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Der Jude · 1833-02-05 · Heft 26 (5.2.1833) · p. Seite 204

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 26 (5.2.1833)
Date
1833-02-05
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 Betracht gezogen zu werden verdient, vielmehr das ist die Hauptsache, was sowohl Sie als Ihre Gegner übersehen haben, daß man nämlich mit sich selbst im handgreiflichsten Widerspruche befangen ist; indem man praktisch dem Grundsätze huldigt: „Wir wollen zwar gerecht gegen die Juden sein, aber nicht eher, bis es keine Juden mehr giebt." Denn wenn die Juden erst Alles abgelegt haben, was sie zu Juden macht, wenn sie gar nichts mehr in und an sich haben, was sie von den Christen unterscheidet, dann giebt es in der Wirklichkeit auch keine Juden mehr! Sie sind dann entweder Christen, — oder wenigstens Indifferentsten! — geworden, mithin eben das, was die Fordernden selbst sind. Man ist also, wenn man ihnen nur unter dieser Bedingung staatsbürgerliche volle Rechte einräumt, eigentlich nicht mehr gerecht gegen Juden, sondern nur gegen sich selbst und seine eigenen Glaubensgenossen. Weg also mit einem solchen Vorbehalt, einer solchen Bedingung, die einen innern und unauflöslichen Widerspruch involvirt!! Was in specie die Aufgebung des Talmuds betrifft, so wird wohl Niemand, — ich glaube, der aufgeklärte Herr Dr. Weil selbst nicht! leugnen wollen oder können: daß in demselben eine Menge von Vor> ^uvLHeilen und falschen Meinungen (opinones, quadelet dies!), die schon langst dem Denkenden zunlAnsto^gereichten, enthalten sey. Aber darum die AufgebudMbieser Vorurtheile zur Bedingung Hes vollen GenüW staatsbürgerlicher Rechte mache«'zu wollen, ist gleichtM^W^ ^Exorbitantesten Verkehrtheiten, die sich nur denM^Wm. Denn 1) wenn Vorurtheile unfähig machen MW^Laatsbürgerliche Rechte im ganzen Umfange zu gMHen, wer ist dann noch fähig, noch würdig zu diesem -'Genüsse? Denn wer ist wohl ganz ohne Vorurtheile» (Auf ein Plus oder Minus derselben kann es hierg natürlich nicht ankommen!) Ob es übrigensreligiöse,^ oder politische, oder philosophische, oder medicinische rc. Vorurtheile sind, das macht in der Wesenheit der Sache keinen Unterschied. Und ich befürchte sehr, daß wenn Vorurtheile unfähig auch nur zum Genuß eines der höchsten staatsbürgerlichen Rechte, des Rechts der Volks-Repräsentation nämlich, machen sollten, eben die heftigsten Gegner der Juden - Emanckpation selbst ihr Landstandsrecht am ehesten verlieren würden und müßten, gerade wegen ihres unvertilgbaren Vorurtheils gegen die Juden! 2) Dies ist aber auch darum eben so verkehrt als ungerecht, weil Vorurtheile zwar Gründen und besserer Belehrung weichen, aber nicht Machtsprüchen, Edikten, willkürlichen Bedingungen! Vorurtheile sind Meinungen; lassen sich aber wohl Meinungen ausschreiben und eintreiben wie Steuern? Wer mögte dies im 19ten Jahrhunderte noch behaupten?! Bei der Abstimmung über den fraglichen Gegenstand hoffe ich übrigens zu beweisen, daß bei mir die Theorie mit der Praxis im Einklänge stehe. München, den 25. Sept. 1831. Karl Wilhelm Christian Weinmann, Dr. philos., Dekan und Abgeordneter. Erwiederung des Dr. Weil zu Stuttgart an den Herrn Dekan Dr. W e i u m a n n, Mitglied der Baierischen Kammer der Abgeordneter- „über Bedingungen zur Emancipation der Juden." Wie leicht verständigen sich doch Leute, die ernstlich das Gute und Rechte wollen! Einzuwenden habe ich eigentlich gegen Ihre in Nr. 93 der Deutschen Tribüne ausgesprochenen Ansichten gar nichts; im Gegentheile gestehe ich recht herzlich gern, daß ich manche Belehrung daraus zog und viele Stellen den in meiner Seele wohnenden Gedanken nur deutlicher, verständlicher hervorrkefen und aüsdrückten. Für die liebevolle, ächt evangelische Weise, mit der Sie, Herr Dekan, die schwachen Seiten meines Aufsatzes heilend berührten, sollte ich Ihnen wohl privatim danken; aber es-schadet doch auch nichts, wenn das größere Publikum sieht, daß auch Belehrung ohne Machtgebot bei dem Juden nicht ganz verschwendet ist. k Wenn Sie aber glauben, ich hätte mit dem Aus- Rrucke: „wenn ein Professor, Abgeordneter rc. noch so Mrale Ansichten im Allgemeinen über GlaubensurAHMische Freiheit äußere, fo schrumpfe diese Liberalität dÄh. bald in eine elende, spießbürgerliche Ansicht zusammenMöbald.WLBmdere die Frage von der Emancipation de^Mm sey," allenfalls dieses oder jenes.

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