Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 9 (18.6.1833)
- Date
- 1833-06-18
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lurch den Regterungswechstl um das Bürgerrecht, das sie erhalten haben würden, gebracht und von eLyeyr Lande von. ansehnlicher Ausdehnung auf eine Spanne Landes reducirt worden. „Es tritt hier der Fall ein" — heißt es in einem vor mir liegenden Briefe aus jener Gegend — „daß die Juden in einem und demselben Kreise jene Beschränkung der Uebersiedelung erfahren, wie in dem Kreise Soest des Regierungsbezirks Arensberg., welcher aus Ger meinden zusammengesetzt ist, die, früher zu verschiedenen Staaten gehörend, abweichende Juden -Verfassungen -HOey. Jenes Verbot wird mit solcher Strenge gehandhabt, daß man, sei auch das Bedürfniß noch so fühlbar, weder einen Lehrer für seine Kinder, noch einen Gehülfen für stin Gewerbe, noch eine Magd für seinen Haushalt aus solchen Landescheilen bekommen kann. Selbst rückwirkende Kraft hat man diesem Verbote beigelegt; denn unzählige Lehrer, Knechte und Mägde haben nach mehrjährigem Aufenthalte in ihre Heiwath zurückkehren müssen, wiewohl bei den ersteren eine Ausnahme gemacht wurde, wenn sie eine Prüfung bestehen und durch inländische nicht ersetzt werde» konnten. Nicht selten hat sich sogar der Fall ereignet, daß diese Vertriebenen bei der Rückkehr in ihr Geburtsland von demselben wieder zurückgewiesen wurden, gleichsam als hatten sie durch ihr Unglück den Anspruch auf Wiederkehr verwirkt. Wie oft habe ich Gelegenheit gehabt, fttche Geachtete zu beklagen, welche nach mühseligem Hin-und Her-Reisen das nothdürftige Obdach der Gnadt der Regierung verdankten!" .r— So weit unser KoA4Gondent: wir fügen nur noch die Bemerkung HiM, daß alle jene Menschenquälereien nicht etwa m M Absicht der Gesetzgebung, in einem Zwecke, den sie sich zu erreichen vorgeseht, begründet, sondern daß sie rmr provisorisch sind für die kurze Zeit von 18 Jahren, man zum Besinnen nöthig gehabt hat. Es ist nämlich von dem Augenblick der Erwerbung der neuen Proy^m und der Erklärung, daß das Edikt von 1812 dort nicht eingeführt werden solle, an von der Abfassung einer gleichförmigen Gesetzgebung für die neuen Provinzen wenigstens die Rede gewesen, welche in jedem Falle dm Beschränkungen dieser Art ein Ende gemacht haben, würde. Aber das Schwanken zwischen dem Prinzip der Gewissensfreiheit und der? .religiösen Unterdrückung, der Widerwille einer einflußreichen Parther gegen das erstere, die moralische Unmöglichkeit, sich offen in einem entscheidenden Schritte zu dem letzteren zu bekennen, machten es unmöglich, zu einem Resultate zu gelangen, und haben bis jetzt nur eine Reihe von Vorarbeiten herbeigeführt, unter welchen auch der apokrpphisthe Entwurf der Leipziger Zeitung eine Stelle einnimmt» Ehe wir zu einem neuen, wichtigen Gegenstände unserer Erörterung übergehen, scheint uns hier ein paffender Platz jtt fein, den Faden derselben auf einen Augenblick abzubrechen und uufere Leser auf eine literarische Erscheinung, die uns erst im Laufe dieser Arbeit bekannt geworden, aufmerksam zu machen. Ihr Titel lautet: ' Ueber das Verhältniß der Juden zu den christlichen Staaten von Karl Streckfuß, K. Preußischem geheimen Ober-Regierungsrathe. Anhang. Die Erklärungen der Stände sämmtiicher Provinzen der Preußischen Monarchie über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden. — Halle, bei C. A. Schwetschke und Sohn. 1833. Diese Schrift ist gegen die volle bürgerliche Gleichstellung der Juden, gerichtet.. An. sich ist sie von geringer Bedeutung, da sie nur hundert Mal Gesagtes und Widerlegtes wiederholt: was wir ihr indeß, wenn wir von der Sache, die sie vertritt, abfthen, nicht zum Vorwurfe zu machen berechtigt sind, da wir uns auf diesem in der Theorie so oft durchwanderten Gebiete leider oft in demselben Falle befinden. Großes momentanes Interesse gewinnt sie aber dadurch, daß sich uns der Verfasser zugleich als Theilnehmer an der Abfassung des Entwurfs der Leipziger Zeitung ziemlich deutlich ankürchigt. Uebrigens zeichnet sie sich durch eine gewiK Gewandtheit und durch einen äußerliche» Ton der Mäßigung vor manchen ähnlichen Schriften aus.. Da es ihre Beziehung zu dem uns. speziell vMlregenden Gegenstände ist, die sie eiMtiich bMchtungswerth macht, so werden wir sie rm Zuftmmenhange mit diesem handeln, und ihre emzMen Ansichten, so oft wir auf Gegenstücke kommm, welche sie berühren, zu widerlegen suchen. Auf dasjenige, was wir auf diese