Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 20 (14.12.1832)
- Date
- 1832-12-14
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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so oft Christen, oft z. B. ihre Vögte zu solchen verderblichen Geschäften bereitwillig finden. Habt Ihr den ernsten redlichen Willen, - diesen Nebeln abzuhelfen, so seht vor Allem darauf, daß Ihr Eure Bauern, so viel wie möglich, vor den Verlegenheiten bewahret, die den ersten Schritt zu ihrem Ruin herbeiführen: denn das ist eine durch die allgemeine Erfahrung bestätigte Wahrheit, daß wer des Wucherers bedarf und Einen sucht, auch unter allen Konfessionen Einen finden wird; ein durchgreifendes Mittel gegen den Wucher ist daher nur in der Verstopfung der Quelle, des Bedürfnisses, zu suchen. Belästigt also Eure Bauern nicht durch drückende, mit den Leistungen der begünstigteren Stande in keinem Verhaltniß stehende Abgaben; wirket durch Erziehung und Lehre dahin, daß sie nicht durch Trägheit und Ausschweifung in bedrängte Umstande gerathen. Demnächst gründet nach dem Vorgänge mehrerer Staaten Credit-Jnstitute, die den vorübergehenden Geldbedürfnissen des Landmanns unter billigen Bedindungen genügen: das ist der einzige Weg, um auch den augenblicklich bedrängten den Klauen des Wucherers zu entziehen. Habt Ihr das gethan, dann schärft so viel wie möglich, die Strafgesetze gegen den Wucher und gegen solche Geschäfte, die ihm gleich kommen; wendet aber auch jene Gesetze strenge gegen Jedermann an, wie man sie in Frankreich strenge gegen Christen und Juden anwendet. Scheint Euch das Alles zum Schutze Eurer Bauern noch nicht genügend, haltet Ihr sie für so dumm und leichtsinnig — denn so wird die Sache in der That von Vielen gestellt — daß Ihr sie vor Ueberlistung und nachtheiligen Geschäften, die sie doch freiwillig eingehen, gar nicht genug behüten zu können glaubt, so giebt es nur noch ein Mittel, ein verzweifeltes, aber doch kein ungerechtes, wenn es von der Gesetzgebung ausgeht. Gebt ihnen die Rechtswohlthaten der Minderjährigen, wie man sie den eingebornen Indianern in Amerika gegO ben; erklärt sie für unfähig, sich durch ein empfangenes Darlehn oder sonst auf eine Gefahr drohende Weise verbindlich zu machen; setzt sie in dieses schützende Verhältniß einem Jeden, der nicht Landmann ist, gegenüber. Wer aber diese oder ähnliche Maßregeln, wie es freilich nie. in der Mitte einer gesetzgebenden Versammlung, wohl aber von einzelnen Schriftstellern in Vorschlag gebracht worden, nur auf die Stellung der Landsleute gegen die Juden angewandt haben will, der giebt deutlich genug zu verstehen, daß er auch den Wucher gern zu den Erwerbsarten, die den Bekennern der bevorrechteten Religion Vorbehalten sind, gezählt wissen möchte. (Die Fortsetzung folgt.) Litterarische Anzeige (Eingesandt und durch Zufall verspätet.) Ueber die Lage der Juden nach gemeinem deutschem Rechte und die Mittel, dieselbe zu verbessern; mit besonderer Berücksichtigung des Königreichs Hannover. Ein Versuch von Moritz Cohen, Doctor der Rechte 'und Advocaten. Hannover 1832. In der Hahnschen Hosbuchhandlung. gr. 8. L>o oft dem Ref. ein gut und freisinnig geschriebenes Buch von Juden für Juden zu Gesichte kommt, nimmt sein Glaube an die bessere Menschheit bedeutend zg, denn er wird immer aufs neue überzeugt, daß, trotz aller Verkrüppelungs-Anstalten, die sittlich-hohe Natur der Menschen die herrlichsten Erscheinungen darbietet und demnach unverwüstbar sei. Wenn man erwägt, wie viele Hindernisse der intellektuellen und feientisischen Ausbildung den deutschen Juden noch vor 50 Jahren im Wege standen, und von wie unzähligen Ketten und-Lasten und sie heutigen Tages noch erdrückt werden, so gränzt es wahrlich an das Räthselhaste, daß sich Juden unter wissenschaftlicher Verwahrlosung zu guten ja zu gediegenen Schriftstellern emporarbeiten konnten, und an das Wunderbare, daß sie den Sinn für Freiheit gerettet Haben und mit menschenwürdigem Freimuth hervortreten, die lang entbehrten Rechte zu reclamiren. Sie nähern sich den Thronen der edlen Fürsten Deutschlands, nicht um Gnade, um einen Almosen bettelnd, sondern das fordernd, was ihnen gebührt und nur barbarische Willkühr ihnen vorenthalten hat, derUeberzeugung lebend, daß sie allenthalben, wo man in dem Throne einen nicht bloß eitlen und imposanten Ehrenstuhl, sondern eine Höhe erblickt, von welcher herab den unterdrückten Völkern Recht und Freiheit gereicht und zugesichert werden soll, Gehör und Anerkenuung sindey wer-