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Der Jude · 1833-04-19 · Heft 2 (19.4.1833) · p. Seite 15

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 2 (19.4.1833)
Date
1833-04-19
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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15 verantwortlicher Minister ist, da er seinen Lesern gegenüber besondere Verpflichtungen übernommen hat, muß mehr auf seiner Hut sein, und darf sich billig für die Aufnahme einer jeden Arbeit in das von ihm kontrasignirte Blatt eine freie Entschließung Vorbehalten. Wir haben schließlich über den Gegenstand, der unsere Blatter hauptsächlich füllen wird, über die Emancipationsfrage, nur Weniges zur Einleitung zu sagen. Wir werden fortfahren, wie es bisher von uns geschehen, jeden Schritt, der in dieser Angelegenheit gethan wird, sorgfältig zu beachten und zu beleuchten. Scheinen uns die Schwierigkeiten hartnäckig und schwer zu u&enmnbeti, wird mancher schönen Hoffnung eine langsamere Erfüllung, als wir sie in gerechtem Vertrauen uns geträumt haben, so darf unser Eifer nicht erschlaffen, sondern er muß sich verdoppeln. Es giebt nichts entseAicheres, als die wahre tiefe Verzweiflung an der gemeinen Sache in einem liebenden Gemüthe; es giebt nichts verächtlicheres, als jene behagliche Entmuthigung, jene prunkende Hoffnungslosigkeit, die sich wohl gar mit der wohlfeilen Weisheit ihres Vorhersehens brüstet! Wir wollen lieber mit den Hoffenden irren und untergehen, als mit jenen Zweiflern weise sein. Es ist eine traurige, unfruchtbare Weisheit, die nichts anderes weiß, als die schwache Seite einer jeden gemeinnützigen Wirksamkeit aufzufinden, ohne eine nützlichere an deren Stelle setzen zu können, und die nur dazu führt, die Hände in den Schooß zu legen. ~ Freilich haben Diejenigen leider Recht, die uns den Vorwurf machen, daß unsere Kraft zu geringe, daß unsere Stimme zu schwach sei, um etwas Bedeutendes durchzusehen. Aber ist das unsere Schuld? Oder haben wir darum Unrecht, wenn wir diese unsere geringe Kraft der guten Sache weihen? Vermag unsere Kraft nicht, es dem gewaltigen Meere gleich zu thun, das die Damme, die es hemmen sollen, durchbricht, so suche sie den Wassertropfen zu gleichen, deren anhaltender Fall am Ende den Stein aushöhlt. Hat unsere Stimme nicht die Kraft des Sturmes, die tief gewurzelten Eichen verjährter Vorurtheile zu entwurzeln, hat sie nicht den Schall des Donners, um in die Ohren der Mächtigen zu tönen und sie zu schrecken, nun, so möge sie in ihrer Schwache von der ewigen Macht der Wahrheit, wie das Lallen des Kindes von der Herrlichkeit Gottes, Zeugniß geben! Die heiligen Schriften der Israeliten, nach dem masorethischen Texte neu übersetzt von Z. Zohlson. Frankfurt am Main, in der Andreäischen Buchhandlung. Nie heilige Schrift hat von jeher die doppelte Wohlthat zur Folge gehabt, da, wo Aberglaube eingerissen war, die Vernunft in den Geistern und da, wo Unglaube sich der Menschen zu bemächtigen begann, die Religion in den Gemüthern wieder anzuregen. Sie bewahrt diese hohe Bestimmung von ihrer ersten Offenbarung an, wo sie den Götzendienst durch die große Wahrheit von dem Daseyn eines einzigen Gottes, den Kastengeist durch die von ihr ausgesprochene Gleichheit aller Stände verdrängte, durch die Nacht der Zeiten hindurch, wo sie nicht nur den Sturz des kleinen Iudaervolkes, sondern den des schön gebildeten Griechenland, des weltbeherrschenden Rom, ja den der ganzen alten Welt selbst überdauerte und die Barbaren des Nordens zu einiger Menschlichkeit und Civilisarion zu bringen wußte, bis auf die neue Zeit, wo sie in einem, durch die Entdeckung Amerikas so ausgebreiteten, durch die Erfindung der Buchdruckerei zu hoher Civilisarion erhobenen Geschkechte fich als das Buch der Bücher bewährte. Daher muß auch jede bedeutende Uebersehung derselben von hohem Werthe, je nach den Zeiten aber von verschiedenem Charakter seyn. Ein anderes bezweckte z. B. für das christliche Publikum Ulphilas, als er seine Gothen durch die Bibel erwärmen, ein anderes Luther, als er seine Zeitgenossen durch dieselbe aufklären wollte. So muß, in Beziehung auf Israeliten, die Septuaginta z. B. norhwendig einen ganz anderen Charakter tragen, als die Mendelsohnsche Uebersehung der 5 Bücher Mosts. Diese letztere nämlich hatte zum hauptsächlichen Zwecke, die Israeliten an dem heiligen Buche Deutsch zu lehren, sie durch die ihren heiligen Schriften inwohnende eigenrhümliche Kraft W Geistesdrucke und der Rohheit zu entreißen, in welche die Barbarei früherer Zeiten sie durch schmähliche Behandlung hineingezwängt hatte. Wie die heilige Schrift selbst aus dem Morgenlande in'6 Abendland gedrungen ist; so sollte, seine Uebersetzung der Isthmus seyn, welcher seine Glaubensgenossen in geistrger Hinsicht aus dem Morgenlande in's Abendland führte, sie mit der Sprache und der Bildung der neueren Zeit in Verbindung brachte, und der geistigen Jsolirung entzöge. So ist, in Bezie-

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