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Der Jude · 1833-06-25 · Heft 10 (25.6.1833) · p. Seite 77

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 10 (25.6.1833)
Date
1833-06-25
Page
Seite 77 (sequence 1)
Language
German
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Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von vr. G. Riesfer. Zweiter Dienstag, den Mit Nörrigl. IBänifcftem lTUerhörhftem Urtvitegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammer ich in Altona. 25. Juni 1833 Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen der Preußischen Monarchie. (Fortsetzung.) m die Schwäche des Widerstandes, welchen die Regierung bei der Durchsetzung ihrer Absichten fand, die Leichtigkeit, mit welcher sich die Meisten ihrem Willen fügten, zu begreifen, müssen wir auch auf die Zeitumstände und Verhältnisse, unter welchen jener Rückschritt gethan wurde, einen Blick werfen. Es ist nicht zu läugnen, daß die Energie der positiven religiösen Ueberzeugung jetzt unter allen Konfelsionen nicht bei Allen, vielleicht bei den Meisten nicht so groß ist, daß sie zum Märtyrthum ausreichten, und für ehrgeizige oder thatenbedürstige Charaktere ist in der Thar das Verzichten auf jede ehrenvolle Wirksamkeit das schwerste Märtyrthum. Mächtiger als sonst gesellt sich dagegen in unseren Tagen zu der religiösen Ueberzeugung das Bewußtsein der freien Würde des Menschengeistes und seiner inneren sittlichen Wahrheit, welches sich dem durch Gewalt oder durch Lockmrgen des Eigennutzes anfgedrungenen Glauben schon dieser unlauteren Begleitung wegen widersetzt und in der Ueberzeugung, welche sich durch äußere Einflüsse zur herrschenden machen will, immer eine Lüge sieht. So stehen hier innige Religiosität und Freiheit im engen Bunde auf der einen, Gewalt und 2r Bd. frivoles Spiel mit den Angelegenheiten des Gewisr ftns auf der anderen Seite. Aber jene Gesinnung ist weniger zum stillen Dulden, wie die reine entsagende Frömmigkeit, als zur kräftigen That, zum lebendigen Kampfe geeignet; sie will die Gewalt und das Unrecht und die Lüge anklagen vor dem Richter, stuhle der öffentlichen Meinung; sie will ihr Recht und ihre Freiheit vertreten in offenem Kampfe; wenn ihr dieser versagt wird, so erschlafft sie leicht und verzehrt sich in ihrem unterdrückten Feuer. Hätten die vielen ausgezeichneten Talente, die sich in der oben geschilderten Lage befanden, durch das Organ einer freien Presse ihre gute Sache vertreten, hätten sie die Wortbrüchigkeit, die ihrem Gewissen den grausamsten Zwang anthat, vor Gott und Menschen offen anklagen dürfen — ich weiß nicht, ob sie gesiegt haben würden, aber das weiß ich gewiß, daß sie mehr Ausdauer gezeigt haben und daß dem „herrschenden" Glauben als solchem weniger unwillige Opfer gebracht sein würden. Wie die Sachen aber standen, war ihnen, deren Gewissen auf die Folter des Ehrgeizes oder des Bedürfnisses gespannt war, # der Mund zur Anklage, ja zur Klage und zur Vertheidigung geschlossen; — — — —- ■-— — sie würden sich durch jeden Versuch eines offenen Widerstandes zu. 11 % j

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