Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 21 (21.12.1832)
- Date
- 1832-12-21
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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cipation der Juden. (V.S. 65—101.) Nichts Neues unter der Sonne!" kann man zu den Anklägern so wie zu den Vertheidigern derJuden sagen: Die Ankläger kommen wie die alten Weiber immer wieder auf das zurück, was sie schon tausendmal gesagt; dann müssen freilich die Vertheidiger den alten Männern gleichen, deren weisen Lippen dieselben Sentenzen und Lehren immer wieder aufs neue entfliessen. Dieses gilt besonders von den Streitigkeiten, die den Talmud zum Gegenstände haben. Herr Cohn hat hier eine sehr gut«; Auswahl getroffen und aus der uralten Rüstkammer die besten Waffen, hervorgesucht: Aus dem Talmud sowohl als aus dem Maimonides und anderen Schriften, die einer gewissen religiösen Autorität bei den Juden.geniessen, hat derselbe treffliche Stellen in guter und getreuer Uebersetzung mitgetheilt: Stellen, die allesammt der jüd. Religion das Zeugniß geben, daß sie eine Religion der Liehe u n d der Gerechtigkeit sei, und allen den Forderungen entspreche, die eine geläuterte Vernunft an den e in z e l n e n M e n f ch e n und an die Menschheit machen kann. Der ganze Abschnitt ist sehr ineressant und besonders solchen Staatsbeamten zu empfehlen, die nicht aus bösem Willen, sondern aus Unkunde gegen Juden und Judenthum eingenommen sind. *7/'-" Wir scheiden von dem Verf. mit dem Wunsche uns derselbe mit den Erzeugnissen seines Geistes recht bald wieder erfreuen möchte. .C. R. M. ' Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Karrunxr des Großherzogthruns Ba- . den über die Evancipation der Juden. (FortsttzuüK.) Uber auch in diesem , wie - in - anderM Punkten wird der wahre Stand der Sache durch Vorurcheile und absMtliche Falschheiten verrückt. Zu diesen zählen wir denn ganz besonders die Auffassung, ♦Me wir schon früher zu rügen GLlegettheit hatten, als sei die Beschäftig güng eines allzugroßen Theiles der Juden mit dem Handel dem öffentlichen Interesse Ln so fern nachtheilig, als dadurch ein Theil der Kräfte, der Produktion entzogen werde. Wenn wir in jener Einseitigkeit ebenfalls etwas Mißliches finden, so haben wir dabei einen ganz anderen Gesichtspunkt im Auge. Einerseits muß es auf die sociale Stellung einer wesentlich nur durch die Religion verbundenen Gemeinde nachtheilig wirken, wenn sie äußerlich noch durch ein anderes, der Religion so ganz und gar fremdes Moment verbunden erscheint. Andererseits ist auch für die Bildung ein wesentlicher Nachtheil dabei zu fürchten. Aus der gleichmäßigen Entwickelung der verschiedenen Anlagen und Kräfte der menschlichen Natur geht die reine menschliche Bildung hervor. Die besondere Ausbildung des Einzelnen wird gewöhnlich durch seinen Beruf bestimmt; seine menschliche Bildung wird durch die Berührung mit Anderen, in vielfachen anderen Richtungen ausgebildeten, gewonnen und genährt. Wenn daher in irgend einem engeren oder weiteren Kreise, innerhalb dessen die Menschen durch irgend ein Band, sei es ein politisches, ein Band des Standes oder der Religion, einander näher stehen, ein einziger Beruf der vorherrschende ist, so nimmt die allgemeine Bildung leicht die Farbe der Berufsbildung an und die menschliche leidet darunter. Auf diese Weise konnte die Art der Lntellectuellen Bildung, die der Handel vorzugsweise begünstigt, bei den Juden eine einseitig vorherrschende werden. Wären sie bis vor 25 Jahren, anstatt auf den Handel, auf irgend einen anderen Beruf z. B. auf Handwerke, auf den Ackerbau ausschließlich angewiesen gewesen, so würde diese Gebundenheit andere, aber nicht geringere Uebelstände erzeugt haben. Die mtetlcctuelle Bildung, die in der Natur des Menschen der Hebel und das Element der Wiedergeburt für die moralische ist, würde dann überhaupt viel geringer, mancher geistige Fortschritt würde viel schwieriger gewesen sein. — So nehmen wir die Sache; die oben bezeichnet Auffassung aber beruht auf einer Albernheit, die keinem einigermaßen Sachkundigen gegenüber einer Widerlegung bedarf. Fehlt es denn etwa irgendwo an produeirenden Kräften?, Wo — versteht sich, in einem civilisirtm stark bevölkerten Staate — der Wohlstand im Sinken begriffen ist, liegt es da etwa an mangelnder Produktion und nicht vielmehr an mangelndem Verkehr und Absatz, der den Bewohnern eines