Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 7 (24.5.1833)
- Date
- 1833-05-24
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Ausschließungdie ich eher verbsntrmWürde, als die von militairischer Beförderung, weil ich keine Zurücksetzung weiß, welche die heiligsten Ansprüche, die legitimsten Gefühle der Ehre so empfindlich verletzte, wie diese. Ich weiß wohl, daß viele Jahrhunderte lang zur Schande der Menschheit nur eine bevorzugte Geburt ein Recht auf militairische Ehrenstellen verliehen hat; aber dieser Mißbrauch hat sich auch fürchterlich gerächt, indem diejenige Nation, die ihn zuerst vernichtete, in unaufhaltsamem Siegesläufe die halbe Welt durch ihre Heere unterjochte so lange, bis die unterjochten Fürsten und Völker demselben Prinzips zu huldigen begannen. Und in jenen Zeiten, da war der Kriegsdienst keine allgemeine nationale Verpflichtung; er war für den Rltter und Edlen ein kühnes Kamfspiel, für den niedrig Gebornen ein Söldner- Handwerk, ein Brodetwerö/ gefahrvoller, aber nicht edler, als ein anderer; da konnte ja ein Jeder mit sich-abrechnen, wie viel ihm sein Leben werth sei- Jetzt aber, da das Gefühl der Menschenwürde und der gleichen Ehre in niedere Hütten gedrungen und gebeugte Herzen aufgerichtet; jetzt, da der Kriegsdienst nicht Standessache mehr und nicht bezahltes Handwerk, sondern die erste Pflicht des Bürgers gegen sein Vaterland sein soll — jetzt Einen unter Hunderten mit dem einsamen Gefühle der Schande in der Brust in den Todeskampf zu senden, ihm anstatt der erhebenden Aussicht der Ehre die Mitgift des demürhigenden Bewußtseins zu gebm,, daß er allein rmtexallen seinen Kameraden, und wäre er der fähigste, her tüchtigste, der muthigste, der höheren Ehre im KriegKLenste für immer unwürdig erachtet ist, ihn mit diesem quälenden Bewußtsein vielleicht einer feindlichen Nation gegenüberzustellen, die den Grundsatz der Gewissensfreiheit anerkannt hat, unter deren Gesetzen geboren, sr sich, auch als der Geringsten Einer, ein Gott in Vergleich mit seinem jetzigen Zustande dünken müßte —^ pie Qualen des Abgrunds lauern in diesem Gedanken: ich vermag ihn ohne Entsetzen nicht zu verfolgen. Und doch kann ich mich einer Erinnerung an einen M sich unbedeutenden Vorfall nicht erwehren, her diese Vorstellungen lebendiger, als je, in mir erweckt hat. Als vor zwei Jahren mehrere kleinere Norddeutsche die Weisung erhielten, ihr Kontingent zu einemWAichen Feldzüge nach Luxemburg in Bereitschaft zu setzen, schrieb man mir, daß die Juden in Moißling, einem Dorfe auf dem Gebiete der freien Stadt Lübeck, trotz ihrer Prokestation gezwungen worden seien, ihre Söhne an der Loosung zum Militairdienste Theil nehmen zu lassen. Bekanntlich hatten die Juden, die sich vor der Französischen Okkupation in Moißling, wenn auch dürftig, ernährt hatten, von der Französischen Regierung die Erlaubniß erhalten, nach der Stadt Lübeck zu ziehen, sind aber nach der Befreiung derselben, dem Völkerrechte, der Sicherheit erworbener Rechte, dem Geiste der Bundesakre, dem entschiedenen Widerstande der gesamwten arbeitenden Klassen zum Trotz durch den Neid einiger einflußreichen Krämer gezwungen worden, die Stadt wieder zu verlassen, und sind durch diese gewaltsame Zerstörung ihrer Verhältnisse in Noch und Elend versunken, so daß ihre Söhne fast ohne Ausnahme auswärts Brod und Menschlichkeit zu suchen genöthigt waren. Und nun sollten diese Söhne nach Hause kommen, um, wenn das Loos sie träfe, für ihre „Vaterstadt," die sie ausgestoßen, kn welcher sie, wenn sie aus dem Feldzuge heimkehrren, weder arbeiten, noch betteln durften — um für diese „Vaterstadt" gegen die Belgier, vielleicht auch gegen die Franzosen zu kämpfen. Gott! gegen die Franzosen, gegen die einzigen Menschen, von welchen aus ihren Kinderjahren her die Kunde, wie ein Mährchen, zu ihnen herüberschallte, daß sie einmal von Menschen menschlich behandelt worden! — — Ungern habe ich diese schmerzlichste Seite eines schmerzlichen Verhältnisses so nahe berührt; aber es ist besser, daß wir die offenen Wunden zeigen, als daß der verheimlichte Schmerz das Mark des Lebens in Bitterkeit verwandle. Es ist schrecklich, von seinem Vaterlande mit Haß behandelt zu werden; aber es wM tausend Mal schrecklicher, sein Vaterland zu hassen? Schöpfen wir ausser Betrachtung dreier düsteren Möglichkeiten, aus diesem Rückblicke auf eine schmerzvolle Vergangenheit die frohe Gewißheit, kaßes unmöglich ist, daß die Preußische Regierung die entsetzliche Bestimmung jenes? entsetzIichen Entwurfs, die ausdrückliche Ausschließung derZudenvottjeder militairischen Ehrenstette, wckche ühMMU riMs Feldwebels hinaus liegt, je in Vollziehung bringe!