Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 2 (19.4.1833)
- Date
- 1833-04-19
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude. Periodische Blatter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilunge» herausgegeben von Dr. G. Riesser. -3r "Lk £ Zweiter *i M» Äand. Freitag, den 19. April 1833. Mit Norrigl. Dänischem MLerhöchstem Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Altona. Einiges zur Verständigung über den Geist, die Tendenz und den Namen dieses Blattes. (Beschluß.) 26ir haben unsere gottesdienstlichen Anstalten zu erhalten, und fortwährend zu verbessern; wir haben unsere Armen zu verpflegen; wir haben endlich für die Bildung unserer Heranwachsenden Generation, besonders der Kinder der Armen, Sorge zu tragen. Durch das Alles bilden wir nicht, nach einer oft mißbrauchten Redensart, einen Staat im Staate; wir bilden nichts, als eine Religions-Gemeinde, die aus Rücksichten der Menschlichkeit und der Religion für die Befriedigung derjenigen dringenden Bedürfnisse der Ihrigen sorgt, für welche der Staat, so wie er einmal beschaffen ist, nicht sorgen kann oder nicht sorgen will. Äber um jenen Obliegenheiten zu genügen, dazu sind Kräfte und Mittel, Intelligenz und Anstrengung erforderlich, und, wenn wir je das Unglück haben sollten, daß uns diese ausgingen, so würden wir uns in der traurigsten Lage befinden. Leider ist in dieser Beziehung in manchen Gemeinden ein Abnahmen und Erschlaffen sichtbar, welchem um jeden Preis eine Schranke gesetzt werden muß. Die Lasten, die wir freiwillig tragen müssen, um für Die Befriedigung jener Bedürfnisse mit der Freigebigkeit, welche der Religion geziemt, zu sorgen, sind sehr öe- 2r Bd. rrachtlich; die Anstrengungen, die die ordentliche, gewissenhafte und zweckmäßige Verwaltung jener Anstalten fordert, sind es ebenfalls, ohne daß sie auf Lohn, auf Gkanz und Ehre Anspruch zu machen Härten. Wehe uns, wenn es dahin käme, daß anstatt der Summen, die im Gefühle menschlicher und religiöser Pflichterfüllung bis jetzt noch den wohlrhätigen Anstalten ziemlich reichlich gespendet werden, mit jedem zu diesem Zwecke herzugebenden Heller ängstlich gekargt würde, weil die Liebe zu dem Gegenstände ihrer Verwendung erloschen wäre! Wehe uns, wenn die Unlust, die cm manchen Orten und bei manchen Menschen bereits nur zu sichtbar wird, die Unlust, an der Verwaltung der gemeinsamen Angelegenheiten Theil zu nehmen, ihrer Pflege einige Stunden zu widmen, einige unvermeidliche Verdrießlichkeiten bei diesen Geschäften geduldig zu ertragen, weiter um sich griffe! Wehe uns, wenn es, wie es bei Einigen schon den Anschein gewinnt, bei Vielen Sache der Eitelkeit, des Dünkels würde, mit den Angelegenheiten ihrer Glaubensgenossen nichts zu thun zu haben, und sich so sehr, wie irgend möglich, davon zurückziehen! Wehe uns, wenn diese vornehme Gleichgültigkeit die Mehrzahl der Männer von geachteter Intelligenz und selbstständiger Stellung, die wir in unserer Mitte zählen, ergriffe! Unsere Anstalten würden unter diesen Umstanden verfallen; *>