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Der Jude · 1833-01-11 · Heft 23 (11.1.1833) · p. Seite 183

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 23 (11.1.1833)
Date
1833-01-11
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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183 Wissenschaft bereits geleistet, und das Bedeutendste versprochen hatte. Er war der einzige Sohn jüdischer Eltern, die in der Englischen Grafschaft Hampshire wohnten und erhielt den ersten Unterricht bei einem Anglikanischen Geistlichen, der ihn für das Universitäts-Studium vorbereitete, wahrend er andererseits aber auch den Unterricht im Hebräischen und Talmudischen, den er von einem jüdischen Lehrer erhielt, nicht vernachlässigte. Es schien anfangs, als wenn ihn jener Theil seiner Ausbildung, und besonders die praktische Seite desselben — namentlich das, was man in England philosophische Studien nennt, worunter aber nur die Naturwissenschaften verstanden werden— mehr anzöge, als, der philologische Unterricht; denn er that sich bald, namentlich in der Chemie, so sehr hervor, daß der Lehrer dem zehnjährigen Knaben die Auszeichnung zu Theil werden ließ, vor der ganzen Schule zu experimentiren und eine Art von Vorlesung zu halten. Der bald darauf erfolgte Tod seines Vaters gab jedoch, wie seiner Lebensweise, auch seinen Studien eine andere Richtung. Seine Mutter zog mit ihm nach London, wo sie sich niederließ, und wo er, da es ihm an Mitteln und Gelegenheit fehlte, sich von Lehrern unterrichten zu lassen, mit um so größerem Eifer an die Bücher sich hielt, die seine einzige Habe waren, und die sich hauptsächlich auf alte und neuere Sprachen bezogen. Er brachte es auch sehr bald zu einer ungewöhnlichen Fertigkeit darin, und würde die Linguistik auch zu seinem ausschließlichen Berufsstudium gemacht haben, wenn er nicht, auf den Wunsch seiner Mutter, die ihn gern einer einträglichen Beschaftigung zugewandt sehen wollte, sich entschlossen hätte, in das Büreau eines rühmlichst bekannten Londoner Advokaten einzutteten, wo er sich neben dem Erwerb auch die nöthigen Vorbereitungen verschaffen sollte, um späterhin einmal selbst als Advokat vor der richterlichen Barre aufzutreten. Inzwischen war und ist noch jetzt in Großbrittaniett — bis das reformirte Parlament auch hierin den Geist des Jahrhunderts und seine eigene Existenz anerkannt haben wird — der mosaische Glaube ein unübersteigliches Hinderniß für diejenigen seiner BekM- - ner, welche die Advokatur nicht bloß unter der Hand und gleichsam nur geduldet, sondern als förmliche „Barristers" betreiben wollen*), üm also mit Ehren die Laufbcthn zu verfolgen, die seiner Mutter und Hm eine Existenz sichern sollte, hatte Davids noch einen andern Schritt thun müssen, den ihm aber seine Ueberzeugung, mit Ehren zu thun, eben so wenig gestattete, als sein Stolz es zuließ, einen Erwerb fortzusetzen, wenn es nicht mit Ehren geschehen konnte, tzr würde diesen auch sofort aufgegeben haben, hatte sich ihm nicht in dem, was rings um ihn vorging, die Morgenröche des Tages gezeigt, der bald auch für seine Glaubensgenossen in England anbrechen würde, und auch ihm eine ehrenvolle Zukunft verhieß. Die Test- und Corporationsakte, jene seltsamen Toleranzedikte gegen die Englischen Dissenters, waren zurückgenommen worden; die Emancipation der Katholiken war durchgesetzt, und zwar von einem Ministerium, das nicht etwa von .den Ideen der Zeit durchdrungen war, sondern ihnen, sich selbst und seiner eigenen Parthei zum Trotz, folgen mußte, so sehr und so lange es auch widerstrebte; endlich aber war jene mächtige Sonne der Reform über *) Mit dieser Ausschließung, die mit den übrigen rechtlichen Verhältnissen der Juden in England in keinem Verhältniß steht, hat es folgende sonderbare Bewandniß. Während das alte System der Eide noch in Kraft war, war bei einigen Aemtern oder bürgerlichen Verrichtungen die Leistung des Eides vor dem Antritt nothwendig, bei anderen — und dazu gehörte die des ' barrister — erst innerhalb 6 Monaten nach dem Antritte. Während nun Alle, die ihrer Religion halber den Eid nicht leisten konnten, von jemv ersten Art von Aemtern unbedingt ausgeschlossen Mren, ließ man sie zu den letzteren vorläufig zrt und erließ dann Allen, die sich in dem FMe befanden, von Jahr zu Jahr den Eid durch eine bill of indemnity, die jährlich beide Häuser des Parlaments passirte. Der Vortheile dieser bjU hatten, sich die Juden mit den Katholiken und Dissenters' zu erfreuen. Seitdem sie aber durch die Emancipation Beider für die große Mehr» heit der Falle überflüssig geworden, wird sie nicht mehr ertheilt, uud dadurch sind die Juden ohne alle Absicht von Seiten der Gesetzgebung in Nachtheil gekommen. M. s. Remarks on the civil disabilities of British Jews by Francis Henry Goldsmid London 1830. S. 11 —13. Es wäre den Liberalen im Unterhauft? leicht gewesen, die Abstellung dieses und ähnlicher Mißbräuche bei dem Unterhause selbst, das die Emancioation verworfen hatte, zu bewirken, aber sie wollten es nicht, weil sie solche partielle Maaßregeln für die künftige Durchsetzung jener großen hinderlich glaubten. So widersetzte sich Robert Grant einer noch in derselben Sitzung gemachten Anzeige einer Motion, die Hinwegräumung des bekannten Zweifels wegen des Rechts der Juden, Grundeigenthum zu besitzen, vetreffend und fie unterblieb auch bl Folge davon. D. H.

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