Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 5 (10.5.1833)
- Date
- 1833-05-10
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage jir No. 5. -es Juden. Verhandlungen über die Emancipation der Juden im Englischen Parlament. (Beschluß der ersten Debatte.) an sagt, es würde eine Anomalie in dem Schauspiele eines jüdischen Richters liegen, der über einen der Blasphemie Angeklagten ein Urtheil zu sprechen hätte. Ich will das gegenwärtig geltende Gesetz über Blasphemie nicht vertheidigen; aber ich bin der Meinung, daß ein vernünftiges Gesetz über diesen Gegenstand sich sehr wohl mit einem jüdischen Richter verträgt. Ich denke nämlich, daß es jedem Menschen vergönnt seyn muß, nach Belieben die Wahrheit oder Falschheit der Religion zu erörtern, nicht aber dem Auge oder dem Ohre Anderer gegen ihren Willen Gegenstände oder Reden aufzudringen, die sie beleidigen. Die Unterscheidung ist vollkommen klar. Wenn Einer Paine's Zeitalter der Vernunft in einem abgelegen Laden an Leute verkaufen wollte, die es kaufen mögen, oder wenn ein Anderer eine Vorlesung gegen die verehrte Religion in einem Privatzimmer halten wollte, so müßten Beide nicht zur Verantwortung gezogen werden; wenn aber Einer in einer besuchten Straße an einem Fenster eine Carrikatur von einem Gegenstände auestellte, der für neun hundert neun und neunzig Menscheu unter tausend ein heiliger ist, oder wenn er auf öffentlicher Straße beleidigende Redensarten gegen Wesen und Dinge gebraucht, welche fast Alle, die ihn Hören, zu verehren geneigt sind, so würde ich einen solchen Mann bestrafen, nicht eines Libells, sondern eines Skandals' wegen, nicht weil er angegriffen, was er nicht für wahr hält, sondern weil er den Umstehenden ohne Nutzen Pein und Ekel verursacht hat. (Beifall ) Niemand hat das Recht, die religiösen Gefühle seiner Nebenmenschen zu beleidigen unter dem Vorwände, sich der Freiheit der Erörterung zu bedienen, eben so wenig, wie er das Recht hat, in einer stark bewohnten Gegend eine gefährliche Manufaktur anzulegen unter dem Vorgeben, daß er sein Eigenrhumsrecht ausübe, oder nackt in den Straßen umher zu wandeln, und zu sagen, er bediene sich des Rechts, sich Bewegung zu machen. (Beifall) Aus demselben Grunde sind die Reste der Todten in allen civilisirten Staaten vor Beleidigungen geschützt. Das Interesse der Wissenschaft erheischt Leichenöffnung^; aber das Gesetz hat dafür gesorgt, daß Privatgefühle nicht verletzt werden. Jeder hat das Recht zu verlangen, daß die Leiche seines Vaters nicht um der Wissenschaft willen ungebührlich behandelt werde, und er hat ein gleiches Recht zu verlangen, daß sein Gott nicht um der religiösen Erörterung willen beleidigt werde. Ich sehe durchaus keine Schwierigkeit darin, daß ein Jude diesen Grundsatz in einem Falle von Blasphemie anwende; denn ich könnte ihn selbst in dem Falle einer Religion anwenben, die ich für gänzlich falsch halte. Wenn auf der uns unterworfenen Insel Malta ein Engländer die Ceremome äüfbringen wollte, womit man hier in England in ftü- Heren Zeiten den Jahrestag des Regierungsantritts der Königinn Elisabeth zu feiern pflegte, — nämlich die Verbrennung eines Bildes des Pabstes auf öffentlicher Straße, so würde ich eine solche Handlung bestrafen. Wenn Einer in Madras oder Kalkutta die Religion der Einwohner beleidigen oder verspotten wollte, so würde ich als Magistrat keinen Anstastd nehmen, ihn zu bestrafen; und eben so würde ein aufgeklärter Jude auf dem Richterstuhle keine Schwierigkeit in der Bestrafung einer öffentlichen Beleidigung finden, die der in dem Lande, in welchem er seinen Wohnsitz hat, herrschenden Re- ' ligion widerfahren. Oder klagt man etwa die Juden an, daß sie die christliche Religion beleidigen? Ich bin bei ihrem Gottesdienste zugegen gewesen, und habe nichts darin gefunden, wozu ein Christ sich nicht gesellen konnte. Ihre zehn Geböte sind dieselben, wie die unsrigen; ihr Sittengesetz ist dasselbe; kurz es ist nichts in ihrer Religion, das sich dazu eignete', aus ihren Bekennern schlechte Unterthanen oder schlechte Nachbarn zu machen. Man hat gesagt, die Prophezeihungen erklärten, die Juden soll-