Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 24 (22.1.1833)
- Date
- 1833-01-22
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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188 israelitischer Kinder hiesiger Eltern bei, welche ein Handwerk erlernend Nachdem nun die so oft widerlegte und doch immer von neuem zu Markte gebrachte Albernheit, daß der Talmud die Abneigung vor den Handwerken nähre, gebührend gewürdigt, nachdem die Behauptung, daß der Sabbath ihrer Betreibung im Wege stehe, aus Gründen der Vernunft und der Erfahrung beseitigt, nachdem über einige beiläufige Aeußerungen des Restripts — abgesonderte Nationalität, Höhe der geistigen und sittlichen Bildung u. dgl. betreffend — manches passende Wort gesagt worden, kommen die Verfasser der Erwiederung noch einmal auf denselben Punkt in der folgenden Stelle zurück: „Wir können indeß wiederholt unfern Schmerz nicht verbergen, daß die vormalige hohe Landesregierung, wie die uns jetzt abgeforderten Erläuterungen über unsere innern Verhältnisse beweisen, ohne Kenntniß derselben über unsere Befähigung, abgesprocben hat, und ihre Ansichten uns bei der höchsten Behörde offenbar nachtheilig geworden sind." „Wir baten in unsrer allerunterthänigsten Vorstellung vom 13ten März 1818 'flehentlich, israelitischen Kindern, um sie dem Trödel zu entziehen, das Erlernen von Handwerken zu erlauben, tznd als dieses mit den Eingangs erwähnten, mehr als t ermunternden Beschränkungen gestattet wurde, die «Zber gegen die Publikation eines weiteren Reskriptes desselben^Fnhaltes eine Appellation einlegten, erhalten wir, trotz vielen M^tens, nun nach 14 Jahren die WMng, uns von de^ talmudischen Grundsätzen zu entfremden, die alle BefchäftigrckWn, außer dem Handel, als für die Zügen ungeeignet darstellen." „Das mehrfach erwähnte allerhöchste Reskript vom 25. Juli 1818 bezeichnet unser Gesuch „als auf Er- „langung eines löblichen Zweckes, die verbesserte Wie- „hung der jüdischen" Jugend zu einem nützlichen bürgerlichen Leben gerichtet." Und dennoch hat man uns dessen beraubt? Ist es unsere Schuld, daß man durch gänzliches Schweigen auf jene Appellation eine ganze Generation gewaltsam wieder zum Trödel gezwungen hat? Wohl mag es denen, die im Besitze größerer geistiger und sittlicher Bildung sind, als wir, und hiermit den Vortheil verbinden, ihre Kinder, so wie sie es selbst gekonnt hätten, diejenige Lebensweise ergreifen zu lassen, zu denen sie nach Neigung, Talent und äuffern Mitteln besonders geeignet sind, minder schwer fallen, die Schicksale Anderer durch 14jähriges Schweigen zu vertagen und sie dann für nicht hoch genug stehend zu erklären; wir, die davon betroffen werden, empfinden es indeß sehr hart. Welche Hoffnung dürfen wir für unsere Zukunft'hegen, wenn äußere Gleichstellung in Masse durch eine so vage, flexible, bloß eine ganz subjektive Beurtheilung zulassende Bedingung gleicher geistiger und sittlicher Höhe bestimmt werden soll? Liegt es, wohl inder Möglichkeit, daß wir bei der bestehenden Gesetzgebung, das, was von uns verlangt wird, uns sammt und sonders aneignen können? Und gesetzt, wir besäßen die geistige und sittliche Bildung in einer doppelten Höhe als unsere christlichen Mitbürger, welche Mittel sind uns denn gelassen, es zu beweisen?" „Man wirst uns abgesonderte Nationalität vor und versagt uns die Möglichkeit festen Besitzes und alles andere, was näher an das Land, in dem wir geboren sind, fesselt, und Gelegenheit zpr Beurkundung dieser Wirkung dem einzelnen darbketet." „Man verlangt von uns Annäherung an christ- .liche Sitten und Gebräuche, ohne ihre Beschäftigung zu gestatten." „Das Verlangen nach edlem Sinn ist leicht zu stellen, doch für Den, der von aller äußern Ehre ausgeschlossen, zwar nicht unerreichbar, aber schwerer." „Wir glauben, daß unser eigenes unbeachtet gebliebenes, ohne äußere Veranlassung, ohne Aufmunterung, ohne Unterstützung statt gefundenes, vielmehr mannichfache Hindernisse findendes Streben, zumal bei unserer so äußerst bedrängten Lage, einer billigen Würdigung nicht unwerth sey." „Wie nun ein Gefangener den Weg der Freiheit, so haben viele hiesige Israeliten begierig andere Erwerbsweisen zu ergreifen versucht, welche ihnen nicht eine hindernde gesetzliche Bestimmung oder Observanz unzugänglich machte." „Viele haben sich deshalb auf immer von den Ihrigen trennen müssen, und wolle Ein Edler Rath stchgus der angeschloffenen Tabelle überzeugen, wie, in verschiedenen Ländern zerstreut, bereits 34 Söhne hiesiger Israeliten verschiedene Künste und Professionen ausüben, ÄWVmdärzte, Seifensieder, Musiker, Me-