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Der Jude · 1833-05-10 · Heft 5 (10.5.1833) · p. Seite 44

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 5 (10.5.1833)
Date
1833-05-10
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 das Menschengeschlecht die Lehre der allgemeinen Liebe gelehrt. (Lange anhaltender Beifall.) Mr. Halcanb: Ich behaupte, daß die Zulasr sung der Juden zu Parlaments L Sitzen mit der Erhaltung der Vereinigung zwischen Kirche und Staat unverträglich ist. Ich denke mit Lord Eldon, daß jene Vereinigung nicht darauf hinausgeht, die Kirche politisch, sondern den Staat religiös zu machen, und das halte ich für einen Vortheil. Mr. Poulter: Ich glaube, daß die Zulassung der Juden zu gleichen Privilegien mit ihren christlichen Mitbürgern fle zu einer neuen Prüfung der,' jenigen Meinungen, in welchen fie von uns abweichen, veranlassen wird. Man hat die Juden des Mangels an Patriotismus angeklagt. Wenn dem so wäre, so-möchte dieser Mangel wohl den bürgerlichen Beschränkungen, unter welchen sie in den meisten Ländern seufzen, zuzuschreiben sein. Vernunft und Geschichte beweisen aber, daß Patriotismus nur durch eine weise, freisinnige Politik zu erzeugen und zu erhalten ist. Es ist dargerhan worden, daß, so oft die Juden mit Güte, wie andere Bürger, behandelt worden, fle eine gleich eifrige Theilnahme an den Interessen des Landes zeigt haben. Mr. Hu me: Ich brauche die Aufmerksamkeit des Hauses nur für wenige Minuten in Anspruch zu nehmen; es ist kaum auf irgend einen Punkt noch eine Antwort nöthig; denn ich habe nie eine siegreichere Erwiederung gehört, als die, die auf die Einwendungen der Gegner der Motion erfolgt ist. Die Argumente des ehrenwerthen Mitgliedes für die Universität Oxford sind durch den beredten Vortrag des gelehrten und ehr. M. für Leeds sehr geschickt widerlegt worden; und das Argument des ehr. M. für Dover hätte mit gleichem Gewicht gegen die Aufhetzung der Test - akten und der Beschränkungen der Katholiken gebraucht werden können. Es ist nutzlos, auf die Geschichte der Juden in früheren Tagen zurückzugehen; die jetzigen sind ihnen in Sitten und Gewohnheiten sehr unähnlich. Es würde höchst ungerecht sein, sie eines Mangels an Achtung vor dem Eide zu beschuldigen. Sie hegen eine so gewissenhafte Ehrfurcht vor der heiligen Verpflichtung des Eides, wie ihre christlichen Brüder. Der ganze Unterschied ist, daß sie bei dem Namen Jehovah's und auf das alte Testamsm, die Christen bei dem Namen Gottes auf das neue Testament schwören. Es ist daher absurd, zu behaupten, daß die Einführung der Juden in die gesetzgebende Gewalt dem Hause seinen christlichen Charakter entziehen würde. Der ehrenwerche Baronet (Sir Robert Znglis) hat gesagt, daß die Argumente, die jetzt für die Zulassung der Juden gebraucht werden, auch auf die Zulassung von Brahminen und Parsen anwendbar sein würden. Wenn dem so wäre, so fände ich nichts dagegen einzuwenden. Ich kann das ehr. M. versichern, daß es Brahminen und Parsen giebt, die so verständig und in ihrer Moral so gewissenhaft sind, wie viele Mitglieder dieses Hauses. Die Nordamerikanischen Freistaaten haben die Juden zu gleichem Bürgerrechte mit den übrigen Unterthanen zugelassen, und Quincey Adams hat die Vorcheile dieser Gleichstellung bezeugt. Ich hoffe, daß die Staaten Europas diesem Beispiele folgen werden. Mr. O'Connell: Ich habe für religiöse Freiheit gekämpt, nicht um des Vortheils einer Sekte Willen, sondern, weil ich den allgemeinen Grundsatz verrheidige, daß eines Jeden Gewissen in religiösen Angelegenheiten frei sein muß. Man kann die Verschiedenheit der Glaubensmeinungen durch politische Beschränkungen eben so wirksam, wenn auch nicht eben so strenge wie durch körperliche Qualen bestrafen. Da ich jeder Beschränkung auf den Grund von Glaubensmeinungen hin entgegen bin, da ich weiß, daß solche Beschränkungen den gewissenhaften Mann ausschließen, wahrend sie für den Gewissenlosen keine Schranke bilden: so freue ich mich, daß der Tag des gesunden Menschenverstandes gekommen ist, wo alle solche absurde Beschränkungen abgeschafft werden sollen, und wo die Religions-Parthei, die mit solcher Standhaftigkeit die Zurücksetzungen ertragen, denen sie ihrer Religion wegen ausgesetzt gewesen, von aller Ausschließung ihrer Anhänglichkeit an eine Religion wegen, die fle für wahr hält, befreit werden wird. Ich freue mich, daß die Englische Nation von dem Flecken der Ausrechthaltung so gehässiger Beschränkungen gereinigt werden wird. Mr. Roche: Ich unterstütze die Resolution aus den von meinem ehrenwerthen Freunde, dem Mitgliede für Dublin, angegebenen Gründen. Die Motion wurde darauf ohne Abstimmung angenommen, und in Folge davon die betreffende Bill am folgende Tage zum ersten Male verlesen. Won den in dem vorigen Jahrgänge enthaltenen Aufsätzen über Baden, Baiern, Hannover und Kurhessen ist unter dem Titel: „Kritische Beleuchtung der in den Jahren 1831 und 1832 in Deutschland vorgekommenen ständischen Verhandlungen über die Emancipation der Juden" ein besonderer Abdruck erschienen, welcher für 1 Thaler Preußisch Courant in allen Deutschen Buchhandlungen zu haben ist. Gedruckt bei Hammrrich und Lesser in Altona.

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