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Der Jude · 1833-04-19 · Heft 2 (19.4.1833) · p. Seite 10

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 2 (19.4.1833)
Date
1833-04-19
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 die Bildung, die sie beförderten, würde Rückschritte machen; Alles, was das Wesen und den Werth einer Religions-Gesellschaft ausmacht, würde eines langsamen Todes Hinsterben; die bürgerliche Gleichstellung selbst würde den Leichnam kaum vor der Verwesung schützen, und die Trompete der Freiheit umsonst dem nicht mehr zu erweckenden ertönen! Vergessen wir es nicht, daß beinahe Alles, was bisher in Wahrheit und Wirklichkeit für die Verbesserung der inneren Verhältnisse unserer Glaubensgenossen geschehen, aus unserer eigenen Mitte, aus den edlen Bestrebungen solcher Männer, die für die Würde ihres Glaubens, für das Heil ihrer Glaubensbrüder warm fühlten und kräftig zu wirken wußten, hervorgegangen. Fraget da nach, wo blühende Anstalten für unentgeltlichen Unterricht und Berufsbildung bestehen, fraget, wer sie gegründet und ausgestattet? Fraget in Frankfurt und Ham b u r g, in Münster und Dessau, m Seesen und Wolfenbüttel! Der Eine Israel Jacobson har für die Förderung der Bildung seiner Glaubensgenossen mehr gethan, als alle Deutsche Regierungen zusammengenommen, und es wäre sehr zu wünschen, daß Andere in seine Fußstapfen treten mögen, damit auch ihr Name ein Name des Segens unter ihren Glaubensbrüdern werde.' Manche Täuschung, manche Verführung stellt sich aber in unseren Tagen jenem gemeinnützigen Streben drohend entgegen, die wir zu beseitigen nach Kräften uns bemühen müssen. Den Rücksichten der Eitelkeit, des Eigennutzes gegenüber, die eine jede Kraft von der höchsten bis zur geringsten in eine glänzendere Laufbahn locken, haben wir keine Worte; diesen Kampf hat ein jeder mit seiner eigenen Neigung vor dem Richterstuhle seines Gewissens auszufechten. Aber vielleicht können wir manchen wohlgemeinten, auf lobenswerther Grundlage beruhenden Irrungen Vorbeugen, die uns hier in den Weg treten. Die erste ist diejenige, welche, auf einer mißverstandenen Humanität beruhend, die Wirksamkeit für allgemeinere Zwecke jedem besonderen Streben entgegensetzt, und ihr den Vorzug giebr. Wir sagen, auf einer mißverstandenen Humanität beruhend: denn der wahrhaften Humanität ist nichts fremder, als ein solcher Gegensatz. Sie ist der aus allen den schönsten Blumen menschlicher Gefühle und Bestrebungen gewundene Kranz der Vollendung; weit entfernt, irgend ein liebendes Gefühl, irgend ein reines Streben von sich auszuschließen, empfindet sie durch jedes mangelnde eine schmerzliche Lücke, und weint über den geraubten Schmuck; sie hat keine Gegensätze als den Haß, die Selbstsucht und die Gemeinheit- Sie gleicht nicht dem gestaltlosen Chaos, in welchem sich die Keime oder die Trümmer der Gestaltungen unkenntlich und verworren durcheinander wühlen; sie gleicht der herrlichen Schöpfung Gottes, in welcher jedes Einzelne nach seiner Weise lebt und sich entwickelt und seinen Platz ausfüllt. Sie gleicht nicht dem dumpfen weißlichen Grau, in welches die wild durcheinander gemischten Farben zerfließen; sie gleicht dem Regenbogen, den der Himmel als ein Zeichen des Friedens über die Erde ausspannt, in welchem sich alle Farben der irdischen Dinge, alle Wonnen des menschlichen Auges wiederfinden und in wunderbarer Harmonie verklären. Familienliebe, Liebe zum Vaterlande und zur Religions-Gemeinde: das sind neben der Liebe, welche die ganze Menschheit umfaßt, die kostbarsten Perlen in der Krone der Humanität, und wer eine von ihnen veruntreut, der verletzt die Menschlichkeit selber. Sie stören und hemmen einander nicht: denn sie wirken mit gleicher Kraft und Innigkeit in verschiedenen Gebieten nach demselben Ziele, und die größere Schwache, das größere Bedürfnis ihres Gegenstandes ist es allein, welches der einen Liebe in einem wahrhaft humanen Gemüthe das Uebergewicht vor der anderen giebr. Wir dürfen mit Bestimmtheit behaupten, daß derjenige Jude, der in diesem Augenblicke nicht'warm und tief für die Befreiung seiner Glaubensgenossen aus den Banden schmählicher Unterdrückung fühlt, dem Vaterlande in der Stunde der Gefahr ein schlechter Bürger sein würde, wie er der Religions-Gemeinde ein unnützes Mitglied ist, während dieselbe Kraft, die wir in diesem Kampfe treu und murhig ausharren sehen, wenn sie sich dieser Bande entledigt, nicht minder treu und muthig dem Vaterlande dienen wird: denn es giebt nur eine Selbstsucht, und ihr gegenüber nur eine Liebe, die sich in verschiedenen Richtungen offenbart. Lassen wir uns in dieser Betrachtung nicht dadurch irre machen, daß sich dem humanen

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