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Der Jude · 1833-01-11 · Heft 23 (11.1.1833) · p. Seite 182

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 23 (11.1.1833)
Date
1833-01-11
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 was selbst gegen die Regeln der prozessualischen Schriftfassung strmwt — die üblichen dilatorischen Einreden vor, MslMtz man sich auf die Befriedigung des gerechtesten Anspruchs für jetzt nicht einlassen könne. Den Uebergang bildet er mit den Worten: „dieses ist „die eine Seite, nämlich die Stimme der Menschlichkeit und der Civilisation. Nun giebt es „aber auch noch eine andere Stimme, nämlich die „Stimme der Klugheit und der Vorsicht." Wir vermissen bei dieser scheinbar so reichhaltigen vierstimmigen Eintheilung dennoch eine fünfte Stimme, die der Gerechtigkeit: aber diese konnte freilich weder mit dem einen noch mit dem anderen Stimmenpaar ohne die schneidendste Dissonanz in einen Gegensatz gesetzt werden. . Ueberhaupt mag es wohl für das Gewissen eines Gesetzgebers ein recht trauriges Gefühl sein, einen * so herben Zwiespalt ungelöst in der Brust zu hegen. Was aber unsere Sache betrifft, so denken wir: wenn Menschlichkeit und Civilisation auf unserer Seite streiten, so wollen wir mit den Rücksichten der Klugheit und der Vorsicht schon fertig werden! A r t hu r Lumley Davids. (Geb. 1811. — Gest. 1832.) . Die Juden sind die eigentlichen Weltbürger, wie in einem großen Deutschen Staate auch vorzugsweise Staatsbürger heißen. Der Staat — d. h. die Allgemeinheit im Gegensätze zu jedem Besondern — uyd noch mehr die Welt, ist unsere Heimath, da die Stadt, in Per wir geboren sind, und der wir unsere theuerstm Kräfte weihen möchten, diese zurückweist, und uns für. ein warmes-Mitgefühl nur kalten Schutz verleiht. Die Welt macht keinen Unterschied unter ihren Bürgern; die Welt, welche der menschliche Geist selber ist, kennt nur ein einziges Maaß für Recht und für Pflicht, und wer ihr Bürgerthüm einmal erworben, dem kann keine künftige Gesetzgebung es wieder schmälern. Aber nicht bloß - in dieser abstrakten Bedeutung ist der Jude Weltbürger; denn seit er das eigene, ihm von Gott verliehene Land verloren, hat ihn die ganze übrige Welt ausgenommen, deren vielfarbige Nationalitäten er sich angeeignet, wiewohl auch die eigene, dieses wunderbare Erbtheil von Jahrtausenden, nicht untergegangen ist. Es wird häufig dem Juden ein Vorwurf daraus gemacht — und auch in England hat es Sir Robert- Jnglis, bei den letzten Verhandlungen über Emancipation der Juden, gethan — daß er in jedem ausländischen Juden seinen Mitbürger, seinen Bruder erkenne, und darum joll er unfähig seyn, das Land, das er und seine Voreltern schon seit Jahrhunderten bewohnen, als sein Vaterland und die christlichen Mitbewohner desselben, als seine Mitbürger zu lieben. Seltsamer Vorwurf, und noch seltsamere Logik! Wohl sind in uns zweierlei gleich achtungswerthe Nationalitäten, deren eine jedoch, die des uns mit seinen Früchten nährenden und mit seinem Geiste belehrenden und durchdringenden Vaterlandes, immer die andere zurückdrängen muß, wenn sie nicht selbst durch ein Machtgebot, das uns für Fremde erklärt, zurückgedrängt wird. Wenn die Straße, die hundert Schritte weit entfernt von dem Hause meines Vaters und meiner Großväter liegt, mir untersagt ist, wenn der Weg, den ich gemeinschaftlich mit meinem christlichen Schulgefährten eingeschlagen, für mich in der Mitte abbricht, während er für ihn dahin führt, wo er seine Fähigkeiten nach Lust entfalten kann, so muß ich wohl das freiere Ausland mehr als wein Ghetto und den fremden Juden mehr als den Schulgefährten lieben, der höhnisch zu mir herunterblickt, während er die Leiter der Ehren ernporsteigt. Nicht die Scholle, an der wir haften, sondern die Liebe, die uns aus dem heimathlichen Boden erwächst, macht das Vaterland. Wohl Denen unter uns, die ein solches gefunden! Diese Betrachtungen sollen als Einleitung zu mehreren kleinen Artikeln dienen, die ich in diesen Blättern über einige Juden des Auslandes zu liefern gedenke, welche sich in neuerer Zeit durch wissenschaftliche oder gemeinnützige Thätigkeit ausgezeichnet haben. Die Deutschen Juden haben großentheils Grind genug, sich für die des Auslands mindestens eben so sehr zu interesstren, wie für die eigenen Mitbürger.' ' Arthur Lumley Davids gehört zu denenigen Menschen, dtz, je kürzer die Freude war, die sie durch ihr Leben verbreiteten, einen um so lingern .Schmerz durch ihren Tob zmücklaffen; denn starb schon im Listen Jahre, nachdem er sehr BedutendeS Wst ohne Rücksicht auf seine Jugend in der

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