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Der Jude · 1832-12-21 · Heft 21 (21.12.1832) · p. Seite 168

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 21 (21.12.1832)
Date
1832-12-21
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 bei weitem größeren Menge fand ich dasselbe eigennützige Treiben, dasselbe Unterordnen geistiger unter materielle Interessen, dieselbe vorherrschende Lust am Erwerb, die ich in meiner Unschuld für lauter eigen- Ihümliche Fehler des Handelsstandes und des Jüdischen beschrankten Handelsgeistes insbesondre gehalten hatte. So gelangte ich allmählig zu der Ueberzeugung, daß die Achtbarkeit des Menschen durch seine Beschäftigung im Leben in keinerlei Weise bestimmt wird; daß kein Stand dem anderen seine niedrigere Gesinnung vorzuhalten berechtigt ist; daß, wenn das Treiben des Eigennutzes im merkantilischen Leben zum Theil greller hervortritt, während es sich in anderen Gebieten m zartere Formen zu hüllen weiß, dieser Unterschied ein ganz äußerlicher ist, der unser Urtheil über den Werth des Menschen nicht bestimmen darf. Wenn uns ein armer Schacherjude, der vielleicht hungernde Kinder von dem Ertrage speisen will, zudringlich nachlauft, um uns einen alten Rock zu verkaufen, so empfinden wir Ekel über diesen Anblick; wenn aber der Gebildetere, der Wohlhabende, der auch ohne das existiren könnte, bei den Behörden bettelt, in den Vorzimmern der Großen kriecht, um eine Pension, eine Zulage, ein Aemtchen zu erhaschen, so steht er fürwahr um nichts höher, als jener. Wenn, wie Hr. v. Jtzstein erzählt, die Juden zu Dutzenden einer zu verkaufenden Kuh nachspringen, so muß das freilich'ein sehr unerfreuliches Schauspiel sein; wenn aber Dutzende über ein erledigtes Amt herfallen, und ein Jeder durch Gunst und Protektion und Intrigen den Anderen zu überflügeln sucht, so daß es am Ende über den vielen Menschen, die des Amtes zu bedürfen scheinen, ganz vergessen wird,, daß das Amt auch des Mannes bedarf, so scheint mir . das ein noch unerfreulicheres Schauspiel. Um den kleinlichen Geist, dessen Wahrnehmung meine Gesinnung verändert hat, jenen Krämergeist außerhalb des Krämerstandes, bestimmter zu charakterisiren, ohne mehr als nöthig in das Gebiet der Persönlichkeiten einzugehen, will ich beispielsweise eine Erfahrung mittheilen, die ich gerade. in dem Staate, welcher der unmittelbare Gegenstand , dieser Betrachtungen ist, zu machen Gelegenheit hatte. Sonst außer allen Berührungspunkten mit den Interessen Anderer, so daß ich nur unpartheiische Beobachtungen anzustel-, len, nicht eigne Erfahrungen zu machen Veranlassung hatte, habe ich in meinem Leben erst einen einzigen Wunsch gehabt, der mich selbst in eine Kollision der Art bringen konnte. Es war der harmlose Wunsch, mich einige Zeit lang als Docent an einer Deutschen Universität zu versuchen: ein Recht, das bekanntlich nach der altherkömmlichen freien Sitte der Deutschen Universitäten einem jeden Doktor ohne weiteres, ohne daß es einer besonderen Anstellung oder Ermächtigung dazu bedürfte, zusteht. Ich hatte dazu die Universität erwählt, an welcher ich vor mehreren Jahren die Doktorwürde erlangt hatte: es war das Paradies der Pfalz, das liebliche Heidelberg, das aus seinen freundlichen Bergen den andrängenden studirenden Jünglingen so bezaubernd entgegenlächelt, umstrahlt von dem zwiefachen Glanze seines Frühlings und ihrer Jugend. Auf meine Meldung erging aber vom Ministerium des Inneren die Entschließung, daß ich nicht zuzulassen sei, und zwar aus dem einzigen ausdrücklich hinzugefügten Grunde, „weil die Zahl der in der juristischen „ Fakultät vorhandenen Privatdocenten bereits mehr „als hinlänglich sei." Ich konnte in meiner Unschuld durchaus nicht begreifen , was man gegen die Zahl der Docenten (sie belief sich auf 7, während die juristische Fakultät der Universität Leipzig z. B. ohne Nachtheil deren mehr als 30 hat) haben könne, die doch weder an den Staat, noch an sonst Jemanden die geringsten Ansprüche machen. Ich war daher neugierig , die inneren Motive jener Beschränkung zu erfahren; ich erfuhr sie: es waren folgende. Erstlich wolle man durch die Konkurrenz solchen wenig beliebten und wenig gehörten Professoren, für die man doch einmal sorgen müsse, möglichst wenig schaden; zweitens werde das Ministerium durch die auf keinerlei Ansprüche gestützte zudringliche Bettelei der vorhandenen Docenten um Anstellungen auf eine widrige Weise belästigt; drittens erlaubten sich hie und da Docenten allerlei unanständige Mittel, um Zuhörer zu erhalten. Treibt alle Schacherjuden aus allen vier Weltgegenden zusammen, bildet aus allem Schmutz ihrer Gesinnungen eine einzige große Masse, und wenn Ihr eine intensiv größere Gemeinheit herausbekommt, als die ist, welche die Grundlage solcher Motive bildet, so will ich mir in Zukunft aste Schmähungen ruhig gefallen lassen. (Die Fortsetzung folgt.) Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altona.

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