Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 22 (28.12.1832)
- Date
- 1832-12-28
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 da mochte es Manchem als eine unter vielen passenden Huldigungen gegen die Masse des Volkes erscheinen, wenn man eine kleine Anzahl seiner bedrückten Mitbürger ihm als Folie seines leuchtenden Werthes entgegenhielte. Hat man durch diese Mittel den Vorgesetzten Zweck erreicht? Hat man das Volk, dessen Vorurtheilett man, um es zu gewinnen, auf Kosten heiliger Rechte fröhnte, stark gefunden in der ernsten Stunde, wo es galt, die eignen heiligen Rechte zu vertheidigen?-Ich muß wohl durch das lange Brüten über den verworrenen Debatten ein wenig verwirrt im Kopfe geworden sein: sonst weiß ich nicht, durch welche seltsame Jdeenverbindung mir bei der „ zu verkaufenden Kuh " des Herrn v. Itzstein, „welcher ein Dutzend Juden nachspringt" schon zu wiederholten Malen die Badische Preßfreiheit eingefallen ist, die doch mit dem unvernünftigen Vieh, außer ihrem letzten Schicksale, gar nichts gemeinschaftliches zu haben scheint. Vielleicht dachte ich auch an jene wunderbare Kuh, welche, wie uns alte Schriftsteller berichten, die Priester eines alten Volkes, ich glaube der Egypter, zu suchen pflegten, und, wenn sie ihr begegnet, freudig auszurufen „wir haben sie gefunden!" und laut zu jauchzen und zu frohlocken. So jauchzte und frohlockte man in Baden, als man das hohe Gut des freien Wortes errungen hatte; feierliche Fackelzüge erhellten das Dunkel der Nacht; donnernde Vivats für die Vollbringer des großen Werkes hallten durch ihre Stille. Am Fuße der weinbekranzten Anhöhen der Bergstraße ward von den edelsten und angesehensten Männern des Großherzogthums und der benachbarten Staaten ein Freudenfest zu Ehren der lange ersehnten, endlich errungenen Preßfreiheit begangen; allen Denen, die einigen Antheil an der Vollführung des großen Werkes genommen hatten, wurden aus allen Deutschen Provinzen Ehrenbecher zum Geschenk gemacht, um sie bei frohem Mahle aus die Erhaltung des köstlichen Gutes, auf die Erkampfung weiterer Siege zu leeren. — Wenige Monate darauf ward die arme Kuh gebunden und zur Schlachtbank geführt: kein Leichenmahl hat ihr Hinscheiden gefeiert; keine lauten Klagelieder, die Ohren ihrer Henker zu erschüttern, wurden an ihrem Grabe vernommen; nicht eine einzige einsame Fackel war übrig geblieben, um als ein Zeichen der Trauer die düstere Nacht zu erhellen, von der es noch immer nicht getagt in unserem Vaterlande; die Anhöhen der Bergstraße, die' damals von dem Geräusch einer stürmischen Freude wiederhallten, gaben jetzt keinen hörbaren Laut des Unmuths zurück; die gefeierten Helden jener Tage haben ihre Becher, die Geschenke ihres geliebten Volkes, die Vermachmisse der sterbenden Freiheit, nicht wie jener alte König in die Fluthen hinabgeworfen, sie schlürfte vielleicht noch daraus den goldenen Wein ihrer Hügel: aber die Ehre ist doch wie die Freude dahin; ihre gegen das Vaterland übernommene Schuld ist unbezahlt; ihr Wort ist verfallen, bis sie es ernst ui|t> kräftig lösen! — Auch an Maklern hat es, um das Gleichniß ganz vollständig zu machen, bei dem schlechten Handel keineswegs gefehlt, die ihn, weil es nun einmal zu ihrem Handwerke gehört, vollziehen halfen, und sich willig dazu brauchen ließen, ihm die erforderliche Form und Gültigkeit zu geben: ihre Namen sind deutlich gedruckt zu lesen am Fuße eines Aktenstückes, das ich nicht naher zu bezeichnen brauche; es fehlen nur sehr wenige Namen, um das Dutzend voll zu machen; auch waren es zum Theil die vorher geachtetsten im Lande, und manche gehören Männern an, die sich aus den Reihen der liberalen Opposition zu ihrer hohen Stellung emporgeschwungen. Und unter den Allen ivar nicht Einer, der „Nein" gesagt, und auf seine Stellung verzichtet hatte, um der beschwornen Verfassung pünktlich treu zu bleiben und mit unbefleckter Ehre vorden Augen des Volkes und seiner Vertreter wieder erscheinen zu können! Gehen sie auf den Viehmarkt, Hr. v. Jtzstein, und bitten Sie dem ersten besten Dutzend Viehmäkler Ihre Beleidigungen ab! Die schmutzigsten Seelen unter ihnen - hatten nicht schmutziger handeln können, als es die am höchsten Gestellten Ihres Volkes gethan! Äir sind nunmehr einem neuen Punkte unserer Betrachtungen ganz nahe gekommen, den wir am Schlüsse dieses Aufsatzes in's Auge zu fassen uns vorgenommen hatten, und den wir als den Schlußstein des Ganzen um so eher betrachten dürfen, als ln ihm der wichtigste Grund liegt, warum wir auf diese Angelegenheit einen so großen Werth gelegt, und die Verhandlungen einer so ausführlichen Kritik unterziehen zu müssen geglaubt haben. Wir haben hier eine Versammlung vor uns, die in den übrigen Beziehungen 22*