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Der Jude · 1833-06-18 · Heft 9 (18.6.1833) · p. Seite 72

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 9 (18.6.1833)
Date
1833-06-18
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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*732 stellte man sie gern und willig an, ja man ga§ ihnen nach der Behauptung sehr Vieler, die wir jedoch nicht aus persönlicher Ueberzeugung zu verbürgen im Stande sind, vor Anderen den Vorzug. Denselben Weg schlug man in Beziehung aus Lehrämter ein: nur daß man hier anstatt der Entziehung einer um bestimmten Aussicht ein bestimmtes Wort zu brechen genöthigt war. Zu demselben Wege neigte man sich in Beziehung auf militairische Beförderungen hin; aber hier konnte man eine konsequente Verfolgung desselben dem Gewissen bis jetzt nicht abgewinnen. Auf diese Tharsachen beschränkt sich die Reaktion, wenn wir von der in ihrer Art isolirt dastehenden Ausschließung vom Apothekergewerbe absehen; auch die Richtung, die sie in den Rheinprovinzen annahm, ist ihrer Tendenz nach dieselbe. Sie trifft also Diejenigen und nur Diejenigen, die sich in Folge des neuen Gesetzes zu neuen Berufssphären tüchtig und ihrer würdig gemacht hatten; sie ist einzig undallein auf Lähmung derjenigen Kräfte gerichtet, die einen edleren Aufschwung in Wissenschaft, Kunst oder kriegerischem Muthe genommen hatten; sie war nicht gegen ein Zurückbleiben, sie war wesentlich und einzig gegen ein Fort schreiten'gerichtet. War Keiner würdig eines Staatsdienstes, eines Lehramts, einer militairkschen Beförderung, so konnte man sich die Reaktion ersparen: nur die Würdigkeit forderte dazu auf, und machte Vollziehung des Gesetzes oder Rückschritt zur Nothwendigkeit. Welches andere Motiv könnte hier nun auch nur möglicher Weise vorgewaltet haben als ein Motiv, nenne man es nun der Frömmigkeit, des Fanatismus, der Intoleranz, nach dtt "Verschiedenheit der subjektiven Ansicht, die man darÄerhaben mag, aber in jedem Falle ein Motiv, das m dem Charakter der herrschenden Re, ligion, in der umgewandelten Gesinnung der Machthaber über ihr Verhältniß zum Staate wurzelt? Es ist hier sehr zu beachten, daß die Preußische Regierung aus dtestm rein r e 1 igiö fe n Mo, tive nie ein Geheimniß gemacht har, daß sie ganz offen und redlich bei jeder Veranlassung damit Herr vorgetreten, daß sie es ganz deutlich ausgesprochen hat, wie sie es für die Pflicht der christlichen Staatsgewalt halte, daß sie die christliche Religion durch jedes ihr zu Gebote stehende Mittel zu verbreiten, daß sie insbejondere Äe Intelligenz alle Tüchtigkeit, alle Bildung in ihr Gebiet hinüberzuziehen suche. Es ist in diesem Augenblicke überaus wichtig, diesen wahrhaften Standpunkt zu konstatiren, weil einige neuere mehr offlciöse, als osficielle Preußische Schriftsteller und Beamte, wie Koch und Streckfuß, zu abhängig, um das Verfahren der Regierung tadeln zu dürfen, aber entweder einer rationalen, toleranter! Ansicht wirklich ergeben oder sie vor dem Publikum erheuchelnd, sich es haben angelegen fein lassen, jenem einfachen Motive ein ganzes Lügengewebe falscher Gründe künstlich unterzuschieben, welches freilich mit den Thatsachen im grellsten Widerspruche steht, und welches wir daher im Verlaufe dieser Untersuchung mit leichter Mühe von Grund aus zu zerstören hoffen dürfen, welches aber, wo es Eingang finden könnte, das Beispiel Preußens, das wir, in seiner wahren Bedeutung aufgefaßt, wenig fürchten, zu einem unserer Sache die höchste Gefahr drohenden Vorgänge machen würde. Der Fanatismus suäst keine Autoritäten, und wenn er sie suchte, würde er sie auf den Blättern der Geschichte in reichem Maße finden: wehe uns aber, wenn es jenen Sophisten gelänge, jenen Rückschritt in den Grundsätzen der Gewissensfreiheit als einen Akt der Staatsklugheit geltend zu machen! Ueberrafchen dgrf uns dieser Versuch nicht: denn obgleich neu und erst seit der Zeit entstanden, da der Fanatismus sich ohne Maske aufzutreten scheut, ist er doch in den Englischen Verhandlungen über die Emancipation der Katholiken allein schon, wo er den Schein mehr für sich hatte, als in irgend einem Falle, so wie auch bei vielen anderen Veranlassungen durch wiederholtes aus dem Felde Schlagen abgenutzt worden: doch muß er/ wo er sich wieder blicken läßt, von Neuem mit Ernst und Eifer bekämpft werden. f Wir haben es aber zunächst mit dem wahrhaften und wirklichen Motive der Preußischen Regierung, mit seinen 2teußerungen, seinen Folgen und seiner Würdigung zu thun. Was bewirkt der Staat, wenn er die Gaben, die er zu verleihen hat, als Gewichte in die Wagschale der religiösen Ueberzeugung legt? Wie wirkt er dadurch auf Sittlichkeit und Religiosität bei den Bekennen der herrschenden wie der unterdrückten Religion? Das sind Fragen von der

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