Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 19 (30.11.1832)
- Date
- 1832-11-30
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 alten Stoa, nämlich eines schlechthinigen Sollens aus innerem Motive, oder mit der Umänderung und Erweiterung dieser Lehre als des kategorischen Gebotes, im Sittengesetze, oder endlich im geistig unmittelbaren Müssen nach dem Princip des Würdigen und Schönen, (der Kalokagathie einer der neuesten kritischen Schulen) gegen die geoffenbarte in die Schranken tritt. Wie mag sich denn noch., wohl diese, bis dahin noch nicht assi'milirte, unserm Gemüthsleben noch immerdar äußerliche, selbst fremdartige harte, aufgedrungene unbeugsame geoffenbarte Religion noch Platz gewinnen, oder hätte sie ihn über das kindisch-furchtsame Menschenkind ehemals in dem Alter der Schwäche wirklich gewonnen gehabt; wie sollte sie ihre Herrschaft noch behaupten können in Tagen, da jede Autorität sinkt, und täglich tiefer sinkt; da alles Historische unerbittlich vor das Gericht der Vernunft gezogen, und schon deshalb mit dem Verdachte des Unrechts und der Werthlosigkeit behaftet wird, eben weil es auf Autoritat- und dieser gegenüber auf Unmündigkeit gegründet ist.*) Autorität, geistige Gewaltthat, gefährlicher und endlich empörender als die der.alten Harnische nnd Schwerdter, die nach und nach der geistigem Elasticität jenes berühmten schwarzen Pulvers erliegen wird, vielleicht nach langen langen erschöpfenden Trübsalen für unser armes Europa. Indem nun aber, wie die Sache gegenwärtig vor uns liegt, und gerade hier auf dem Standpunkte, auf welchem sich der Schreiber dieses, und (er denkt sich's) noch recht Viele seiner vermuthlichen Leser, befinden, eine solche Vergleichung und Abwägung, ein solcher Streit und Entscheid weder umgangen, noch überschleiert, oder gar vertuscht werden darf und kann: so ist es gewiß das Allergerathenste und Redlichste, den Jdeenkampf mit aller nur möglichen Ruhe und Besonnenheit einzuleiten, ihn mit gewissenhafter Strenge und Entschiedenheit sortzusetzen, und ihn endlich mit *) Ms eben demselben Grunde hat man denn auf umgekehrte Weise, als es in den folgenden Blattern geschehen soll, die Offenbarung des neuen. Bundes der sinkenden Autorität zu entziehen, und sie auf die Facta des ^tiefmenschlichen Gemüthslebens zurückführen zu müssen, für nothwendig erachtet. Ein bedenkliches Unternehmen für den Begriff der Offenbarung, oder für den Inhalt desselben. Davon nachher ausführlicher! — unerbittlichen und unzweideutigen Urthrilen zu beschließen. Ich hege das Vertrauen, daß die Materie desselben, wenn auch schwierig, doch zu gewältigen, und in einer hinlänglich faßlichen Sprache darstellbar sein wird. Jedenfalls ist ein solches Unternehmen nicht ganz zu vermeiden, sondern höchstens aus Zaghaftigkeit und Unentschiedenheit von einem Tage auf den andern, von einer Person auf die ändere zu verschieben. Der Zwiespalt stellt immer von Neuem, und immer dringender sich vor uns hin, und fordert immer dringender sein Recht der Entscheidung, der Entscheidung .seiner heiligen Lebensfrage. Schon allein der Umstand, daß diese Frage hier, und jetzt in ihren zwei schroffen Gegensätzen zur Sprache gebracht wird, zeugt , dafür, und wenn auch alle andren Stimmen schweigen, daß sie irgendwie zur Verhandlung und Ausgleichung reif ist; daß sich der Mensch der Epoche des Mannesalters nähert, oder sich vielmehr schon in ihm befindet. Somit lade ich den theilnehmenden Leser ein, mich auf diesem heiligen Wege der Forschung unermüdet zu begleiten, und nicht ungeduldig zu werden, wenn etwa der Gegenstand hie und da einige Schwierigkeit der Entwickelung böte. Er verdient wohl eben so gut/wie irgend einer, den Schweiß der Edlen, und ist werth der Mühe eines strengen Denkens. Er betrifft die erhabensten und heiligsten Fragen, und der Ausfall der Antwort entscheidet über das größte Gut der Menschenbrust. Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogthums Baden über die Emancipation der Juden. (Fortsetzung.) §)ie Frage, ob die Religion langer als ein Mittel zur Beschränkung der Konkurrenz mißbraucht werden soll, ist heutzutage an den meisten Orten die eigentliche Lebensfrage, die einzige praktische Seite der Frage der Emancipation der Juden, und, mich dünkt, ein Jeder, in dessen Gemüthe nur einige religiöse Gesinnung lebt, der nicht vor seinem Gewissen erröthen