Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 2 (19.4.1833)
- Date
- 1833-04-19
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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huttg auf dis Culturgeschjchte der Israeliten an der Ueberfetzung dieses unsterblichen Mannes ein Verdienst, was an und für sich als ein Fehler betrachtet werden müßte. Ich meine nämlich, daß er den Ausdruck der heiligen Urkunden nicht seiten modernisirt, und sie so ihres eigenthümlichen Schmuckes zuweilen beraubt, und ihnen einen fremden aufdringt, der einen ganz anderen Charakter tragt. So z. B. wird in den heiligen Schriften Wiederholung derselben Worte und Satze, wie im Spornet und allen uralten Schriften, nicht nur nicht gemieden, sondern fast geliebt, weil das oft Wiederkehrende gleichsam ein beständiges Refrain bildet, welches der Sache höhere Bedeutung und Würde, und dem Gedächtnisse Erleichterung giebt. Unsere moderne Ungeduld hingegen, die immer Neues will, immer andere Bilder für die Seele, andere Gedanken für den Geist, andere Töne für das Ohr verlangt, duldet kaum, daß die Plebejer des Satzes: Bindewort, Fürwort u. dgl., weil unbemerkt und unberücksichtigt, auch etwas häufiger an ihr vorüberziehen; während die hohen Parrieier: Haupt-, Zerr- und Eigenschaftswort, wie der Geschmack der Zeit selbst, beständig wechseln, und sich imnier in anderen Formen darstellen sollen. Menoelsohn har nun, seinem angeführten Zwecke nach, diese Eigenheit der neueren Zeit mit vollem Rechte berücksichtigt, und in dieser wie in mancher andern Hinsicht, den Urtext germanistrt, um seine Leser zu germanisiren. *) Aus eben diesem Grunde hat er oft die ursprüngliche Naivetät von der einen, die nach abendländischen Begriffen oft an Uebertreibung gränzende Stärke der orientalischen Bilder von der anderen Seite gemildert oder aufgehoben, und so den Ausdruck deutscher, aber auch oft unbiblischer gemacht. Gleich iw Anfänge sagt Moses (Genesis 2, 24): Darum verlaßt der Mann Vater und Mutter und hängt am Weibe, und sie werden ein Fleisch (zu einem Fleische). Mendelsohn, dem dieses Bild aus dem angeführtes Grunde zu kühn erscheint, übersetzt: und sie werdsm,wie. ein Fleisch:**) Die zahlreichen Paronomasieess der heiligen Urkunde mußten in dieser Ansicht mehr vermieden als nachgeahmr werde»,. Das Tohu VoKu, welches Johlsohn: wirr und wüst, übersetzt, heißt bei Mendelsohn: unförmlich und vernrischt. Genesis 49,M, wo der Gleichklang des Urcexres ungefähr fo uachgeahmt werden könnte. Gab —- den brängt Gedränge Doch er drängt es zurück, *) Siehe die Belege in Johlsons Vorrede S. VIII. Un- ' zählige Stellen wären hinzuzufügen. So steht Nu- Eus 8. 19 fünf Mal GE M, wo Mendelsohn ein juste milieu ergreift.;' *•) Siehe auch Genesis 3, 4, Genesis 3, 6 und an vielen andern Stellen. übersetzt Mendelsohn: dem Gab wird manche Schaar in's Land streifen; er aber wird zurück iu ihre Länder fallen, wo die hervorgehobenen Worte-^im Texte gar nicht stehnG) Zu den Deutungen und Erklärungen der Rabbi neu, welche diese theils in die heilige Schrift zu übertragen, theils aus dieser heraus zu exegesiren suchen, setzt ihn dieser, allerdings für seine Zeit gut gewählte Standpunkt, in ein ganz eigenes Verhältniß. Während nämlich eine treue Übersetzung der heiligen Schrift in unserer Zeit den Urtext so wredergeben muß, baß der Leser sich erklären könne, wie und vermittelst welcher Zdeenverbindnng dieser oder jener oft fern liegende Sinn gerade an diese Stelle geknüpft werden konnte, ohne daß der Uebersetzer diese Erklärung zu agnosciren hätte, mußte die Mendelsohnsche Ueberfetzung oft Letzteres thun, ohne, ihres germanisirenden Charakters wegen,-jenes möglich machen zu können.**) Man sieht also, wie diese vortreffliche Ueberfetzung doch jetzt, in einer anderen Zeit, bei einem anderen Geschlechts, unter anderen Bildungsverhaltnissen, das nicht leisten kann, was gerade jetzt Noch thut. Den Geist der Zeit haben die Israeliten in sich ausgenommen; sie bedürfen jetzt einer Bibelübersetzung, welche sie den Geist ihrer Urzeit kennen lehre; nicht um in das Abendland geistig überzugehen (dies ist langst geschehen), um in das M o r g e ul and g e m ü t h l i ch zurückzublicken, soll sie ihnen dienen, sie sollen daraus weniger den deutschen, als den hebräischen Styl kennen lernen, sie soll der Bibel seyn, was Voß bem Homer; sie soll mehr noch: sie soll, so weit es bei der Verschiedenheit der Sprachen nur immer möglich, durch Wort und Wortstellung, dem Raum geben, was am Urtexte gedeutet und gedeutelt, exegisirr und allegorisirt, heraus und hinein erklärt worden, mit einem Worte ein treues Bild des Originals seyn. Wir können mit gutem Grunde behaupten, daß die Johlsohnsche Ueberfetzung in den Meisten dieser Beziehungen sehr viel leiste, daß sie den, welcher das Original kennt, durch die Treue, mit welcher sie dasselbe übertragt, so wie durch den ausgezeichneten Fleiß und die gründliche Forschung, welche sie beweist, ansprechen, dem, welcher das biblische Alterthum erst kennen zu lernen wünscht, ein treues Bild desselben geben, und so Beiden volle Befriedigung gewahren werde. Frankfurt am Main, 1833. Dr. Weil. *) Johlsohn hat zwar nicht die Paronomasie, aber doch die Worte genau wiedergegehen: Gad — dichte Haufen drängen ihn, Er aber dränget rückwärts sie. **) Vergl. Genesis 22, A, Numer. 11, 21, Deuteron. 18, 19; 21, 9, 25, 5; Levitic. 20, 20 tu v. anderen Stellen die Mßndelsohnsche und die Johlsohnsche Uebersetzung. Gedruckt bet Hammerich und Lesser in Altona.