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Der Jude · 1833-05-10 · Heft 5 (10.5.1833) · p. Seite 42

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 5 (10.5.1833)
Date
1833-05-10
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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ten Elend leiden und geächtet sein auf der ganzen > Erde, daher jeder Versuch, ihren Zustand zu! verbessern und sie anderen Sekten gleich zu stellen, eme Widersetzlichkeit gegen den göttlichen Willen sei. Ich kann für diesen Punk ein Argument anführen, welches bis zur Evidenz beweist, daß in den Propher zeihungen nichts ist, was gegen die vorliegende Mo,' tion angeführt werden kann. Jene sollen erklären, daß die Juden durch die ganze Welt wandern, und daß sie nie zur Theilnahme an den Rechten und Privilegien der Nationen, unter denen sie leben, werden zugelaffen werden. Was sich aber in Frank,' reich und Amerika zugetragen, beweist die Falschheit dieser Annahme; das aber kann den Prophezeihungen auf keinen Fall begegnen; es ist mithin gewiß, daß jener Auslegung^ ein Mißverständniß zu Grunde liegen muß. (Beifall.) Was dasjenige betriffe, was man über die Rückkehr der Juden nach Jerusalem gesagt hat, so scheint es mir unnöthig, die Kommitkee daran zu erinnern, daß fern liegende Ereignisse, dle einer Weissagung zufolge zu einer unbestimmten Zeit Statt finden sollen, selten auf die Aufführung der Menschen einen Einfluß üben. Wenn indessen ein solches Argument gegen die Juden Ge.' wicht hatte, so würde es ein gleiches Gewicht gegen die Christen haben, die ebenfalls dem gegenwärtigen Zustande der Dinge keine ewige Dauer zuschreiben. Wenn die Juden zu legislativen Funktionen unfähig find, weil sie glauben, daß sie einstmals in Jerusalem werden versammelt werden, so würde auch die zahlreiche Classe von Christen unfähig sein, die an das herannahende tausendjährige Reich glauben. — Die jüdische Religion besitzt eine sehr wichtige En genthünrlichkeit, die ihr einen Vorzug vor allen Religionen giebt, die wir für falsch halten — die nämlich, daß nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für ihU Verbreitung vorhanden ist. Es ist notorssch, daß die Juden keine Proselyten zu machen wünschen; fle suchen sie zu beseitigen und weisen sie fast zurück, indem sie es als eine Art von Anmaßung betrachten, I daß Einer darauf Anspruch mache, ihrer Religion anzugehörem Dgher kommt es, daß die Bekehrung eines Menschen -zum Judenthum beinahe ein so seltenes Ereigniß wie eine totale Sonnensinsterniß ist. Mir ist nur ein Fall der Art bekannt; dieser aber war merkwürdig genKg; es ist der Fall des Lord George Gordon. Wenn es je einen Konvertiten gab, auf welchen elne Sekte, die Proselyten zu machen sucht, hätte stolz sein müssen, so war es dieser: denn er war nicht nur ein Mann von Rang und ein Gesetzgeber, sondern er zeichnete sich in den Augen der Welt durch den Ungestüm seines Eifers zu Gunsten einer besonderen Sekte aus. Er ward Jude und wie wurde er behandelt? Seine angenommenen Brüder ließen ihn mit Widerstreben zu allen den peinlichen Gebräuchen ihrer Religion zu; M er aber auf dem Tvdbette nach jüdischen Gebrauchen begraben zu werden verlangte, sagten sie chm, sie könnten seinem Wunsche nicht willfahren. Der Vorwurf, den man jetzt den Juden macht, ist der, daß sie ungesellig sind. Wie verschieden klingt das von der Anklage, die man gegen die Katholiken verbrachte, als sie, so wie jetzt die Juden, um die Aufhebung bürgerlicher Beschränkungen baren. Die katholische Religion wurde als unruhig, unersättlich, einschmeichelnd beschrieben, als eine , die sich in jedes Kleid zu hüllen, in jede Lebensweise zu finden weiß. Geht, wohin ihr wollt, — hieß es — so werdet ihr ihre Ennssarien finden, verschlagene, gelehrte Männer mit höflichen Manieren; sie sind am Hofe, im Felde, in den Schulen zu Hause, wo sie unter dem Vorwände, Kennnusse mitzutheilen, den Glauben der Jugend verderben; sie unternehmen es, für den' Kaiser von China astronomische Beobachtungen zu machen, oder die Eingebornen von Paraguay die Künste der Cwilisation zu lehren: alles in der Absicht, ihre religiösen Lehren zu verbreiten. Das Haus wurde gefragt, ob e6 einer Sekte, die so begierig sei, Proselyten zu machen, wie diese, Macht anvertrauen wolle? Jetzt im Gegentheil ist das Geschrei gegen die Juden, daß sie ein ungeselliges Geschlecht sind, und daß sie nicht mit einer besonderen Religion zufrieden sind, falls sie nicht auch " eine besondere Familie bilden. Die Logik der Bigotterie weiß sich in einem solchen Dilemma immer zu helfen. (Beifall.) Welches auch die besondere Eigenthümlichkeit der Sekte sein mag, deren Befreiung gerade versucht wird, so wird man sie für jetzt fürs das gefährlichste aller Laster erklären. Wenn die Juden als Religionsbekenner ungesellig sind, so ist dies eine Sicherheit mehr für die christliche Religion; aber sie haben sich nie ungesellig als Bürger und Nachbarn ^gezeigt, und ich glaube nicht, daß sie es sind; das ehrenwerthe Mitglied für Finsbury hat dem Hause eine Menge wichtiger Zeugnisse vorgelegt, die das Gegentheil beweisen. Der Fehler, den man den Juden zum Vorwurf macht, ist allen verfolgten Sekten eigen. Er war früher auch den Katholiken und zwar mit gutem Grunde eigen: denn von dem Regierungs-Antritte der Elisabeth an bis lange nach der Revolution genossen die Iatholiken größeren Schutz von fremden Fürsten, als von ihrem eigenen Landesherrn, und deshalb fühlten sie weit mehr Anhänglichkeit an jene ersteren. Darum sagte Crom - well, die Katholiken seien Spanisch gesinnt, weil Spanien damals an der Spitze des katholischen Interesses stand, und später, als Frankreich sich in derselben Lage befand, konnte man sagen, sie seien Französisch gesinnt. Unter diesen Umständen haben wir von katholischem Patriotismus im Gegensätze von nationalem Patriotismus gehöre; und eben so war eS mit den Kqlvinisten; während fle zu Haust ve^

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