Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 3 (26.4.1833)
- Date
- 1833-04-26
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542348-2542349-2542353--266-3526767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
23 gegeben ward, und als es nickt zu bezweifeln schien, daß der Geist, der es hervorgebracht, auch in seiner An- Wendung walten werde, Niemand darin finden können. Fragen wir nach den Folgen, die dieses neue Gesetz hervorgebracht/ so können wir diese Folgen, genau genommen, nur nach der, wie wir sehen werden, leider allzukurzen Zeit ermessen, während welcher der Glaube an dessen unbedingte, treue Vollziehung in allen seinen Bestimmungen und in seinem wahren'Geiste in den Gemüchern noch nicht wankend geworden war. Diese Zeit war bei ihrer großen Kürze so reich an Bedeutung, daß sie ein inhaltleeres Jahrhundert überwiegt, und daß sie, wie eine kurze Feuerprobe, genügt, um die Kraft und Gediegenheit jenes Werkes zu bewähren. Es war die Zeit der Wiedergeburt Preußens und Deutschlands, die Zeit des Befreiungskrieges. Es war Gelegenheit gegeben, es zu erproben, ob die jüdischem Unterthanen der Preußischen Monarchie den Preis für das Gegebene zu zahlen, treue Pflichterfüllung für anerkanntes Recht zu leisten, Liebe und murhige Aufopferung dem Varerlande, welches sie als die Seinigen anerkannt hatte, zu weihen wüßten. Hier sind alle übereinstimmende Zeugnisse — und diese Thatsache ist von der größten Wichtigkeit, um die Sinnesänderung, die sich in der späteren Handhabung des Gesetzes.kund giebt, in ihrem rechten Lichte zu sehen — den Juden gürrstig. Eines der am meisten authentischen, oft schon angeführte Zeugniß ist in dem bekannten Schreiben des Fürsten von Hardenberg an den Grafen von Grote vom 4ten Januar 1815 in folgenden Worten enthalten: „Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges „wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden „des Staats, der sie in seinen Schooß ausgenommen, „durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die „jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waf- „fettgefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, „und wir haben auch unter ihnen Beispiele des „wahren Heldenmurhes und der rühmlichsten Verfrachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die „übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die „Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen „sich angeschlossen." Wir sind weit entfernt, in dem Inhalte dieser oder ähnlicher Zeugnisse irgend ein besonderes Verdienst, irgend etwas besonders Dankenswerthes zu finden. Wir würden uns solcher Anführungen gerne überhoben sehen, und es würde uns fürwahr nicht in den Sinn kommen, darauf zurückzugehen, wenn nicht manches später Vorgefallene ganz dazu geeignet wäre, den Unkundigen auf die Vermuthung zu bringen, daß die Juden doch wohl den Erwartungen, die der Gesetzgeber im Jahre 1812 von ihnen gehegt, nicht entsprochen, daß sie in den Landestheilen, wo ihnen jenes Gesetz zu Theil geworden, zu einer billigen Beschwerde Veranlassung gegeben haben mögen. Wir finden aber eine solche getauschte Erwartung, eme solche Beschwerde nirgends ausgesprochen; es ist uns kein Fall vorgekommen, daß man sich eines solchen Vorwandes zur Beschönigung irgend eines officiellen Rückschrittes je bedient hätte. Die Juden haben freilich nicht mehr gethan, als ihre Pflicht gegen ihr Vaterland und ihren König ihnen auferlegte; aber sie verlangten auch dafür nicht mehr, als daß denjenigen Pflichten, welche der Buchstabe und der Geist des Gesetzes Jenen «Zerlegte, eben so entsprochen werde. Sie haben denjenigen Erwartungen genügt, die man in Folge des Gesetzes billig von ihnen hegen irrste; sie mußten darauf vertrauen, daß auch den Erwartungen, welche sie nach den Verheißungen des Gesetzes zu hegen berechtigt waren. Genüge geschehen werde. Es konnte nicht ausblei; ben, daß gar Manche ihre ganze Zukunft, ihr ganzes Lebensglück, ihre ganze Hoffnung auf ein künftiges nützliches Wirken auf jene Verheißungen bauten. Manche bis dahin durch Unterdrückung niedergehaltene Kräfte mußten nun einen um so energischeren Aufschwung nehmen. Einzelne, im Laufe des Krieges vorgekommene Falle des militairischen Avancements*) *) Wir haben früher, auf die Angabe einer großen Anzahl glaubhafter und in der Prüfung der Thatsachen sonst sehr sorgfältiger Schriftsteller hin das Faktum angenommen, daß in der Schlacht bei Waterloo 55 Officiere jüdischen Glaubens geblieben seien. Es ist aber unserer Anführung ein aus achtbarer Quelle fließender Widerspruch entgegengesetzt worden, und es läßt sich nicht läugnen, daß die Thatsache auf den ersten Anblick den Anschein der Uebertreibung darbietet. Was uns betrifft, so sind wir bei unserer Anführung mit bestem Glauben zu Werke gegangen; eine, nähere Verisicirung der Thatsache ist uns bis jetzt nicht mög-