Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 19 (30.11.1832)
- Date
- 1832-11-30
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 reichen würden. Wer im Kampfe für das Vaterland sein Blut zu verspritzen verpflichtet, und sich nicht gleicher Ansprüche an dieses Vaterland mit dem an seiner Seite kampfenden Mitbürger bewußt ist, wer eben in diesem Gebiete seine Zurücksetzung am lebhaftesten fühlen muß, weil er des einzigen Lohnes für vergossenes Blut, des Lohnes der Ehre für verlustig erklärt ist, für dem ist das Schlachtfeld eine Schlachtbank, nicht ein Feld der Ehre. Das hat selbst Oesterreich gefühlt, indem es zur Zeit des Krieges den Juden das Avancement selbst bis zum Range eines Kapitains als Lohn ausgezeichneter Tapferkeit gestattete; dieses Gefühls konnte sich auch Preußen nicht erwehren , indem es zur Zeit des Befreiungskrieges den Juden Ofsiziersrang gestattete, und erst nach wiedererlangtem Frieden diese Gestattung für die Zukunft stillschweigend zurücknahm. Ich möchte wissen, wie einem Badischen Liberalen zu Muthe sein muß, wenn ec eine Gesetzgebung vertheidigt, die in einer Beziehung noch hinter der Oesterreichischen zurück ist. Wollt Ihr aber jenen Geist der .Beschränkung, der in Baden, wie in den meisten Deutschen Staaten, seit einem Vierteljahrhundert mit dem Prinzip der Gerechtigkeit in Kampf begriffen, und in vielen Punkten unterlegen ist, in seiner vollen Wahrheit und Starke kennen lernen, so werfet eilig, so lange es noch Zeit ist, — denn ist der Zustand erst vorüber, so möchte es auch, dort bald vergessen sein, daß es je so gewesen, — einen flüchtigen Blick auf jene wenigen Staaten des Deutschen Bundes, wo noch kein Strahl .einer besseren Erkenntniß in die Nacht des mittelalterlichen Zustandes zu leuchten vermocht hat,, auf Sachsen, aus Hannover und auf Hamburg! (Die Fortsetzung felgt.) Littersrisehe Anzeige. Ueber die Nothwendigkeit und die Erfordernisse der wirksamen Volksschule, besonders der israelitischen. Als Einladungsschrift zu der am Ilten October d. I. an der hiesigen israel. Volksschule Statt findenden ersten öffentlichen Prüfung. Von vr. S a l o m o n Herxheimer, Herzogl. Anh. - Bernburg. Landrabbiner. Bernburg, 1832. (In Commission bei Ferd. Rubach in Magdeburg.) 30 S. 8. «Lede wesentliche Verbesserung und Veredlung der menschlichen Gesellschaft muß, wofern sie Wurzel fassen und von Grund aus wirksam werden soll, an die Erziehung und Jugendbildung geknüpft werden. Die besten Samenkörner verkümmern da, wo sie auf einen unempfänglichen, erschöpften Boden fallen. Keine Wahrheit bedarf darum weniger eines Beweises, als die, daß Völker und Gemeinden, denen es um eine vollkommene sittliche Wiedergeburt, um geistige Erhebung und Verjüngung Ernst ist, mit einer zweckmäßigen Gestaltung des Schul- und Erziehungswesens zu beginnen und zu — enden haben. In den Schulen oder nirgends keimt der echte Menschen- und Bürgersinn; in den Schulen erblüht die wahre Frömmigkeit, die der Freiheit des Gewissens und der Bruderliebe keinen Abbruch thut; an dem werdenden Geschlechts erneuen sich unwillkürlich unsere schönsten Hoffnungen und Wünsche, so oft die Gegenwart uns tauscht. In die jugendliche Welt der Unschuld und der ungetrübten Menschlichkeit haben sich deshalb alle diejenigen zu flüchten, die mit der ernsten Mahnung : „es muß besser werden!" bei den Erwachsenen kein Gehör finden; und erst wenn uns aus dem Munde der Säuglinge und Lallenden kein göttlicher, kein ermunternder Ruf mehr entgegen tönte, dann erst müßten wir an der Möglichkeit eines göttlichen Reiches aus Erden verzweifeln. Gibt es demnach überall für den Menschenfreund nicht leicht eine wohlthatigere Erscheinung, als ein wirklicher Fortschritt auf dem heiligen Gebiete der Volksbildung: so ist ein solches Ereigniß in dem Bereiche einer religiösen Gemeinde für die Mitglieder derselben doppelt erfreulich; denn die religiöse Gemeinde hat keine Bedeutung ohne religiöses Leben, das religiöse Leben keinen Bestand ohne religiöse Bildung, und diese erhält, wenn auch ihre Begründung zuerst durch das lebendige Beispiel in der Familie gefördert wird, doch ihre Vollendung durch das lebendige Wort des Unterrichts. Werin die angedeurete hohe Wichtigkeit dG Volksschulwesens einstimmt, und eine ällgemein zweck-