Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 2 (19.4.1833)
- Date
- 1833-04-19
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 Interessen unserer Religion ausschließlich gewidmete Zeitschrift/ von einem der Sache in allen ihren Beziehungen durchaus gewachsenen Manne redigirt, die sich einer recht regen allgemeinen Theilnahme zu erfreuen habe, entstehen möge. Ich bin überzeugt, daß es gelingen könnte, eine solche Therlnahme rege zu machen, und daß auch jetzt schon ein solches Unternehmen neben dem unsrigen recht gut würde bestehen können. Einer zwiefachen im vorigen Jahre ergangenen Anzeige — die eine, von Gießen ausgehend, kündigte ihren Plan in ganz allgemeiner Tendenz und ohne bestimmte Farbe, die andere, von Mainz aus, kündigte ihn als vorzugsweise gegen den Talmud gerichtet an — ist bis jetzt keine Folge gegeben worden. Um diese von Manchen gefühlte Lücke auszufüllen, wird der Herausgeber solche ihm mitgetheilte Arbeiten der Art, die ihm als die passendsten erscheinen, von Zeit zu Zeit aufnehmen, und er wiederholt hiemit die Bitte um solche Mittheilungen. Von manchen Seiten ist ihm der Wunsch ausgesprochen worden, daß er die Gegenstände, deren Behandlung er am zweckmäßigsten und angemessensten glaubt, bestimmter angeben möge. Da er sich indessen hier auf einem Felde befinden würde, auf welchem er weniger heimisch ist, als Diejenigen, deren Hülfe er in Anspruch nimmt, so halt er es für angemessener, die Entscheidung der Frage, welche Gegenstände im Interesse der Religion und innerer Verbesserungen den nützlichsten Stoff der Besprechung darbieten, den Arbeitenden selbst zu überlassen. Am wünschenswerthesten scheint es ihm, daß seine Leser mit den literarischen Erscheinungen, die unseren Gegenstand von irgend einer Seite berühren, bekannt gemacht werben. — Daß bei der Erörterung innerer Fragen die Einigkeit der Meinungen nicht dieselbe wie bei der Emaneipationsfrage sein kann, daß sich hier manche Verschiedenheit der Ansichten offenbaren oder in hellerem Lichte zeigen wird, liegt in der Natur der Sache und scheint dem Verfasser eher ein nützlicher als ein schädlicher Erfolg zu sein. Es ist besser, daß verschiedene Meinungen sich einander in offenem Kampfe gegenüber stellen, als wenn sie einander, wie es umer uns manchmal der Fall ist, gegenseitig ignoriren und jede allein da zu sein sich den Schein giebt. E§ ist besser, daß von verschiedenen Richtungen eine jede offen vertreten werde und sich mit der anderen zu verständigen suche, als wenn in der Literatur die eine ausschließend zu herrschen scheint, während die ihr entgegengesetzte doch in den Genmthern fortlebt. Wir maßen uns nicht an, die Fragen, die wir behandeln, durch unsere Entscheidung abzuthun; im Gegentheil beabsichtigen wir meist erst ihre Erörterung zu beginnen. Es kann daher der Fall leicht eintreten — und, wenn wir nicht irren, so ist er in Beziehung auf einige nicht unwichtige Fragen bereits eingetreten, — daß die in diesen Blättern zuerst ausgesprochene Ansicht derjenigen der Mehrzahl unserer gebildeteren Glaubensgenossen nicht entsprochen hat; in einem solchen und eben so in dem umgekehrten Falle sind wir gerne bereit, auch der entgegengesetzten Ansicht unsere Kolunmen zu öffnen. Nur wo es Recht, Freiheit und Ehre gilt, da darf keine Verschiedenheit der Meinung und der Bestrebung Statt finden; im Uebrigen ist sie mehrbelebend als zerstörend, mehr fördernd als hemmend, und wir wollen uns hüten, ihr je die Duldung zu versagen, die wir Alle so dringend für die unsrigen in Anspruch nehmen. Ohnehin ist die Macht des Schriftstellers heutzutage nicht mehr so groß und so selbstständig, daß feine Jrrthümer sonderlich zu furchten waren. Er kann nicht mehr der Genius sein, der seinem Jahrhundert voraneilt And seine Zeitgenossen mir sich forcreißt in die Bahn der Wahrheit oder der Täuschung; er ist nur einer der Vielen, denen in höherem aber geringeren Maße die Gabe verliehen worden, die allgemeinen Empfindungen, Gesinnungen und Bestrebungen ihrer Zeit in Worte zu kleiden und so zu deutlkcherm Bewußtsein zu bringen. Er ist nicht mehr der absolute Monarch, der aus eigener Machtvollkommenheit seinen Willen vollzieht; er ist höchstens, der konstitutionelle Fürst, der erste Repräsentant der öffentlichen Meinung, der Vollstrecker des allgemeinen Wrllens, der seine Macht nur in der Uebereinstimmung mit der Mehrheit findet, und, von ihr verlassen, kraftlos ist. Nun, so gönne man auch seiner Ohnmacht die Privilegien der Unverletzlichkeit und Unverantwortlichkeit, da er ja doch nichts Böses zu thun im Stande ist.' Der Herausgeber einer Zeitschrift freilich, der in manchen Fallen gleichsam des unverantwortlichen Schriftstellers