Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 3 (26.4.1833)
- Date
- 1833-04-26
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 gensatze eine Scharfe und Bitterkeit erhalt, die dem milden, versöhnenden Geiste unserer Zeit widerstreiten, und die bei einer gerechteren Behandlung aus der Gesinnung der Bekennkr derjenigen Religion, welche in der Minorität ist, sehr leicht verschwinden. Wir haben, indem wir die den Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen in der Preußischen Monarchie widerfahrene Behandlung beurtheil-en wollen, eine größere, wichtigere, einflußreichere Aufgabe vor, als es irgend eine war, an welcher wir bis jetzt noch unsere Kräfte zu versuchen gewagt haben. Die Anzahl der Menschen, deren Schicksal, deren sittliche und intellektuelle Bildung — und die ihrer Kinder und Enkel mehr noch als die ihrige — großentheils von der Wendung abhängt, welche diese Sache in Preußen nehmen wird, ist sehr beträchtlich; die Zahl der jüdischen Unterthanen der gesammten preußischen Monarchie wird auf ungefähr 150,000 angegeben. Außerdem aber ist das Beispiel Preußens für einen Theil von Deutschland von großem Einflüsse; ja, es ist außer dem Gewicht des erst in neuerer Zeit unter den gewaltigsten Hindernissen und Widerwärtigkeiten langsam aufkeimenden konstitutionellen Lebens der einzige Anhaltpunkt des Fortschritts, die einzige lebendige geistige Autorität, an welche sich die Ideen des Besseren in Deutschland an lehnen könnten, um auf dem beschwerlichen, weil von so vielen Granzen durchschnittenen Boden des Vaterlandes ihre Verbreitung möglich zu machen. Denken wir an die Hoffnungen, die einst so viele Deutsche Vaterlandsfreunde ans Preußen für die ganze Zukunft des Vaterlandes bauten, und die auch jetzt noch in mancher Brust nicht erloschen fein mögen, so darf es uns nicht befremden, wenn so manche Deutsche Schriftsteller, die dem Prinzipe, welches Preußen beherrscht, dem der unbeschränkten Alleinherrschaft, durchaus abhold sind, doch dieses Land und Alles, was es angeht, seine Regierung und was von ihr ausgeht, mit einer Art von ehrfurchtsvoller Schonung behandeln und ihre Mängel gerne verhüllen, , wie Abwege, von denen die Rückkehr immer noch möglich ist: eine Rückkehr, von welcher vielleicht die Zukunft Deutschlands abhängt. Ein Schiffer, der auf unsicherem, bodenlosem Meere treibt, dessen Ufer er nicht kennt, ohne Steuer und Kompaß, krank bis zur Entmuthigung durch das endlose Schwanken seines gebrechlichen Schiffes, — Der frohlockt, wenn er einen mächtigen Felsen in das Meer hineinragen fleht, und rudert darauf hin, ohne erst zu untersuchen, ob ihm der Fels auch einen sicheren Landungsplatz bietet, ob sein dürrer Boden ihm auch Nahrung bereitet, ob das Land/zu dem er führt, ihm eine gastliche Aufnahme, oder ob es ihm Schmach und Knechtschaft bereitet. Wie ein solcher Felsen ist Preußen manchen Deutschen erschienen, an welchen mau sich> er sei wie er sei, anklammern müsse, um einen Haltpunkt für die Kraft und Einheit des Vaterlandes zu gewinnen. — Zn unserer Sache nun hat, wie in vielem anderen Guten, Preußen sich einst mit edlem Beispiele an die Spitze Deutschlands gestellt und ihm vorangeleuchtet; seitdem hat es leider Rückschritte gemacht, und ist nun hinter Manchem, was einige kleinere Deutsche Staaten geleistet, zurückgeblieben. Kein glücklicherer Stern könnte aber den Grundsätzen der Gewissensfreiheit in Deutschland leuchten, als wenn Preußen in die verlassene Bahn wieder einlenkte, und durch einen einzigen kräftigen Schritt zum Ziele das vor 20 Zähren glorreich begonnene vollendete! - Ehe ich zur Sache selbst übergehe, will ich meine Leser auf zwei Bücher aufmerksam machen, aus'welchen ich die Materialien zu dieser Arbeit größentheils geschöpft, und durch welche sie sich die Kenntniß der meisten Eiuzelnheiten, welche sie zu wissen verlangen dürften, verschaffen können. Das eine ist: Sammlung der die religiöse ünd bürgerliche Verfassung der Juden in den Kötrigl. Preuß. Staaten betreffenden Gesetze, Verordnungen, Gutachten, Berichte und Erkenntnisse. Mit einem Anhänge, welcher Gesetze fremderStaaten enthält. Herausgegeben von Z. Heinemann, Dr. der Philosophie. Zweite verbesserte und sehr vermehrte Auflage. G log au, Verlag von C. Hey mann. 1831. 522 S. 8. Diese Sammlung, nichts als einen wörtlichen Albdruck der bezeichnten Aktenstücke enthaltend, ist sehr vollständig und in vielen Rücksichten brauchbar, da sie alles auf unseren Gegenstand Bezügliche zusammengestellt hat, was sonst aus anderen weitläufigen 3*