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Der Jude · 1833-05-10 · Heft 5 (10.5.1833) · p. Seite 43

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 5 (10.5.1833)
Date
1833-05-10
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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folgt wurden, sahen sie sich fortwährend in fremden Landern nach Beschützern um. Wir haben hinlängliche Beweise, daß die Hugenotten die Englischen Protestanten mehr wie ihre Landsleute betrachteten, als die Französischen Katholiken. Die Unterscheidun- Len m Betreff von Katholiken und Kalvinisten sind jetzt hinweggeraumr, und wenn England angegriffen werden sollte, so würde jetzt auch Niemand sich darum kümmern, ob der Angriff von der frömmsten katholischen oder kalvinistischen Macht ausgehe Laßt uns den Versuch machen, den man in Amerika, in Frankreich und in Preußen gemacht, und der Jude wird ein treuer Unrerrhan werden. Das ehr. M. für die Universitär Oxford har mit dem guten Geschmacke, der ihn gewöhnlich auszeichnet, sich aller Angriffe auf die Juden enthalten; aber von Anderen sind sie ein niedriges und schmutziges Geschlecht genannt worden, dem Ackerbau und anderen ehrbaren Geschäften abgeneigt, nur zum Wucher geeignet und patriotischer Gefühle, geselliger Empfindungen unfähig. Dieses ist nur noch ein neues Beispiel von der Logik der Bigotterie zu allen Zeitem Ihr erzeugt erst Laster, und dann macht Ihr sie als einen Vorwand der Verfolgung geltend; Ihr macht England den Juden nur zu einem halben Barerlande, und dann wunden Ihr Euch, daß sie nur eine halbe Vaterlandsliebe fühlen; Ihr behandelt sie wie Fremde, und dann befremdet es Euch, daß sie nicht alle Gefühle von Eingebornen hegen; Ihr zieht eine Trennungslinie, und dann drückt Ihr Euer Erstaunen aus, daß sie sich nicht mit Euch vermischen; Ihr wollt ihnen nicht gestatten, einen Acker Landes zu besitzen, uud doch klagt Ihr, daß sie sich ausschließlich dem Handel widmen; Ihr schließt sie von allen Bestrebungen einer achtbaren Ehrliebe aus, und werft ihnen dann vor, daß sie zu den Künsten der Habsucht ihre Zuflucht nehmen; — kurz, Ihr habt sie seit Jahrhunderten jeder Art von Ungerechtigkeit unterworfen, und nun verdammt Ihr sie, daß sie zu der natürlichen Hulfsguelle. des Schwachen gegen die ihn überwältigende Macht, zur List und Verschiar genhelt, ihre Zuflucht nehmen. (Anhaltender Beifall.) Diejenigen, welche sich dem vorliegenden Vorschläge aus rellgiösem Eifer widersehen, sind hinlänglich bekannt mit der Geschichte der Juden, um zn wissen, daß die Mangel und Unvollkommenheiten, die jetzt an dem jüdischen Charakter haften, ihm nicht natürlich sind; daß lange Jahrhunderte, ehe Europa aus der Barbarei austauchte, als Künste und Wissenschaften in Athen noch unbekannt waren, als kaum noch eine Hütte auf dem Boden stand, auf weichem später Rom sich erhob, — daß damals die jetzt verachtete Nation zur höchsten Größe sich erhob, ausgedehnte Eroberungen machte, blühende Manufakturen besaß und Handel trieb, prächtige Palaste und Tempel erbaute und durch Staatsmänner, Krieger, 1 Naturphilosophen, Geschichtschreiber und Dichter verherrlicht ward. Welche Nation hat je mit männlicherer Kraft gegen eine ungeheure Ueberlegenheit für die Sache bürgerlicher und religiöser Freiheit angekämpft? Welche andere hat in ihren letzten Todeskampsen so ausgezeichnete Proben von Dem abgelegt, was eine tapfere Verzweiflung vermag? (Lauter Beifall.) Wenn im Laufe vieler Jahrhunderte, verachtet und verhöhnt, wie sie es wurden, sie eint« I germaßen von chrem früheren Zustande entarrst sind, wenn in einem Zustande der Sklaverei, sie einige von den Fehlern der Sklaven und von der GeseÄ- I schaft Verworfenen angenommen haben, sollten wir das als einen Gegenstand des Vorwurfs für sie betrachten, oder sollten wir es nicht eher für eine Schande für uns selbst achten und uns beeilen, die Beschränkungen aufzuheben, unter welchen sie seufzen, indem wir die letzte Spur der Unduldsamkeit aus dem Gesetzbuchs verwischen und ihnen die Thüre j dieses Hauses und eine jede Laufbahn ebrenwerchen Strebens öffnen? (Beifall). Ehe dieser Versuch gemacht worden, möge sich Niemand vermessen, den Sramrnesgenossen des Jesajas Geist und den Abkömmlingen der Makkabäer Muth abzusprer chen. (Beifall). Indem ich den Vorschlag unterstützte, glaube ich im Sinne der wahren Interessen des Christenthums zu handeln. Es scheint mir, als würde ich dem Christenthum eine größere Beleidigung anthun, als ihm je von einem seiner offenen Gegner widerfahren, wenn ich die Meinung ausspräche, daß jene ausschließenden und unduldsarmn Gesetze zu seiner Erhaltung erforderlich find. Ohne eine solche Hülfe ward das Christenrhum gegründet, und ohne sie kann es erhalten werden; ohne solche Hülfe har es barbarische Nationen gezähmt; ohne solche Hülfe ist die anmurhige Fabelwelt heidnischer Dichter, sind die barbarischen Gebrauche der Sachsen vor ihm geschwunden. (Beifall). Es hat diese Triumphe nicht durch unduldsame Gesetze, sondern ihnen gegenüber erkämpft. Die ganze Geschichte beweist, daß das Christenrhum Alles zu fürchten hat, wenn sie die Verfolgung zur Bundesgenossinn, nichts, wenn es sie zur Feindin» hat. (Beifall). Möge diese Religion lange ein Segen für die Welt bleiben, mächtig in ihren Lehren der Weisheit, mächtig in ihren Beispielen der Sittlichkeit, mächtig in jenen Beweismitteln, vor denen die scharfsinnigsten und umfassendsten Geister sich gebeugt haben, der letzte Trost derer, die über alle irdische Hoffnung, die letzte Schranke derer, die über alle irdische Furcht hinaus sind! Aber mögen nimmermehr Christen' die ersten Vorschriften ihres Glaubens verletzen, indem sie den Kampf der Wahrheit mit den Waffen des Jrrthums kämpfen, und die Religion durch ein parteiisches und bedrückendes System unterstützen wollen, obgleich e6 gerade ihre höchste Auszeichnung ist, daß sie zuerst

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