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Der Jude · 1832-12-14 · Heft 20 (14.12.1832) · p. Seite 159

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 20 (14.12.1832)
Date
1832-12-14
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
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159 anbefohlen wird; wie 1639 im Hannoverschen Landtagsabschied Art. 30. die Vertreibung der Juden neuerdings beschaffen, doch nicht zur Ausführung gebracht wird; weil man zur Bevölkerung der jüngst angebauten Neustadt Hannover reiche Juden für ganz besonders geeignet hält" rc. rc. „Bemerken wir der Wahrheit gemäß, heißt es S. 20, daß seit dem Jahre 1723 wesentliche Verbesserungen mit der bürgerlichen Stellung der Juden in den hiesigen Landen, (die wenigen Jahre der Fremdherrschaft abgerechnet,) nicht vorgenommen sind, erwähnen wir, daß jene noch fortwährend bei uns in denselben rechtlichen Verhältnissen leben, deren Entstehung der finstern Zeit des frühen Mittelalters angehört, so haben wir mit wenigen Worten die traurige bürgerliche Lage gezeichnet, in der sich die mosaischen Glaubensgenossen im hiesigen Königreiche befinden. Ein Jahrhundert, voll der wichtigsten Ereignisse, ist seitdem hinabgerollt in das Meer der Ewigkeit, ein Säculum, wie kein anderes vielleicht die Geschichte aufzuweisen vermag, hat seitdem durch große Begebenheiten aus den rohen Formen des Mittelalters zu höherem, geistigem Dasein Staaten und Völker geführt, hat nicht bloß reiche Blüten der Bildung hervorgetrieben, sondern auch an der hellstrahlenden Sonne der Aufklärung in Europa und Amerika zu üppigen Früchten entwickelt, — aber, wie von den Rechten des Staats, scheint von dem alles ergreifenden Einflüsse der Zeit in den deutschen Landen des erhabenen Wilhelm IV. der unglückliche Israelit ausgeschlossen; dort wird der ihm als Mensch gewordene Freiheitsbrief im Jahre 1832 noch nicht anerkannt und sein unveräusserlicher Inhalt mit einem leidigen Schutzbrief und -er Befugniß 8 Procent Zinsen zu nehmen, vertauscht!!" Nun werden die bürgerlichen Verhältnisse der einheimischen Israeliten genauer auseinandergesetzt: wie sie eines Schutzbriefes bedürfen um im Lande geduldet zu werden; wie derselbe theuer bezahlt, oft renovirt, und wieder bezahlt werden müsse; von welcher Kraft ein solcher Schutzbrief sei; wie er unter andern das Pfandgeschast mit der Befugniß respective acht und zwölf Procent Zinsen zu nehmen zu treiben erlaubt; wie sie die Befugniß haben den Klein- und Wechselhandel im hiesigen Lande in beschranktem Maaße zu treiben; wie sie mit den übrigen Unterthanen gleiche Lasten tragen; überdieß aber noch namhafte Summen für die ihnen ertheilten Schutzbriefe zahlen müssen; wie die Gesetze den Juden nicht nur verbieten, Grundstücke eigenthümlich zu erwerben und somit Ackerbau und Viehzucht zu treiben, sondern auch die Befugniß absprechen, Aufnahmen in Zünfte und Gilden zu verlangen; wie den Juden-— doch wozu dem gefühlvollen Leser noch mehrere Barbareien vorrechnen! Denjenigen unter den christlichen Schriftstellern wollen wir diesen zweiten Abschnitt zum aufmerksamen Durchlesen anempfehlen, die da in dem Wahne stehen die Juden in Deutschland wären schon hinlänglich emancipirt. Leset und schämt euch, ihr allezeit fertige Schreiber, die ihr uns haarklein erzählt, wie es eilfhundert Meilen hinter den Huronen aussieht und, die Barbareien eures eigenen Vaterlandes nicht kennt! Hört es, die ihr in dem Wahne steht, das Christenthum habe schon die Spitzen aller Berge vergoldet, und den Schnee ' von den Gipfeln weggeschmolzen, vernehmt es daß es Königreiche, christliche Staaten giebt, in denen „die „Juden gegenwärtig noch in einem Drucke seufzen, der „selbst das finstere Mittelalter schändet und wenigstens „von Vorurtheilen zeugt, die man wohl den Buden „kleinherziger Krämer und den Kneipen der untersten „Volksklassen, nicht aber dem Gesetzbuchs irdend eines, „wenn auch nur wenig gebildeten Staats Nachsicht." (S. 34.) Wie die alten Propheten ihre Unglück und Jammer enthaltende Reden, um sich selbst zu erheben, mit der frohen Aussicht in eine bessere Zukunft beschlossen, so schließet der Vers, dieses Capitel von der unglücklichen Lage seiner Glaubensgenossen in seinem Vaterlande mit der frohen Hoffnung eines heitern Tages und baldiger Erlösung aus schmählichem Drucke, und diese Hoffnung sei um so gegründeter, „da ihre gerechten Wünsche eine kräftige Stütze an den hochherzigen Gesinnungen der allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs fanden." „Der hohe Sinn des erhabenen Wilhelm IV. wird es nicht dulden, daß 10,000 seiner Unterthanen ihres Glaubens wegen ferner noch im erniedrigendsten Drucke seufzen, Sein Vertrauen hat an die Spitze der Landesverwaltung Männer gestellt, die zu würdigen wissen den Geist der Zeit; Er beschenkt mit freien Institutionen nicht bloß die Völker, denen ein beneidenswerthes Geschick Seine Nahe gegönnt, auch Seinen deutschen Landen wird Er, wie Er ihnen eine nicht genug zu schätzende Bürgschaft für

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