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Der Jude · 1833-01-29 · Heft 25 (29.1.1833) · p. Seite 194

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 25 (29.1.1833)
Date
1833-01-29
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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Gemeinden irr zwei von einander sehr entfernten Städten — in Hamburg und in Pesth — besteht, so viel mir Wchnnt ist, in diesem Augenblick ein eigentlicher zwiefacher, nach verschiedenen Grundsätzen eingerichteter öffentlicher Gottesdienst, der aber nach der allgemeinen Ansicht keinesweges eine getrennte'Sekte bildet, wie sie die Verlegung des Sabbaths augenblicklich bilden würde. Mt einer solchen Sekte würde es aber in religiöser Beziehung gar bedenklich aussehen. Durch etwas rem negatives gebildet und zusammengehalten, würde sie keine bestimmte religiöse Ueberzeugung, Empfindung, Glau.ben als das Kriterium der ihr Angehörigen zu erkennen im Stande sein, sondern nur einen gewissen Grad entweder von Gleichgültigkeit, oder von Kritik Und, wenn wir wollen, von Bildung. Wenn es nun aber von der einen Seite eine überaus verächtliche Ansicht ist, welche die Religion zu einer Sache des Volks, wie man es nennt, oder der weniger Gebildeten macht, so ist von der anderen eine besondere Religion der Gebildeten, der Aufgeklärten ein in der Geschichte unerhörtes Unding, das nicht bestehen kann. Hüten wir uns vor einem solchen Versuch! er könnte sich selber und uns sehr lächerlich machen. Es giebt viele brave, kluge, aufgeklärte Leute, die sich aber gerade zur KonstiLuirung einer religiösen Gemeinde' ganz und gar ^Uicht eignen. Es würden unter einer solchen Gemeinde Viele sein, die da lehren, aber Keiner, der da lernen, es würE Viele sein, die da predigen, aber Keiner, der da hören möchte, und die Stelle des Predigers könnte leicht die einzige^Metzte im Gotteshause werden. Es würden viele ReformatorerMufstehen; aber Keiner würde nach einem solchen verlangW^denn ein Jeder würde sich zur Genüge selber reförmiceü. Ein Jeder würde die aller Autorität ermangelnden EiÄMungen, die der Andere bewerkstelligt, gründlich zu krikffiren, aber Keiner würde etwas dauerhafteres und Autorität besitzendes an die S.telle zu setzen wissen. Diejenigen, die am Sonnabend die wenigen Stunden der Andacht? der Arbeit nicht abgewinnen Mochten, werden sie am H Sonntage der Erholung und der häuslichen Bequem- I lichkeit nicht abgewinnen mögen, und das Gotteshaus % wird von den Anhängern des Sonnabends und des Sonntags gleich wenig besucht werden. Bon der anderen Seite würden dieselben Kräfte der Einsicht und der Bildung, die sich vergebens abmühen würden, eine Religionsgemeinschaft auf ihre eigene Hand zu bilden, da sehr vermißt werden, wo sie sich losgerissen hätten, während sie für das Heil und den Fortschritt des Ganzen auf's nützlichste wirken konnten. Wir würden in Folge einer solchen gewaltsamen unbegründeten Reform anstatt eines einzigen lebendigen fortschreitenden Ganzen eine zwiefache, dem Verfall und der Verwesung entgegengehende Gestaltung gewinnen; die eine ohne Lebenskraft, ohne Gegenwart und Vergangenheit, die andere ohne Zukunst, an das Hergebrachte gefesselt ohne Kraft des Fortschritts, ohne Streben nach Verbesserung, ohne Keim der Fortbildung und Entwickelung. Nirgends ist es eine unerläßlichere Bedingung des Gedeihens, daß die Sinnesart, die dem Hergebrachten ehrerbietig huldigt, mit derjenigen, welcher das Bestehende als solches gleichgültig ist, in einander greifen, daß sie sich gegenseitig die Wage halten, nirgends ist eine völlig getrennte Entwickelung dieser beiden Richtungen unheilbringender, zerstörender, als in einer auf den Grundsätzen einer positiven Religion beruhenden Gemeinschaft. Eben weil eine förmliche Trennung innerhalb einer jeden Glaubensparthei heutzutage nichts anderes, als die Trennung dieser beiden Richtungen — n ich t die Festhaltung verschiedener positiver Glauben sprinzipien, wie in früheren Zeiten — bedeuten würde, ist sie Allen, denen am Bestehen ihrer Religion, so verschieden ihre besonderen Meinungen auch sein mögen, gelegen ist, unerwünscht. Wir können gewiß in der allgemeinen Behandlungsweise religiöser Angelegenheiten keine besseren Lehrmeister haben, als die Christen; aber wir wollen nicht von ihrem Rath, wir wollen von ihrem Beispiel lernen, welches wir für den aufrichtigeren, für den untrüglicheren Rathgeber halten.*) Wie deutlich und bestimmt tritt bei den verschiedenen theologischen Partheien, in so weit es ihre Mitglieder überhaupt mit ihrer Kirche wohl meinen, so sehr ihre Lehrmeinungen einander entgegengesetzt sein mögen, das Streben hervor, eine förmliche kirchliche Trennung, zu welcher doch äußere Momente, mindestens in gleichem Grade,«-wie bei uns, vorhanden sind, um jeden Preis zu vermeiden! Wie stimmen hierin Rationalisten und Supernaturalisten mit denjenigen Theologen überein, unter denen der verehtte *) ManMrgleiche das im Ivten Blatte über diesen Punkt gesagtes i

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