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Der Jude · 1833-05-24 · Heft 7 (24.5.1833) · p. Seite 58

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 7 (24.5.1833)
Date
1833-05-24
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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58 Theile Pner nach 1812 erworbenen Provinzen nun war ßemr Vorgefundene Zustand von der Art, daß w^N nichts füglich etwas schlimmeres thun konnte, als W svrrbestehen lassen und alle seine Bestimmungen treulich vollziehen. Und das ist denn auch in diesem Falle, man muß es gestehenvon Seiten der Regierung redlich geschehen. Als erfreuliche Ausnahmen sind zu bemerken, daß das von den Juden in dem ehemaligen Herzogrhum Westphalen und der Grafschaft Witgenstein zu entrichtende Schutzgeld seit dem vorigen Jahre erlassen*) und daß hie und da einem einzelnen Juden im Großherzogthum Posen der Erwerb eines Hauses oder Grundstückes durch eine Art von Privilegium gestattet worden.**) JmUebrigen geht die Sorgfalt in der Beibehaltmrg des Alten so »vert, daß es sogar noch Landesrheile giebt— und zwar gehört namentlich die Niederlaufltz i>a§u***) — wo den Juden durch Zunftgesetze die Betreibung von Handwerken untersagt ist. Es ist abermals eine sehr beachkenswerthe Thatsache, daß man auch in Preußen, obgleich man auch hier, so oft man gerade eines Vorwurfs gegen die Juden bedarf, ihre vorherrschende Beschäftigung mir dem Handel anzuführen weiß, doch während der Zeit von 18thätigen Friedensjahren keine Muße gefunden hat, um einem solchen schreienden Mißbrauche weniastens abzuhelfen. Eine ganz andere Gestalt aber hat die Sache in denjenigen Provinzen, welche aus den Händen der FranzösWen und Westfälischen Regierung in die der Preußischen üvergegangen sind. Hier würde eine wahrhafte, redliche Vollziehung der zur Zeit der Uebernahme geltenden Gesetze einen Zustand bilden, der in den wesentlichsten Beziehungen weit über'dem durch das Wkt von 1812 herbeigeführten stehet» würde. Volle GMchheit der politischen Rechte, volle Gleichheit der MUrüchß auf Ehre und Auszeichnung im Dienste des FriedM Md des Krieges, eine schrankenlose Sphäre für die UMng und Benutzung einer jeden edleren Kraft, ein Preis für jedes gemeinnützige Wirken, ein Lohn für jede^ heilsame Anstrengung, - Ehre und Dank dem Verdienste, der Intelligenz, der *) Koch, S. 276. ■**) Heinemann, S. 421. "') Man vergleiche ein Reffript des Ministeriums des Innern vom 22» Juni 1829 bei Heinemann, S. 43. Tapferkeit; daneben aber drückende, gewaltsame Beschränkungen für den niederen Erwerb, dessen durch die alte Bedrückung aufgedrungeüe Gewohnheit der jungen Freiheit noch nicht hatte weichen »vollen: Beschränkungen, härter vielleicht, als irgend eine Gesetzgebung der neueren Zeit sie angeordnet, aber von vor ne herein nur als vorübergehendes Mittel zur Erreichung eines besonderen Zweckes angekündigt, und auf die Dauer von 10 Jahren beschränkt, hart und rvillkürkich, wie die Herrschaft, von der sie ausgingen, aber mit großer Klugheit auf ihren Zrveck berechnet und vermöge einer tiefen Kenntniß des »nenfchlichen Herzens mit den verliehene»» Rechten auf's »veiftsie kombinirt — das war der Zustand der Juden, in seinen schärfsten Umrissen bezeichnet, wie ihn die Preußische Regierung insbesondere a»n Unken Rheinuftr — denn im Königreiche Westphalen war die Lichtseite des Bildes eben so hell, aber die Schattenseite minder grell hervorgetreten — bei der Uebernahme vorfand. Um nun zu der für unseren Gegenstand überaus wichtigen Würdigung der Art und Weise, »vre die Preußische Negierung diesen Zustand aufrecht erhalten und "behandelt hat, zu dem rechten Verstättd- >niß der Gestalt, welche er unter dem Ei»»siusse ihrer Grundsätze annehmen rnußre, zu gelangen, scheint es mir erforderlich, denselben in seinem tiefen Zusammenhänge mit der ganzen Regietungsweise, durch »velche, mit der ganzen merkwürdigen Zeit, in »velcher er entstand, aufzufasse»». Wir müssen deshalb auf das Französische'Kaiserreich, auf die Gr»rndsähe, die es leiteten, auf den Zustand der Geister, der es möglich gemacht hatte und der es aufrechterhielt, einen flüchtigen Blick werfen. Die Französische Revolution hatte während der Zeit ihrer Krisis Alles geopfert und zu opfern geböte»», nur um der Aufrechthaltung ihres Grundgedankens, um der Rettung ihres Daseins Willen m dem Kampfe gegen die vereinte Uebermachk des halben Frankreichs und des ganzen Europas; der Genuß der erkämpften Freiheit aber ,ward Denen, die Alles für sie Hingaben, so wetttz We die Segnu»»gen des gelobten Landes dem Äeschlechte, das durch die Wüste wanderte, zu Theik. Der Baum der Gleichheit und der Freiheit stattö sterlich fest und mit tiefen Wurzeln an dem Dodtzn des Vaterla»»des haftend da; aber

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