Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 24 (22.1.1833)
- Date
- 1833-01-22
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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chaniker, Fleischer, Schriftsetzer, Graveurs, Schneider, Uhrmacher, Tischler, Drechsler, Goldarbeiter, Platirer." Ich gestehe, daß nach der Durchlesung dieser Details , an deren genauester Wahrhastkgkelt natürlich unter den angegebenen Umstanden, die diese Schrift veranlaßten, nicht gezweifelt werden kann, meine Freude über die väterliche Sorgfalt einer hohen Regierungsbehörde sich in ein tiefes Staunen verwandelt hat, das wohl die Mehrzahl meiner Leser mit mir theilen wird. Zur Vervollständigung führe ich noch den mir durch mündliche Mittheilung bekannt gewordenen Umstand an, daß der angeführte Mendelsohns-Verein sich in der Nothwendigkeit befindet, fast jeden Knaben, den ec zur Erlernung eines Handwerks unterstützt, nach dem benachbarten Böhmen zu schicken, schon um als Geselle die'gehörige Anzahl von Jahren zu arbeiten, weil der von der Regierung geschützte Widerstand der Zünfte ihn in seiner Heimath so weit nicht kommen laßt. Unter diesen Umständen ist die Naivetät, mit welcher die Frage der Betreibung von Handwerken durch die Juden in dem Reskripte aufgefaßt ist, in der That schwer zu begreifen und noch schwerer, ohne die gebührende Ehrerbietung zu verletzen, zu bezeichnen. Wie? man stellt an dieselben Menschen, die man bis auf den heutigen Tag gewaltsam von nützlicherer bürgerlicher Thätigkeit, zu welcher sie sich mit nicht geringer Krastanstrengung drängten, zurückgehalten und noch immer zurückhält, das Verlangen, daß sie ihren Neigungen, Grundsätzen und.Gewohnheiten entsagen sollen, weil diese allein es . wären, die sie davon abhielten? Man stellt an den. Gebundenen, während man die Fessel immer fester anzieht, höhnisch das Verlangen, er solle sie doch losen, die er ja nur aus Liebhaberei trüge; dann wolle man ihm zum Lohne die Freiheit geben? Erst auf flehendes Bitten der jüdischen, Gemeinde saßt die Regierung den kühnen Entschluß, ihr die Möglichkeit zu gestatten, ihre Kinder Handwerke erlernen zu lassen; sie fügt dieser Gestattung Bedingungen hinzu, die Demjenigen, der davon Gebrauch macht, von vorne herein die Aussicht rauben, ja durch das erlernte Handwerk sich eine selbstständige Existenz in der Heimath . zu sichern; es finden sich dennoch, trotz des TalrMhs und des SMaths Subjekte, die bereit dazu AM' aber ,es erhebt, sich nun ein elendes ZunftinteressMegen die Bestimmung, und die Regierung hat entMder die Kraft oder den Willen nicht, selbst jene sattsam kümmerliche Entschließung diesem gegenüber aufrecht zu erhalten. Die Sache bleibt 14 Jahre lang unentschieden; in dieser Zeit erlernen so viele Knaben, wie es bei den ungeheuren äußeren Schwierigkeiten nur möglich ist, Handwerke; eine im Verhältniß beträchtliche Anzahl — 34 selbstständige männliche Individuen, während sich die ganze jüdische Bevölkerung Sachsens auf 700 Seelen beläuft — wandert aus, um sich von dem erlernten Handwerke in anderen Ländern zu ernähren, wo weder der Talmud abgeschafft, noch der Sabbath verlegt, sondern nur der Barbarei eines neidischen Zunftwesens durch eine weise Gesetzgebung ein Ende gemacht ist. Und nun, nachdem alles Dieses geschehen, fordert man die Juden auf, von talmudischen Grundsätzen abzulaffen, und die Sabbathseier auf den Sonntag zu verlegen, damit sie sich nicht länger der Möglichkeit, andere bürgerliche Geschäfte, als den Handel zu betreiben, beraubten! Es liegt in diesem Verfahren eine übermüthige Verhöhnung des Schwächeren, eine Verläugnung alles'Schamgefühls von Seiten des Mächtigeren, wovon man in jeder anderen Angelegenheit, diese einzige ausgenommen, schwerlich ein Beispiel finden wird. Und was ist das für ein Zustand der Gesetzgebung, dessen Abänderung man an die Bedingung einer durch Reformen zu bewährenden größeren Aufklärung von Seiten der Juden knüpfen will? Ein Zustand, der selber der fortwährende lebendige AusdMck der tiefsten Barbarei, Finsterniß und JrMern^z ist, der, so weit äußere Verhältnisse dMorak'j?rend auf die Gemächer der Menschen wirker^können, den bestimmtesten Keim der DeWMlisation nothwendig in sich trägt. Nicht nur voD allen Handwerken wie vom Grundbesitz werdeMLLe-Tuden gewaltsam ausgeschlossen, sondern auchden Geld- und Wechsel-Handel ausgenommen, deMur einige wenige Reiche zu treiben im Stande sind, DM jedem ordentlichen regelmäßigen Geschäftsbetrieb. Die Beschränkung auf den einzigen Hausirhandel wird dort mit einer so grausamen Genauigkeit aufrecht erhalten, daß man es, wie mich glaubhafte Leute versichert haben, häufig den haust'renden Juden von Seiten der Polizei gewehrt hat, an den Ecken der Straßen auch nur einen Augenblick mit ihrem Bündel auszuruhen, weil man den Grundsatz festhielt, daß sie nur einen wandernden, keinen stehenden Handel treiben