Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 25 (29.1.1833)
- Date
- 1833-01-29
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Nr G. Riesser. 29. Januar 1833. 25. 1 Dienstag, den \M wm* Mit Wönigl. Dänischem Allerhöchstem Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Ein Wort über die Angelegenheiten der Inden in Sachsen und noch ein Wort über Reformen als Bedingung der Emancipation. (Beschluß.) §ürwahr! wir sind nicht die Einzigen, die noch einige unaufgeklärte sondernde Grundsätze abzuschaffen haben, und wir verlangen weiter nichts, als daß man uns und unsere religiösen Angelegenheiten nicht außer aller Beziehung und Vergleichung mit anderweitig bestehenden Dingen, nicht nach einem ganz eigenen willkürlichen, aus der Lust gegriffenen Maßstabe beurtheile. Die Frage stellt sich nun ganz klar dahin, ob in den Gemüthern derjenigen Individuen, die die Verlegung des Sabbaths wünschen, ob in den Gesinnungen und Motiven, die diesem Wunsche zum Grunde liegen — mehr als ein Wunsch, ein eigentliches Streben ist er noch nie geworden — sich die Elemente eines selbstständigen religiösen Lebens, einer dauerhaften religiösen Gemeinschaft vorsinden? Die in dem beinahe allgemeinen Bewußtsein, wenn auch mit verschiedenem Grade der Klarheit, liegende Verneinung dieser Frage ist es meines Bedünkens, welches die allgemeine Ansicht bestimmt, und jenen auffallenden Zwiespalt zwischen dem individuellen Wünschen und dem Bestreben für die Gesammtheit veranlaßt. Die Gründe jener Verneinung möchten eben nicht schwer darzulegen sein. Was zunächst die Motive der in Frage stehenden Reform betrifft, so beruhen sie auf dem Nutzen, auf der Zweckmäßigkeit, der Bequemlichkeit, dem Entgegenkommen, kurz auf Allem, nur nicht auf der Religion. Wir haben hier also einen Akt, der seiner äußeren Wirksamkeit nach so bedeutend ist, daß er eine ganz neue Religions-Gesellschaft erzeugen muß, dessen innere Bedeutung aber eine, wenn nicht irreligiöse, doch zur Religion sich ganz indifferent verhaltende, einem der Religion ganz und gar fremden Boden entwachsene ist^ Zwischen diesen beiden Momenten ist aber ein unauflöslicher Widerspruch; das eine kannMus dem anderen so wenig, wie Leben und Wachsthum aus dürrem Holze, hervorblühen. GeraÄ umgekehrt verhält es sich mit einer anderen Art von gottesdienstlichen Reformen, die wir unter unseren Glaubensgenossen trefflich gedeihen und lebensvolle Früchte tragen sehen, ich meine mit denen, die/-aus dem ächt religiösen Moment des tiefen Bedürfnisses, in der von Allen verstandenen Muttersprache zu beten und erbauende Lehren zu hören, hervorgegangen sind. Gerade in diesen Reformen ist Kraft und Leben genug, um, wenn es sein müßte, eine eigene Religions-Gemeinschaft bilden zu können; aber bei eben diesen ist die äußere Spaltung lange nicht so groß, daß sie eine solche Nothwendigkeit mit sich führte. Wir sehen viele Gemeinden als Gesammtheiren jene Veränderungen allmälig einführen; nur in zwei jüdischen 25