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Der Jude · 1832-12-28 · Heft 22 (28.12.1832) · p. Seite 172

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 22 (28.12.1832)
Date
1832-12-28
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 den Grundsätzen -er Freiheit, der Rechts-Gleichheit, des Fortschreitens huldigte, zu denen wit uns von ganzer Seele bekennen, und auf die wir unsere Ansprüche bauen; — welche aber jenen Grundsätzen ihre Anwendung auf unsere Sache unter Vorwänden, deren Nichtigkeit wir nachgewiesen zu haben glauben, ihre Anwendung versagte. Die Beforgniß Einiger, daß die Autorität der Badischen Kammer ihrem Beispiel bei -anderen legislativen Versammlungen Eingang verschaffen werde, ist durch die Erfahrung widerlegt worden; die später erfolgten Verhandlungen der Bairischen und vor Allem das glänzende Votum der Kurhessischen Kammer haben den Beweis geführt, daß die große Mehrheit der Männer der Freiheit in Deutschland ihre Grundsätze auch auf die Schwachen angewandt wissen will; und es ist schon das als ein erfreulicher Triumph der guten Sache zu betrachten, daß in den beiden angezogenen Fällen des Vorganges in der Badischen Kammer, auf die man sich in anderen Beziehungen so gerne und häufig berief, mit keinem Worte Erwähnung geschehen. Dennoch muß uns jene einzelne Ausnahme von der allgemeinen Regel, jene Anomalie in den Aeußerungen Deutschen Freiheitssinnes wie ein rätselhaftes Phänomen erscheinen, das einer Erklärung bedarf. Diese Erklärung möchte vielleicht am nächsten in dem Mangel aller Grundsätze gesucht werden können, in dem Hinneigen auf die Seite, wo gerade die Mehrheit steht, wo Sieg und Glanz und Gunst zu erringen ist, ohne gerade begeistert zu sein für die Grundsätze, die es zu vertreten gilt, die man dann ihrem Schicksale überläßt, wenn sie von ihrem glänzenden Geleite verlassen sind. Die Sache der Volksfreiheit schien damals in Baden den Gipfel ihres Glückes erreicht zu haben; eine unpopuläre Verwaltung hatte sich vor dem Urtheile der öffentlichen Meinung zurückgezogen; die Gesetzgebung schien sich von diesem ihr bis dahin ganz fremden Elemente durchdringen zu wollen; eine neue Aeca des öffentlichen Lebens schien zu beginnen. Warum sollte die Freiheit nicht auch, wenn sie im Glück ist, ihre Schmeichler, warum sollte sie nicht ihre Heuchler und ihre Höflinge, wie der Glaube und das Königthum, haben? Ein Anderes ist es, unter dem Beifalljauchzen vieler Tausende für ihre gute Sache eine gefahrlose Lanze brechen, ein Anderes, im einsamen Kampfe, verkannt von den Vorurtheilen der Menge, der Märtyrer eines Grundsatzes ohne Ruhm und eignen Vortheil werden. Jndeß, wir gestehen es offen, wir achten einen großen Theil der Mitglieder jener Kammer zu hoch, wir erwarten noch immer von ihren Arbeiten zu viel für den Sieg des konstitutionellen Prinzips, der auch den Sieg unserer Ansprüche nach unserer festen Ueberzeugung herbeiführen muß, als daß wir .uns ohne innige Betrübniß mit jener Erklärung begnügen könnten. Wir haben daher einen tieferen Grund jener Erscheinung aufgesucht, und glauben ihn ohne viele Mühe gefunden zu haben. Es giebt eine zwiefache Freiheitsliebe von verschiedener Art und von verschiedenem Werth, die man sich hüten muß, miteinander zu verwechseln. Die eine ist die Liebe zur eignen Freiheit, die diese höher stellt, als alle anderen niederen Güter des Lebens, und in jedem Augenblicke Gut und Blut ihr zu opfern bereit ist. Diese ist es, die wir an den Helden des Alterthums und des Mittelalters bewundern, die für ihre Freiheit, für die Freiheit und Ehre ihres Vaterlandes, ihres Fürsten oder ihres Standes, an die sie die eigne geknüpft hatten, den Heldentod starben, aber nichts desto weniger ihre Sklaven züchtigten , den als Knecht gebornen für einen von Na-, tur Unfreien, den Unebenbürtigen für einen zu minderer Ehre berechtigten hielten; die es für des Mannes unwürdig hielten, Druck zu dulden, aber an dessen Ausübung sich wie an einer Befriedigung ihres Stolzes labten. Diese Liebe zur Freiheit ist es aber nicht, die in unserem Jahrhundert die Geister bewegt; sie ist es nicht, welche die freieren Gestaltungen des Sraatslebens in unseren Tagen hervorgerufen und welche den Kamps gegen die Unterdrückung beseelt, wie wir ihn erlebten und erleben. Wir bedienen uns oft gangbarer Bezeichnungen, die wegen ihres häufigen Gebrauchs in den Vorkommnissen bes konkreten politischen Lebens uns am Ende nur vorübergehende Erscheinungen und Partheien zu benennen scheinen, so daß wir ihre wahre innere Pedeutung darüber vergessen. So ergeht es uns manchmal mit den Ausdrücken „liberal'' und „Liberalismus" in denen gerade der Gedanke liegt, den wir im Gegensätze jenes egoistischen Freiheitsgefühls hervorheben möchten. Sie bezeichnen uns die Freiheitsliebe, welche, erhaben über

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