Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 23 (11.1.1833)
- Date
- 1833-01-11
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 die alte Nacht aufgegangen, in welche Mißbrauch und Trägheit die schöne Britische Verfassung eingehüllt hatten. Noch vor diesem großen Ereignisse, und ehe noch Grey und Brougham an das Ruder des Staates gekommen waren, hatte Rob. Grant, jetzt ein Mitglied des Ministeriums, einen Versuch gemacht, auch den Juden die Wohlthaten der Englischen Verfassung zu sichern. Doch er hatte gegen zwei mächtige Gewalten anzukämpfen: gegen die Gewalt der Klerisei und Intoleranz, die in England, seltsam genug, durch die Universitäten repräsentirt wird, und deren Organ im Unterhause Sir Rob. Jnglis war; und gegen die Gewalt der damals noch am Staatsruder befindlichen Konservativen, welche fest halten am Bestehenden, weil sie und ihre Vorfahren dadurch groß und mächtig geworden, und als deren einflußreichster Vertreter im Unterhause der Minister Sir Rob. Peel galt. Vergebens bot Grant seine überzeugende Beredsamkeit, vergebens Macauley sein glänzendes Argumentations-Talent aus; ihre- Gründe fanden zwar hier und dort Eingang, ja, der Verlauf der Discussionen versprach sogar in einem reformirten Parlamente einen sicheren Erfolg — jetzt war jedoch der rechte Moment noch nicht da. Inzwischen war auch Davids für den großen Zweck thatig, dem Grant und Macauley ihre edlen Kräfte jgt Parlament gewidmet hatten; während Goldsmid in* einer eigenen Schrift die Ansprüche seiner jüdischen Glaubensgenossen geltend zu machen suchte, und die Früchte der Emancipation in Frankreich, Holland und anderen Ländern nachwies, trat Arthur Lumley Davids mit einigen, in Briefform geschriebenen Artikeln in den Times auf, von denen selbst dieses mit vielseitigen Talenten ausgestattete Zeitungs-Institut sagte, daß sie zu den glänzendsten Argumentationen zu Gunsten der Juden gehörten. Es möchte vielleicht nicht uninteressant seinaus diesen Artikeln Einiges für die gegenwärtige ähnlichen Zwecken gewidmete, Zeitschrift zu übersetzen^ und überhaupt hier die durch die verschiedenen Lokalitaten immer anders bedingten Gründe für Emancipation aus den verschiedenen Ländern Europas einmal zusammenzustellen. Davids nahm um diese Zeit auch mit vielem Eifer an der Stiftung eines Vereines Theil, der zwar unter einem literarischen Namen (Society for the cnltivation of Hebrew lilerature) auftrat, jedoch in der That dem großen Zwecke der Emancipation förderlich sein sollte. In diesem Vereine, der sich, wie alle ähnliche Englische Institute, auch vornehmen Schutzes zu erfreuen hatte, las Davids im Jahre 1830 vor. einem zahlreichen Kreise, in welchem sich mehrere der berühmtesten Londoner "Gelehrten befanden, eine Abhandlung über die Literatur und die Philosophie der Juden, die einen Schatz von Kenntnissen, namentlich philologischen, enthielt. Davids war nämlich auch in der Zeit, da er der Advokatur sich zuwandte, seinem Lieblings-Studium, der Linguistik, treu geblieben; vornehmlich aber waren es die orientalischen Sprachen, denen er sich seit seinem 15ten Jahre mit einer Art von begeisterter Hingebung widmete. Seine Freunde machten es ihm zum Vorwurfe, daß er die Früchte seines Fleißes nicht zur Oessentlichkeit gelangen lasse; besonders drang man in ihn, seine Untersuchungen über die Türkische Sprgche herauszugeben, da gerade dieser Zweig des orientalischen Sprachstudiums noch keinen Englischen Grammatiker gefunden hatte. Einzelnes, das er, während seiner fünfjährigen Beschäftigung mit dieser Sprache, drucken ließ, erwarb ihm die Ehre, von der Asiatischen Gesellschaft zu Paris zu ihrem Mitglieds ernannt zu werden. Endlich entschloß er sich im Jahre 1832 eine vollständige Türkische Grammatik,*) begleitet von einer Abhandlung über Sprache und Literatur der Türken u. s. w., herauszugeben. (Der Beschluß folgt.) *) Sie führt den Englischen Titel: A Grammar of the Turkish Language, with a preliminary Discoürse on the language and literature of the turkish nations; a copions Yocabulary; Dialogues; aCollection of Extracts in Prose and Verse; and lithographed Specimens of varions ancient and modern Manuscripts. By Arthur Lumley Davids. London 1832. Parbury 1 Allen et Co., and John Taylor. Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altona. -•••••—■■■*.^