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Der Jude · 1833-04-26 · Heft 3 (26.4.1833) · p. Seite 18

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 3 (26.4.1833)
Date
1833-04-26
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 solches Gesetz als ein Fortschritt zu betrachten sein würde, noch immer die Rede ist. Wir haben Grund genug, bei der Lösung der allgemeinen Aufgabe, die uns vorliegt, einen Geist und Ton in unserer Kritik vorwalten zu lassen, sehr verschieden von demjenigen, welcher für die Beurtheilung jenes berüchtigten Entwurfs der einzig angemessene ist. Denn wenn wir uns die schmerzliche Wahrnehmung nicht verbergen können, daß das Verfahren, welches die Preußische Regierung seit ungefähr 15 Jahren gegen ihre jüdischen Unterthanen geübt, den Grundsätzen der Gewissensfreiheit zuwider läuft, so dürfen wir ihr nichts desto weniger den Dank dafür nicht vorenthalten, daß sie bereits vor 21 Jahren ein Gesetz erlassen, welches, wenn es in dem Geiste, in welchem es gegeben, ausgeführt worden wäre, nur wenig zu wünschen übrig gelassen haben würde: ein Gesetz, welches in der Zeit, in der es erschien, bas freisinnigste war, welches unter einer Deutschen Regierung noch gegolten; welches endlich in unverkennbaren Zügen den Stempel des Wohlwollens des Herrschers und Gesetzgebers gegen alle, auch seine dissentirendett Unterthanen, den aufrichtigen Wunsch, das Gedeihen ihrer Bildung und ihres bürgerlichen Wohlseins zu befördern, an der Stirne tragt. Es ist hier mithin nicht der gesetzliche Zustand selber, sondern es ist der Geist, der in der Handhabung und Ausführung des . Gesetzes waltet, der zum Tadel und zu innigem Bedauern Veranlassung giebt. Es ist hier nicht, wie in den meisten übrigen Fällen, das starre, unveränderte, leblose Herkommen, das sich uns mit seinem zähen Widerstande, mit seiner schroffen Unzugänglichkeit, gegenüberstellt; es ist eine lebendige Ansicht, die unseren Gründen Rede stehen muß und sich nicht verkriechen darf hinter die Autorität uralter Ueberlieferungen, — die wir zu bekämpfen haben; es ist ein Gegner „Den ich kann sehen und rn's Auge fassen, „Der selbst voll Much, auch mir den Much entstammt," es ist der wandelbare Wille eines mächtigen Sterblichen, dessen gemilderte Gesinnung in einem Augenblicke Tausenden wie ein Engel des Trostes und der Befreiung erscheinen könnte. Die Gesinnung selber aber, die uns feindlich ist, und auf die wir unstren Angriff zu richten haben, ist von der Art, daß, so sehr wir sie beklagen müssen, so sehr wir von ihrer Schädlichkeit und von der Zweckwidrigkeit der Mittel, die sie zur Erreichung ihres eigenen Zieles in's Werk seht, überzeugt sind, doch etwas, was eine schonende, achtungsvolle Behandlung in Anspruch nimmt, darin nicht verkannt werden kann. Preußen möchte wohl der einzige Deutsche Staat sein, in welchem dem System der Ausschließung, welches in einigen Beziehungen, wie gesagt, die Willkür der Regierung mehr als das Gesetz den Juden gegenüber feschält, ein Gedanke der Religiosität, ein unverhülltes Streben nach Verbreitung des positiven Christenthums zum Grunde liegt. So wenig sich eine solche Tendenz eignet, die Grundlage gesetzlicher Bestimmungen und zwingender Regierungs-Verfügungen zu bilden, so ist sie doch an sich um Vieles edler, als die meisten anderwärts bei den Beschränkungen der Juden vorherrschenden Motive; es ist in ihr doch zum mindesten etwas moralisches, mit welchem eine Verständigung auf seinem eigenen Gebiete möglich und zu hoffen ist; es offenbart sich in ihr eine Gesinnung, auf die man durch die Hervorrufung einer gewissenhaften Ueberzeugung zu wirken hoffe!» darf. Während es hie und da Gewalten giebt, bei welchen man, wenn man die unsittliche, irreligiöse Natur der an der Religion haftenden Beschränkungen nachgewiesen hat, in der Sache nicht um einen Schritt weiter gekommen ist, die uns das Alles kaum bestreiten und doch Alles ruhig bei'm Alten lassen: so dürfen wir in dem vorliegenden Falle wohl darauf rechnen, unsere Hoffnungen erfüllt zu sehen, sobald die Preußische Negierung zu der Ueberzeugung gelangt, deren Richtigkeit uns bis znr vollsten Evidenz erwiesen werden zu können scheint, daß der Weg, den sie verfolgt, von dem Ziele abführt, das sie im Auge hat; daß sie die Religion durch die Mittel, durch welche sie sie zu heben und ihr Verehrer zu erwerben gedenkt, so viel an ihr liegt, herabwürdigt und verächtlich macht; daß sie, indem sie die niedrigsten Leidenschaften, Habsucht und Eitelkeit, zu Bundesgenpssen ihrer Religion zu machen scheint, unbewußt Alles, was frei und wahr und edel in der Natur des Menschen ist, gegen ste aufregt, und durch Verletzung der höchsten Mt«h§rr Prinzipien dem religiösen Ge-

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