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Der Jude · 1833-04-26 · Heft 3 (26.4.1833) · p. Seite 21

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 3 (26.4.1833)
Date
1833-04-26
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 sich übrigens darauf, daß er aus den beiden Schriften alle harten Ausdrücke, die darin Vorkommen, in einigen Zeilen zusammenstellt, und so seine Leser überreden will, daß sie aus einem bloßen Gewebe von Schimpfreden bestanden. Um mir aber demnächst auch ein Beispiel größerer Bescheidenheit und Urbanität zu geben, bemerkt er, ich sei der Ehre seiner Kritik nicht werth und vergleicht mich mit Einem, der den Mond anbellt. Ich habe feine Waffen gegen eine solche Beurtheilung. Um seine Leidenschastlosiqkeit berieche ich den Verfasser eben nicht, und will ihm auch diesen Ruhm nicht streitig machen. Mit Ausnähme der einzigen Leidenschaft, ein Buch, und zwar ein möglichst dickes Buch zu schreiben, ist in der ganzen Arbeit von menschlicher Empfindung und Theilnahme keine Spur anzutreffen, und man sollte dem Tone nach eher glauben, eine Abhandlung über irgend eine merkwürdige Steinart zu lesen, als über einen Gegenstand, der die Verhältnisse lebendiger, menschlicher Wesen betrifft. Einer pseudo-historischen, gedankenlosen Methode folgend, wirst der Verfasser Gutes und Böses, Kluges und Verrücktes, verschob lene Albernheiten und lebendige Interessen, unnütze Raritäten und ernste, folgenreiche Fragen ohne Urtheil und ohne Sonderung in ein wüstes, verworrenes, durch keinen sichtenden Gedanken geordnetes Chaos durcheinander. Wie andere seiner Geistesgenossen, wühlt er den Unrath der vergangenen Jahrhunderte aus dem Boden auf, nicht um das Erdreich der Gegenwart damit zu düngen und fruchtbarer zu machen, wozu er dienen könnte und sollte, sondern um einen Octavband — Text und Noten — mit eleganter Gelehrsamkeit anzufüllen. — Edikt v o m Ilten Marz 1812. Wir gehen nunmehr zu unserem unmittelbaren Gegenstände über, und haben zuerst das Gesetz von 1812, das in den sogenannten alten Pr/ußischen Provinzen^ d. h. in denjenigen, welche im Jahre 1812 den Bestand der Preußischen Monarchie ausmachten, gilt, in'6 Auge zu fassen. Ueber die Verhältnisse, wie sie vor diesem neuen Gesetze gewesen, verlohnt es sich nicht der Mühe, viele Worte zu verlieren. Es herrschte dieselbe quälende und demoralisirende Willkür, dieselben zwecklosen, verderblichen Ausschließungen und Bedrückungen, wie anderwärts. Versagung des Grundbesitzes und der Betreibung vieler Gewerbe; General-Privilegien, die von den meisten Exemtionen befreiten, nicht für den Würdigeren, sondern, wie immer, für den Reicheren; Wucher- Privilegien für die Uebrigen; häufig versagte und dann wieder nach augenblicklichem Bedürfniß freigegebene Niederlassung an einzelnen Orten; unerhörte Brandschatzungen endlich, denen durch den Ertrag eines ordentlichen Erwerbs außer dem Handel' zu genügen unmöglich war: das waren die Bestandtheile des Zustandes, der bis zu dem angegebenen Zeitpunkte, wenn auch durch gebesserte Sitte gemildert, doch in seinem Grundwesen, in der Versagung des Bürgerrechts, fortdauerte. Da begann für Preußen jene glorreiche Laufbahn, da es, von außen bedrängt und beraubt, die höchste Kraft im Inneren entwickelte, und sich in stillem Wirken durch weise, Bürgersinn und Vaterlandsliebe weckende und nährende, freisinnige Gesetze zu jener bewundernswerthen Kraftäußerung vorbereitete, welcher das Deutsche Vaterland seine Wiedergeburt zum großen Theile verdankte. Die Freiheit, aus dem Lager des übermüthigen Siegers schmählich verbannt, hatte an dem Heerde der Besiegten gastliche Aufnahme gefunden. Von da an wichen die Meinung Europa's und der Genius des Jahrhunderts von der Seist des ersteren, und seine Macht war fortan allein auf Gewalt und auf die Gunst des treulosen Glückes gebaut. Als dieses zu wanken begann, da rief er vergebens die alte Begeisterung der Freiheit wieder zu seiner Hülfe auf; sie war erloschen in der Brust der Seinen; erst auf dem Schlachtfelde fand er sie wieder: aber ihre flammende Schärfe war gegen ihn gekehrt; sie loderte in den Herzen der von ihm Unterdrückten, und er erlag der unüberwindlichen Kraft nach Freiheit ringender Völker. Diesen Erfolg hatte Preußen von dem Augenblicke seiner Demüthigung an vorzubereiten gestrebt dadurch, daß es die Freiheit in seinen Institutionen heimisch machte. Das große Wort, welches die Geschichte aus dem Munde des größten Preußischen Staatsmannes jener Periode vernommen, „es sei Preußens Beruf, die Früchte der französischen Umwälzungen auf friedlichem Wege zu erlangen," kann als das

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