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Der Jude · 1833-04-19 · Heft 2 (19.4.1833) · p. Seite 12

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 2 (19.4.1833)
Date
1833-04-19
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 Judenthum war lange Zeit ein solcher abgeschlossener Raum, streng abgeschieden durch die doppelte undurchdringliche Mauer eines zwiefachen Fanatismus, durch den äußeren Riegel eines übermächtigen Hasses und durch den inneren einer ohnmächtigen Scheu. Der Geist und die Bildung des Jahrhunderts, der ewig fließende Lebensstrom alles menschlichen Denkens und Fühlens — das ist die athmosphärische Luft des Geistes, die ihn erfrischt und neu belebt; die Thore mußten weit geöffnet werden, damit sie in reichlicher Fülle einströmen könne; die erweiterte Brust athmet sie in vollen riefen Zügen ein, und fühlt sich befreit und erleichtert. Die Thore sollen geöffnet bleiben; aber das Haus, in welchem die Religion wohnt, soll nicht niedergerissen, sie soll nicht allen Stürmen und allem Wechsel der Witterung ohne Obdach ausgeseht werden. Oder, um mich ohne Bilder auszudrücken : es ist, damit das religiöse Leben in allen seinen Theilen humanisirt, damit es von einer wahrhaft humanen Bildung ganz durchdrungen werde, nicht nothwendig, daß es überhaupt aufhöre, ein eigenthümliches, erkennbares zu sein und am wenigsten, daß es sich in ein anderes ebenfalls auf seine Weise eigenthümliches und besonderes aufiöse. Diese letztere auflösende Tendenz hat unter anderen die nachtheilige Folge, daß sie zwischen den Gebildeteren, die ihr allein zu huldigen im Stande sind, und den weniger Gebildeten eine unausfüllbare Kluft erzeugt, die bte Ersteren alles Einflusses auf die letzteren, aller wohtthätigen Wirksamkeit für ihr Fortschreiten und ihre Heranbildung beraubt. Sehr in die Augen fallend ist dieser Umstand in dem wichtigeren Falle der nationalen Bildung. Man vergegenwärtige sich die Richtung, die bis vor ungefähr 60 Jahren in unserem Deutschen Vaterlande geherrscht hat, und als deren größter und letzter Repräsentant Friedrich der Zweite betrachtet werden muß, die Richtung, die die Gebildeten die Quellen ihrer Bildung in fremder Sprache und Literatur aufsuchen, die Früchte ihres Geistes selbst auf fremden Boden verpflanzen, die höchste Feinheit m dem Gebrauch fremder Sprache, in der Annahme fremder Sitte finden ließ. Wie mußte da die Pflege der Muttersprache und mit ihr die gesammte nationale Bildung Zurückbleiben, da sich Diejenigen, in denen sie sich ganz hauptsächlich hätte darstellen sollen, von ihr losgerissen hatten. Was nun in diesem Falle so einleuchtend ist, daß es auch dem blödesten Auge sichtbar wird, das findet in dem unsrigen in viel geringerem Grade, in viel schwächeren nur dem scharfen anhaltenden Beobachter deutlichen Umrissen Statt. Was dorr in Tausend Beziehungen wahr ist, ist es hier nur in einigen wenigen: denn während die Eigenthümlichkeir nationaler Bildung fast alle Gebiete des menschlichen Wissens, Wirkens und Schaffens beherrscht, so geht die Etgenthümlichkeit der besonderen religiösen Bildung nur einen Theil der Gemurhs- und der Phantasie- Bildung an; aber auch dieser Theil erheischt seine Pflege und wir würden es keinesweges als etwas Gleichgültiges betrachten, wenn zu besorgen wäre, daß er ihrer je entbehren müßte. Lassen wir es daher unsere Sorge sein, daß jene Pflege einerseits der fortschreitenden Bildung des Jahrhunderts stets entsprechen und sich auf ihrer Höhe befinden möge, damit sie auch dem Gebildetsten genügen könne, daß sie andrerseits den weniger Gebildeten jenem näher bringe, und beide durch eine gemeinsame Anhänglichkeit an ihre Religion in einer für beide fruchtbaren, möglichst engen Verbindung erhalte! Freuen wir uns, wenn Einer unrer unseren Glaubensgenossen, nachdem er sich ausgerüstet mit allen Schätzen der Wissenschaft, seine Kräfte der Erforschung und Erläuterung unseres religiösen Alterthums, dem Studium unserer Religionsgeschichte mit Liebe und Anstrengung widmet, und lassen wir ihn durch Beifall und Anerkennung eine Aufmunterung finden, die es ihn nicht bedauern lasse, daß er seine Kräfte nicht einem Gegenstände, der die Theilnahme eines größeren Kreises in Anspruch nimmt, gewidmet habe! Freuen wir uns, wenn ein Dichter aus unserer Mitte, ausgestatter von der liebenden Natur mit der Gabe des Gesanges, gebildet durch die Musterung der aufgehäuften Schätze aller Zeiten, genährt durch die Kraft der herrlichen Muttersprache, sein Deutsches Lied seiner Jüdischen Gemeinde, ihrer Geschichte, ihren Leiden und ihren Hoffnungen weiht! Versagen wir solchen leider noch seltenen Erscheinungen die innigste Theilnahme nicht, und nehmen wir nicht den Schein an, als ob sie uns nichts angingen! Das ist es allein, wodurch eine Religion von dem schwachen

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