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Der Jude · 1833-02-05 · Heft 26 (5.2.1833) · p. Seite 203

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 26 (5.2.1833)
Date
1833-02-05
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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203 so heiliger ist, weil es seit Jahrhunderten, zum Schimpf der Menschheit, verkannt, verhöhnt, mit Füßen getreten wurde. Und wenn er selbst die Unwürdigkeit des Talmud anerkennte und die Feier dieses oder jenes Tages als eine bloße Frage der Konvenienz und der Uebereinkunst betrachtete, so müßte doch jeder Gutdenkende im Innersten seiner Seele den Juden verachten, der, so lange noch ein einziger seiner Glaubensgenossen vom Gegentheile überzeugt ist, irdische Güter eintauschen wollte für Institutionen, die eine fremde Kirche an die Stelle der uralten Satzungen der Vater zu stellen beliebte. — Das Judenrhum wird und muß sich historisch entwickeln, auch die Juden müssen und werden dem allgemeinen Bildungsgänge des Menschengeschlechts folgen. Aber die Erklärung muß aus der eigenen Kirche kommen, die Reform aus dem eigenen Herzen der Bekenner fließen, wenn nicht durch schnöden Schacher irdisches Recht für himmlische Glückseligkeit vertrödelt werden soll. — Ihr aber, Vertreter des Baierischen Volkes, habt und zeigt den Muth, dessen die Badische Kammer nicht fähig war in der Verteidigung der Grundsätze deB Freiheit und des Rechts, den Vorurtheilen des Pöbels zu trotzen, wie ihr mit edler Beharrlichkeit den Vocurtheilen der Aristokratie die Stirne botet! Stuttgart, den 19. Sept. 1831. Dr. Carl Weil. Auch noch ein Wort eines Baierischen Abgeordneten .über die Bedingungen zur Emaneipation der Juden. Fast zu gleicher Zeit kam mir das ganz vortreffliche Gutachten des Herrn Abgeordneten Dr. Lang über diesen Gegenstand und die interessante Entwickelung desselben von Seite des Herrn Dr. Weil zu Stuttgart, in Nr. 84 der Deutschen Tribüne, zu Gesicht. Und veranlaßt durch Beides in Verbindung, will auch ich mein Glaubensbekenntniß über den fraglichen Punkt kurz vor dem Publikum ablegen. ' j Im Allgemeinen nicht nur stimme ich ganz mW den humanen Ansichten des sehr verehrten Herrn Berichterstatters im dritten Ausschüsse, des Lang, überein; sondern auch im EinzelneuMWe ich darinnen witAich auch nicht Ein Wo^Mnders har ben, als er es niederschrieb. (So etwas widerfahrt mir selten!) Dem Herrn Dr. Weil gegenüber möchte ich jedoch bemerken, daß eben Beispiele wie diese ganz dazu geeignet sind, seine etwas harte Behauptung zu widerlegen: „wenn auch'ein Professor, Abgeordneter rc. noch so liberale Ansichten im Allgemeinen „über Glaubens- und politische Freiheit äußere, so „würde doch diese Liberalität bald in eine elende, „spießbürgerliche Ansicht zusammenschrumpfen, sobald „im Besondern die Frage von Emaneipation. der Ju- „den sey." Wie hat der Herr Einsender so etwas behaupten können oder mögen? Weiß oder glaubt er denn nicht, daß es sehr Viele, sowohl Schriftsteller, als auch insbesondere Volks-Repräsentanten, giebt, die eben so liberal in besondern Fällen als im Allgemeinen, im Handeln als im Sprechen, gegen Juden wie gegen Christen ftnb?s Und wenn er es noch nicht gewußt ftat, so lerne er es jetzt; so sehe er es an einem Berichte, wie der ist, den der sehr ehrenwerthe Herr Abgeordnete Dr. Lang erstattet hat; so achte er aus die Abstimmungen der Einsichtsvollern unter den Abgeordneten, (welche ja nunmehr bei voller Oeffentlichkeit der Sitzungen durch die Journale zu Jedermanns Kunde gelangen) und sehe sodann, ob ihr Liberalismus ächt oder unächt ist! Alle denken jedoch nicht so; aber, die Meisten von diesen Andersdenkendem haben es: auch gar Hm Hehl, daß sie, wenigstens in Bezug aukbie JsrMten, liberal weder sind, noch sein Mollen^^MesWegehen also mindestens den von Jhne!^Hetr Doktor! gerügten Widerspruch zwischen ^Th^orie und Praxis nicht. Damit Sie ü^geEWhM, daß Jssr — in der Allgemeinheit^chie er hier aufgestellt ist, — ungerechter M^Durf mich nicht erbittere und nicht selbst unM^tmache, so will ich einige Argumente Ihres, übMens wohlgerathenen, Aufsatzes noch sogar durch iMsätze verstärken, keineswegs aber sie zu widerlegen suchen. Insonderheit gebe ich Ihnen darinnen ganz Recht, wenn Sie es für eine höchst tadelnswerthe und ungerechte Anmaßung erklären, das volle Staats-Bürgerrecht der Juden von Bedingungen abhängig machen zu wollen, wie die sind, daß sie dem Talmud entsagen, den Sabbath auf den Sonntag verlegen sollen u. s. w. Dieß ist in der That so verkehrt als möglich. Aber nicht bloß , der seltsame Wahn von einer herrschenden Kirche, wie Sie bemerken, ist es, was hier noch in 26*

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