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Der Jude · 1832-12-21 · Heft 21 (21.12.1832) · p. Seite 167

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 21 (21.12.1832)
Date
1832-12-21
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 maßen, sittlich Besseres oder ein bloß durch die äußere Form besser scheinendes ist. Die Frage ist für unser sittliches Leben und^ Streben von der größten Bedeutung; denn ein Jrrthum in ihrer Lösung setzt uns in Gefahr, statt des höchsten sittlichen Ideales ein falsches, erniedrigendes vor Augen zu haben, das uns hemmt, anstatt uns zu fördern: einen Götzen statt des Gottes anzubeten. Sie ist aber von der Art, daß sie nicht , nach allgemeinen Grundsätzen, selbst nicht nach allgemeinen Erfahrungen entschieden werden kann; daß vielmehr ein jeder denkende und fühlende Mensch nach seinen eignen inneren und äußeren Lebens - Erfahrungen sich ein Refilltat darüber bilden muß. Ich kann daher nur die Geschichte der Entwickelung meiner Ansichten darüber mittheilen; Andere mögen die ihrige damit vergleichen und die eine oder die andere darnach berichtigen; Manche werden vielleicht die ihrige darin wieder erkennen. Ich bin unter meinen Glaubensgenossen ausgewachsen und zwar unter solchen, welche, , wenn auch sehr oft ihrer Neigung und ihrem inneren Berufe zuwider, mit wenigen Ausnahmen nichts anders als Kausieute sein konnten und dursten. Ich fand unter diesen ehrwürdige Beispiele hoher Sittlichkeit, edler Selbstverleugnung und Aufopferung für das Wohl Anderer; aber ich fand bei der größeren Menge neben dem r herrschenden Sinn für Wohlthun und einem ziemlich allgemeinen Streben nach geistiger Bildung viele Elemente des Eigennutzes und der Selbstsucht, die dem Sinne für das Gemeinwohl, der Begeisterung für höhere Lebenszwecke oft Abbruch thaten. Unter diesen Umständen hörte und las ich die von Christen ausgehenden Urtheile über die Gewinnsucht, den Handelsgeist der Juden, über ihre Geldliebe u. s. w. Ich war zu jung, die mir ferner liegenden Gebiete des Lebens schwebten der jugendlichen Phantasie in zu glänzendem Lichte vor, um nicht an eine diesen Vorwürfen zu Grunde liegende lebendige Wahrheit zu glauben. So bildete sich in mir die Vorstellung, daß jene sittlichen Mängel nur an dem beengten, zusammengedrängten kaufmännischen Treiben hafteten; daß in den glücklichen Kreisen des Lebens, wo ein freier Gebrauch aller menschlichen Kräfte,, eine freie Entwickelung aller.menschlichen Anlagen gestattet sei, jene strenge Tugend, jene hohe Uneigennützigkeit, die ich unter uns nur als Ausnahme wahrnahm, die Regel bilden; daß jenes selbstsüchtige Treiben und Drängen einer endlosen Konkurrenz, wo Zeder'in seinem Nebenmanne Einen sieht, der ihm im Wege ist, nur der kaufmännischen Welt angehöre, während in anderen würdigeren Verhältnissen die Kräfte Aller in liebender Vereinigung nach einem Ziele hinarbeiteten. Die Versagung gleicher Rechte von Seiten jener in freierer Stellung befindlichen, deren wahren Grund ich damals nicht begreifen konnte, weil er mit dem Inhalt " jener Träume nicht in Einklang zu bringen war, schien mir auf einem leicht zu hebenden Mißverständnisse zu beruhen, und ich freute mich der nahen Zukunft, wo meine Glaubensgenossen durch eine freiere ihnen gestattete Bewegung jener freieren, edleren Gesinnung auch würden zugeführt werden. Es schien mir selbst ein glückliches hoffnungsreiches Ereigniß für diese Letzteren zu sein, daß sie sich an dem schönen Beispiele der Mehrzahl ihrer begünstigteren Mitbürger emporheben könnten. Ich hatte^ damals das Geständniß dieser Hoffnung öffentlich ablegen können, ohne darüber zu erröthen, und ich würde noch jetzt, wenn ich jenen Glauben noch hätte, darin nichts erniedrigendes für uns sehen: ja ich würde mich noch heute darüber freuen. Warum sollten Druck und Beengung nicht auf die Gesinnung niederdrückend wirken können? Wenn die größere Freiheit größeren Adel der Gesinnung erzeugt hätte, warum sollten wir uns schämen, bei ihm in die Schule zu gehen und von ihm zu lernen? Der Stolz, der die Menschen, weil sie sich besser als Andere dünken, es verschmähen läßt, von Anderen das Gute anzunehmen — der ist längst gebrochen in unseren Gemüthern; von dem ist seit langer, langer Zeit keine Spur mehr unter uns zu finden. — Mit diesen Vorstellungen näherte ich mich allmählig den verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Lebens, insbesondre demjenigen Stande, welchen ich früher als den Inbegriff aller Uneigennützigkeit und Reinheit der Absichten verehrt hatte, — dem Gelehrtenstande in seinen verschiedenen, dem Juden gcößtentheils unerreichbaren Stellungen im Leben. Je mehr ich beobachtete, desto mehr fand ich mich in weinen schönen Erwartungen getäuscht. Ich fand allerdings sehr ehrenwerthe Beispiele hoher Uneigennützigkeit und aufopfernden Strebens für das Gute; aber bei der

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