Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 4 (7.5.1833)
- Date
- 1833-05-07
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 befand sich aber in dem Punkte in dem Zustande kläglicher Unwissenheit , wie manche anwesende Mitglieder wohl einsehen werden, die wir aus persönlicher Erfahrung bezeugen können, daß ihre Küche nicht eben das Schlimmste an den Juden ist. (Gelachter.) Aber dct< ganze Argument, welches die Juden auf den Grund der Antipathie hin von bürgerliches Aemtern ausschließt, ist sinnlos. Wenn Ihr die Juden nicht leiden "könnt, so möchte das allenfalls ein Grund sein, sie aus dem Lande zu verbannen, aber es ist eine schlechte Logik zu sagen: „Wir lieben die Juden im Privatleben nicht: darum wollen wir sie nicht in'6 öffentliche Leber, zulassen." Was nun die vorausgesetzten antirocialen Grundsätze der Juden betrifft, so hat das heiligste ihrer Bücher ihnen vorgeschrieben: „Suchet den Frieden der Stadt, „in welche Ich euch gefangen habe abführen lassen; „und betet zu dem Herren für sie; denn in ihrem Fritz- „ den werdet Ihr den Frieden finden." Dieser Grundsatz wurde vollständig von den Juden anerkannt unter Napoleon, welcher sie fragte, ob sie sich als Bürger des Staates, in welchem sie lebten, durch dessen Gesetze und NechtSgewohnheitett gebunden glaubten. Der San he drin antwortete, daß jeder Jude, der vom Staate als Bürger betrachtet werde, den Gesetzen des Landes, das ihn schütze, gehorchen und sich nach den Anordnungen des bürgerlichen Gesetzbuchs richten müsse; kurz, daß die Israeliten solche Lander als Vaterland betrachten, ihnen dienen und sie bts auf's äußerste vertheidigen müssen. In einem für die Jugend bearbeiteten Catechismus heißt es, daß, da der Messias nicht gekommen, der König, unter dessen Schutze sie lebten, als der König' von Israel, und das Land, in welchem sie diesen Schutz genössen, in demselben Lichte, wie das Land ihrer Porältern, von ihnen betrachtet werden müsse. Daraus geht denn hervor, daß die Juden sich verpflichtet fühlen, in dem Staatein welchem sie leben, alle Bürgerpflichten zu erfüllen. Die Ausübung stimmt hier völlig mit der Lehre überein. Ich will nicht eines alten merkwürdigen Beispiels von einem ausgezeichneten Individuum der jüdischen Nation erwähnen, welches mit Treue alle Bürgerpflichten m dem Lande, in welchem es wohnte, erfüllte, ohne des Landes seiner Vater zu vergessen; sondern ich will zu der Babylonischen und Persischen Gefangenschaft übergehen, während welcher wir sehen, daß Juden den ausgezeichnetsten Bedienungen im Staate auf eine Weise genügen", daß sie die widerstrebende Bewunderung der Nationen, unter welche ihr Schicksal sie geworfen hat, erringen. Auch um diese Zeit ward die Einwendung tmn anrisocialen Gefühlen und Lehren der Juden dem Beherrscher Persiens vorgehalten; es ward dem KüniM gesagt: „Da ist ein gewisses Volk in allen Provinzen des „Königreichs unter die Völker zerstreut, und ihre „Gesetze sind verschieden von allem Volke, und sie „halten des Königs Gesetze nicht: Darum ist e§ „dem Vortheire des Königs nicht gemäß, sie zu dulden. „Wenn es des Königs Wille ist, so möge der Be- „fehl ergehen, sie auszurotten." Dieses war nun, man muß es gestehen, eine konsequente Entwickelung des Arguments; der König indessen, obgleich er die logische Bündigkeit desselben gehörig zu schätzen wußte, zerstörte nicht die Juden, gegen welche die Einwendung gemacht war, sondern Den, der sie gemacht, und machte so dem Argument ein Ende. Es wäre mir sehr leid, wenn nach diesem Vorgänge gegen meinen ehrenwerrhen Freund, den Abgeordneten der Universität Oxford verfahren würde, der, wie ich hoffe, lange leben wird, um, wenn auch nicht seine Einwendungen gegen die Abhükfe der Beschwerden der Juden, doch seine Klagen über ihre Emaneipation hören zu lassen. — („Hört" und Gelächter.) Unter den Ptolomäern Egyptens und den Seleuciden Syriens haben Juden in bürgerlichen und milirairischen Aemtern mit Auszeichnung gedient; ich will indessen dem Haufe nicht zumuthen, mir durch ein so entlegenes Feld der Untersuchung zu folgen. Wenn ich von der Zeit nach der Zerstreuung ausgehe, so stößt mir eine Thatsache auf, die mir um so beachtenswerther scheint, weil etwas Aehnliches in unseren Tagen vorgekommen ist. Der Kaiser Julian, genannt der Apostat (ich weiß nicht, ob mit Recht oder Unrecht) war ängstlich bemüht, die Juden zu gewinnen, zu Behuf der Erreichung eines ganz besonderen Zweckes; er versprach, sie wieder iw ihr Land zu führen, versuchte, den Tempel von Jerusalem wieder zu bauen, und öffnete den Juden die Reihen seiner Heere. (Die Fortsetzung folgt.)