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Der Jude · 1833-05-07 · Heft 4 (7.5.1833) · p. Seite 32

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 4 (7.5.1833)
Date
1833-05-07
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Philosophia cabbalistica]] et Pantheismus. Ex fontibus primariis adumbravit atque Inter se eomparavit Dr. M. Frey Stadt. 1832. VI. UNd 143 S. 8. (Beschluß.) Die Einleitung (p. 3—10) verbreitet sich über den Begriff von Gott, der der Kantischen Schule und dem Verfasser der allein wahre ist, und berührt die Unsicherheit der neueren Schulen in Betreff dieser Lehre. Die Abhandlung selbst zerfallt in drei Abschnitte, die von der Kabbalistischen Philosophie, vom Pantheismus und einer Vergleichung und Ver urtheilung beider handeln. Der eben berührte Inhalt der Einleitung führt uns zuerst zum zweiten und dritten Abschnitt, in denen eine gedrängte Schilderung des Pantheismus gegeben und der Beweis geführt wird, daß Pantheismus und Atheismus nur verschiedene Namen einer und derselben Ueberzeugungsweise seien. In Betreff der Form muß man gestehen, daß die Farben, mit denen der Pantheismus umriffen ist, zu den stärksten gehören, die sich in einer wissenschaftlichen Untersuchung auftragen lassen. Was den Inhalt ankangt, hat der Verfasser die Stimmführer der Philosophie für sich. Es gab Jahrhunderte, in denen man den Atheisten außer den Verheißungen des ewigen Feuers auch ein zeitliches angedeihen ließ. Das" philosophische Jahrhundert hatte dieKntdeckung gemacht, daß gegen Atheismus streiten, eine Ueberzeugungsweise bekämpfen heiße, die nie einen Bekenner gehabt. Man würde dies als einen wahren Vorzug dieses 18ten Jahrhunderts rühmen können, wenn es sich nicht oft eben so eifrig bemüht hätte, die Nichtigkeit dessen zu zeigen, was man dem Atheismus entgegensetzt. Wie schnell man das Wahre vergißt, wenn dadurch einer persönlichen Abneigung Genüge geschehen kann, bewiesen Jakobi und Schelling, als beide bald nach einander den wahren Atheismus m ihren Schriften gefunden haben wollten. Seitdem hat man nicht aufgehört, Schellings und seiner SchAer Lehren als Atheismus zu brandmarken; während Jakchi's Denkmal sich von dieser Aufschrift rein erhalten Hat. Fände sich freilich Jemand, der an den AtheisMs nicht glaubt, — das möchte aber nicht zu befürchten Pin, — so würde derselbe sich den Nachtheil, in dem Hcheüing jetzt zu stehen scheint, nicht aus einer wirklichen Verwandschaft desselben zu jener gottlosen Ueberzeügvng erklären, sondern daraus, daß er in der Minorität ist, wenn nicht der Philosophen, doch der Laien. Verfasser der hier besprochenen Abhandlung hat das Glück, Jakoben anzugehören. Doch offenbar ist der zweite Abschnitt und das VerdammungSurtheii aus dem dritten so sehr Nebensache bei dieser gelehrten Untersuchung des Verfassers, daß wir schon zu viel darüber gesagt zu haben glauben. Der erste Abschnitt behandelt in vier Kapiteln zuerst (S. 10 — 17) Namen, Ursprung, Geschichte und Eintheilung der Kabbala, sodann die in den Soharischen Büchern und dem Buche Jezirah klar ausgesprochenen Grundsätze des Kabbalistischen Systems (S. 18—50), drittens die spateren, namentlich die symbolischen und allegorischen Zusätze, die Veranlassung gegeben haben, in der Kabbala einen Pantheismus zu finden (S. 50—57) und weist endlich Spuren der Kabbalistischen Philosophie in christlichen und mohamedanischen Glaubensweisen nach (S. 57 — 65). Von besonderer Wichtigkeit für die Sonderung der Kabbala-und des Pantheismus scheinen der erste und neunte Punkt aus dem zweiten Kapitel des ersten Abschnitts zu sein, die hier folgen. S. 20 heißt es: „Gott muß in zwiefacher Hinsicht betrachtet werden, einmal, wiefern er uns in der Welt bekannt und offenbar ist, sodann aber, wiefern er in Betreff seiner Wesenheit uns und allen übrigen Wesen völlig unbekannt ist, so daß man ihn durchaus nicht denken oder begreifen kann. Denn bevor er in den Welten eine Form schuf und eine Gestaltung bildete, war er selbst allein form- und gestaltlos. Niemand kann ihn daher, wenn er nicht aus die Offenbarung durch die Welt rücksichtiget, erkennen, da er aller Form unD Gestaltung baar ist." — S. 30 steht folgende Stelle: „Glaube nicht, daß das Weltall im Ganzen, da Alles' Eins ist, Gott sei! Denn wie könnten endliche, begränzte Dinge jenes Ensoph, jene unendliche, heilige Gottheit sein, die an sich unbegreiflich ist? Sondern alle Welten lagen vor der Schöpfung im Gedanken des Ensoph, und durch dies Denken selbst sind sie geschaffen. Insofern daher durch diesen Gedanken, der in Gott (gepriesen sei er!) das Höchste ist und die Weisheit selbst, Alles, was ist und sein kann, entstanden ist; insofern kann man nur sagen, daß Alles Eins sei." — Schon aus diesen beiden Stellen der Kabbala läßt sich zum Theil erkennen, mit welchem Rechte der Verfasser in diesem jüdisch-theologischen Systeme keinen eigentlichen Pantheismus findet, wie viel Scharfsinn aber zugleich dazu gehört, die so nahe an den Pantheismus streifenden Vorstellungen mit dem Kreise theisttscher Begriffe, dem sie wirklich angehören, in gebührender Weise zu verbinden. Je bescheidener der Verfasser selbst seine ganze Untersuchung nur Skizze nennt, um so mehr wäre es zu wünschen, daß der Verfasser recht bald dieser wichtigen Frage alle seine Kräfte widmete. Königsberg, 1833* Rupp, Dr. Gedruckt rer HKMinerich und Lesser io Altona.

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