtige Deutung in einem unter hundert Fällen von den meisten Seiten zu Theil wird, so geradezu für die geringere Achtbarkeit unserer Religion anführt. Betrachten wir die Religion nicht als eine Partheisache, als eine politische Staatsangelegenheit, sondern als das, was sie eigentlich ist und allein sein sollte, als reine Sache des Gemüths und des Gewissens, so müssen wir die unbestreitbare Thatsache, daß es in Preußen in den letzten 20 Zähren fast ausschließlich Männer von Talent, von Kenntnissen, von Vermögen, von größeren Ansprüchen an das bürgerliche Lebe« nebst ihre» Angehörigen waren, die vom Znderrchum M herrschenden Kirche übertraten, nicht sowohl wie einen Triumph für die letztem, als vielmehr wie eine für ihre Würde und ihren moralischen Werth bedenkliche Erscheinung hasten. Seit wann ist denn die Religion vorzugsweise die Sache der Vornehmen und der Gebildeten geworden? Das Evangelium, heißt es, ward den Arme«, den Unwissenden, den gebeugten Herzen gepredigt; in der Hauptstadt Preußens aber sind es lediglich tk Gelehrten, tie Reichen, die Ehrgeizigen, die mn seinen Lehren gewonnen werden. Eine wMhWst lebendige religiöse Sinneswandelung muß in bm innersten Bedürfnisse, in der Tiefe desGenMhes ihre Quelle haben, wohin der höhere oder geringere Grad der Kenmniß und der üsthetWm Er wissenschaftlichen Bildung nicht reicht Urrst ch sehen wir eine jede Religion, so lange sie, V nochwendigem Fortschreiren begriffe«, mit degüßerrwer Ueberzeugung die Seele ergreift/ ihre' ArchtMger m der MaK des WWGi /