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Der Jude · 1832-11-30 · Heft 19 (30.11.1832) · p. Seite 146

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 19 (30.11.1832)
Date
1832-11-30
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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Reihefolge seiner ihm eigenthümlicken Evolutionen, abgesehen von dem Objecte, zu welchem er erzogen werden soll, vorausgesetzt, daß dieses ein von Außen ihm Zugekommenes, in sich Fertiges sei. Die Gotteslehre der Offenbarung ist ein vom Anbeginne an und ursprünglich Vollendetes. Ist es erweislich, daß sich das höchste Wesen irgendwie über sein Selbst gegen den Menschen ausgesprochen, und sich ihm kund gethan hat: so ist dies erste Kundgeben ein wahrhaftig ewiges, und allem Wechsel, allem Zuthun, allem Abnehmen entzogenes Gedankenwesen, und ohne diesen allgemeinen Charakter würde das Wesen desselben aufgehoben, und die Offenbarung selbst des Wahrhaftigen geleugnet werden; es ist das unveränderlich ewig sich gleich Bleibende, und gleichzeitig das Höchste, das der Fassungskraft eines menschlichen Gemüthes zugänglich ist. Auf solche Art ist denn der Mensch in Beziehung zu diesem ewig feststehenden und unwandelbaren Gedanken, wie er im Leben sich überhaupt darstellt, nach seinen Hauptstadien der Entwickelung zuerst Kind, dann Knabe, dann Jüngling, und endlich Mann (ein Alter des Rückganges, ein, Stadium der Dekrepiditat, ist in diesem Falle kaum denkbar). Daher gibt es in Beziehung zur Offenbarung eine Epoche des Menschen, der Familie, oder des Volkes, in dem sie aufbewahrt wird, wahrend welcher sie wie mit kindlichem Vertrauen ausgenommen, und das ganze Leben in ihr und ihr gemäß in bewußtlosem Vertrauen hinläuft, ganz in ihr aufgelöst und durch sie geregelt. Es ist das Familienleben, das in der patriarchalischen Zeit mit so vielem Reize und so tiefem Vertrauen uns dargestellt ist. Die Offenbarung ist das Gebot, die Lehre des Hausvaters; das Kind ergibt sich derselben , und verlangt kein anderes Verstandniß. Dem väterlichen Gebote wird unbedenklicher Gehorsam geleistet, nach näheren Aufschlüssen oder gar nach innerlicher Selbstbestimmung wird nicht gefragt, es ist die Epoche der Autorität. In der nicht geoffenbarten Religion kann von einer solchen Epoche der Autorität begreiflich die Rede nicht sein; in dem Reiche vergänglicher menschlicher Fiction und Willkür aber ist die Autorität eben so vergänglich, und noch mehr erniedrigend und tyrannisch. Die nächste Epoche der Menschengeschichte in Beziehung zur Offenbarung ist die des Knabenalters mit allen knabenhaften Unarten, und der Schärfung zum Gesetze und Gebote. Das Zeitalter kindlicher Unarten, launenhafter Widersetzlichkeit, des Muthwillens mit unangefochtener Autorität des geoffenbarten Gedankens; Widerspruch aus-bloßer Störrigkeit, Trägheit, oder Lust an den Lüsten, an Spielereien; dies alles sind die Grundzüge dieser Epoche; und diesem entsprechend ist die Schöpfung des geoffenbarten Gesetzes; Bande gegen die unbezähmte Wildheit, und strenge Zucht, die eine unbedingte Unterwerfung fordert. Auf diese folgt sodann die dritte Epoche, die der Widersetzlichkeit aus der Entwickelung eines zur Reise sich vorbereitenden innern Geisteslebens. Selbstgefühl, und Widerwille gegen die Fessel der Autorität ist das Charakteristische dieser Jünglings-Periode. Das Machtgebot, das patriarchalische Vaterthum einer, in der Weise ursprünglicher Nomaden-Art gehandhabten, Herrschaft, wird in Anspruch genommen von einem der Mündigkeit entgegenwachsenden Geschlechts, und dieses fordert Gründe. Im überschwenglichen Gefühle hervorbrechender Lebenskräfte schweift es übermüthig aus, und macht endlich aus seinen Zweifeln die Glaubenslehre der frechsten Ungebundenheit, und streift endlich alles, bis dahin geduldig Ertragene, als Last und ungebührliche Hemmung, ab. Dieß ist die Jünglingsepoche. Von dieser Epoche an aber bildet sich zugleich der allerwichtigste Wendepunkt für die „nicht natürliche" geoffenbarte Religion, weil es sich von nun an, wo nicht um ihre Existenz im Menschen, so doch um ihre Bedeutung als eines Regulativs alles Menschlichen, des so heißenden humanen Lebens, handelt. Es hat sich nämlich eine ganz neue, und zwar die vierte Epoche im Menschen für die geoffenbarte Religion vorbereitet; das Mannesalter. Der Mensch ist mündig, und der Vormünder wird nicht allein abgedankt, sondern zur Rechenschaft gezogen. Der Charakter selbstständigen Seins und Wirkens geht zu Tage; das neur Geschlecht will Besitz; will sich was es bisher hatte, auch endlich aneignen, und erkennt nichts für das Seine, bevor es nicht dasselbe organisch mit sich verknüpft, und geistig assimilirt hat.

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