Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 5 (10.5.1833)
- Date
- 1833-05-10
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 daß Jedermann gehalten ist, sich für das Glück seiner Nebenmenschen zu bemühen, und daß Keiner dem Anderen das geringste Maaß nutzlosen Schmerzes zu,' fügen ober ihm das geringste Maaß harmloser Freude entziehen soll. Giebt man mir diesen Satz zu, wie man ihn meines Erachtens zugeben muß, so möchte ich fragen, ob die Ausschließung von jedem politischen Einflüsse eine Quelle des Schmerzes Ist, oder nicht. Den verneinenden Satz zu beweisen, ist hier die Sache Derer, die ihn behaupten; wenn wir aber bei näherer Untersuchung entdecken, daß uns aus der Aufrechthaltung dieser ausschließenden Grundsätze kein Vortheil erwächst, dann sind wir als Menschen, als Politiker, als Christen verpflichtet, sie sofort abzuschaffen. Was wendet man gegen diese Abschaffung ein? Man behauptet, daß, wenn Juden zu Sitzen im Parlament zugelaffen werden, Muselmänner, Parsen und Brahminen dasselbe Recht haben würden. Diesem von den Folgen entlehnten Argument möchte ich durch ein ähnliches begegneu. Denkt Euch, es wäre vorgeschrieben. Ungläubige an einem langsamen Feuer zu braten. Die Gründe, die für ein solches Verfahren angeführt werden können — wovon die bloße Vorstellung, ich bin dessen gewiß, meinem ehrenwertheu Freunde Entsetzen einflößt-sind ganz so entscheidend, wie diejenigen, die man für die Ausschließung der Juden von allem politischen Einflüsse anführt. Ich möchte wissen, wo wir denn in der Laufbahn der Intoleranz innehalten wollen, wo die Gränze festsetzen? Das ehrenwerthe Mitglied für dre^ Universität Oxford will sie auf dem Punkte der gegenwÄtig geltenden Gesetze stehen lassen; das Mitglied für Ädham möchte weiter gehen, und die Juden des Rechts, Grundeigenthum zu besitzen, berauben. Natürlich: denn das Werk der Unduldsamkeit wird immer in unmerWchen Schritten und ich bin überzeugt, daß die Ausschließung, wenn man sie erst auf Grundeigenthum.angewendet hatte, bald auch anderes Eigenthum treffen würde, und warum nicht am Ende gar persönliche Freiheit und Leben selbst? Geringe Beraubungen dienen nur dazu, die Sekten zu reizen, gegen die sie gÄbt werden, und ihnen das Gefühl einzuflößen, daß sie Verfolgung leiden. Ich frage nochmals: wo will man die Granze ziehen zwischen Duldung und Unduldsamkett? Das Uebel, welches der ehrenwerthe Baronet verhängt, ist nach seiner Meinung gut; das von Anderen verhängte ist unpolitisch und ungerecht. Juden dürfen Ge- 4 schworne sein, aber keine Richter; sie dürfen auf Schadensersatz erkennen, aber keinen Prozeß einleiten; sie dürfen nicht Mitglieder des Parlaments werden, aber sie können den größten Einfluß auf dem Geldmarkt besitzen und die Börsen beherrschen; ja, ein Jude kann aufgefordert werden, einem Fürstenkongresse beizuwohnen, und anstatt daß er wie einer seiner Vorfahren behandelt, d. h. auf einen Stuhl gesetzt und der Operation eines Zahnarztes unterworfen werde, gehen sie mit ihm, wie mit ihres Gleichen um, und vermögen ihn, die verbündeten Mächte Europa's mit den Mitteln zu versehen, mächtige Unternehmungen in's Werk zu setzen. Alles das kann geschehen, und doch darf kein Jude Mitglied des Parlaments sein. Man sagt, daß der Bann des Allmächtigen auf den Juden laste, und daß es deshalb eine Widersetzlichkeit gegen seinen Willen sei, wenn man sie auf einen gleichen Fuß mit den Christen zu setzen suche; aber das höchste Wesen wird gewiß die Sache von der Form zu unterscheiden wissen; es wird sehen, daß wir, wahrend wir der Form nach vorgeben, den Juden politische Macht vorzuenthalten, sie dieselbe doch in der That besitzen lassen. Diejenigen, die die Aufhebung der Unfähigkeiten der Juden aus den von dem ehrenwerthen Mitgliede für Oxford vorgebrachten Gründen bestreiten, schließen ein Kompromiß zwischen dem Grundsätze der Verfolgung und dem der Duldung. Das ehr. M., da es sein eigenes gutes Gefühl so wie den Geist des Jahrhunderts zu stark findet, um ihm zu gestatten, seinen Grundsatz in seiner ganzen Ausdehnung zu verfolgen, zieht eine willkürliche Scheidungslinie, und sagt, alles auf der einen Seite derselben gelegene sei Verfolgung, alles auf der anderen nur nöthige Vorsicht und Beschränkung. Diejenigen, welche früher die Juden enthaupteten, sie an den Schweifen der Pferde schleiften und sie an langsamen Feuern verbrannten, waren Menschen von ganz anderer Gemüthsarr, wie mein ehrenwerther Freund; sie hatten nichts von seiner Menschlichkeit, aber nach meiner Meinung waren sie kom sequenter. (Beifall.) (Hiezu eine Beilage.)